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19.03.2016

Leseschule, Flirtbörse

Über die Aufgabe der Bibliotheken

Da kommt kein anderes Kulturinstitut und keine Sportstätte mit: 210 Millionen Besucher jährlich zählen die Bibliotheken in Deutschland, die Nutzer im Netz noch gar nicht eingeschlossen. „In der Wissensgesellschaft erleben sie einen Nachfrageschub sondergleichen“, meint Rolf Griebel, der ehemalige Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek. Im Augsburger Presseclub leitete er eine Diskussion über die heutige Aufgabe der Bibliotheken.

Am Tisch saßen mit ihm die Leiter der vier großen Bücherspeicher in Augsburg, nämlich Manfred Lutzenberger (Stadtbücherei), Reinhard Laube (Staats- und Stadtbibliothek), Ulrich Hohoff (Universitätsbibliothek) und Angelika Hofmockel-Orth (Hochschul-Bibliothek). Längst stellen sie mehr als papierene Bücher zur Verfügung, immer stärker rücken elektronische Medien in den Vordergrund – seien es E-Books und Hörbücher, (Lern-) Spiele oder wissenschaftliche Publikationen und Datenbanken, die kostspielige Lizenzen erfordern. Im Internet sei zwar vieles zu finden, aber nicht alles ist frei zugänglich. Die Hochschule hat schon zwei Personalstellen speziell zur Beratung elektronischer Nutzer vor allem aus Fach- und Berufsoberschulen, aber auch Berufstätiger aus Design. Auch die Unibibliothek wird inzwischen stärker von Gymnasien genutzt.

Unterschiedliche Profile ergeben sich aus den Bedürfnissen der jeweiligen Benutzer. In der Stadtbücherei ist es vor allem die Sprachförderung ihrer zahlreichen jungen Besucher und die interkulturelle Vermittlung in einer Stadt mit hohem Anteil an Migranten und Flüchtlingen. Doch auch die „Stabi“ mit ihrem einzigartigen Bestand von 500 Jahren weiß sich berufen, zur Vertiefung des Selbstverständnisses der Augsburger Bürger beizutragen. Es gelte, „Zukunft durch Herkunft zu sichern“, so Laube, damit nicht eine kurzfristige, ökonomisch orientierte Sichtweise ihr Handeln dominiert. Der Stabi-Leiter schüttelt den Kopf darüber, wie in Augsburg jemals eine ihrer bedeutendsten kulturellen Sammlungen „gänzlich zur Disposition gestellt“ werden konnte.

Zudem ergibt sich mit der Sanierung und Erweiterung der Stabi eine städtebauliche Perspektive für das gesamte Viertel. „Es könnte ein sehr attraktives Areal entstehen“, meinte Laube. Für die Stadtbücherei war der Neubau mit ihrer transparenten Architektur in zentraler städtischer Lage „ein echter Quantensprung“, bilanzierte Lutzenberger. Augsburg sprang in der bundesweiten Statistik von ganz unten in die Riege der Besten, die Benutzerzahl schoss nach oben und 70 Freiwillige arbeiten mit. Finanzmittel könnte jede Bibliothek ständig mehr vertragen, als ihr zugeteilt werden. Auf jeden Fall gratis sind Bibliotheken nicht zuletzt als Flirtbörsen für verliebte Blicke zwischen den Regalen…

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