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Klanghalle

25.09.2011

Musik aus dem Einkaufswagen

Staubsaugergetöse zum Schlagzeuggewitter: Axel Kretschmer (l.) und Steffen Moddrow in den Räumen des H2 – Zentrum für Gegenwartskunst.
Bild: Wolfgang Diekamp

Axel Kretschmer und Steffen Moddrow in neuen Tonwelten.

Happeningmusik, Pantomimenklänge und Geräuschballett – beim 3. Klanghallenkonzert im H2 war fast jedes Kunstgenre involviert. Es gastierten die Klangkünstler Axel Kretschmer und Steffen Moddrow, die seit „Mehr Musik!“ in Augsburg nicht mehr unbekannt sind und ihrem Motto getreu „Musik mit allen Mitteln“ à la Cage und Kagel fabrizierten. Ein handverlesenes, doch begeistertes Publikum führten sie in einem poetisch-humorigen, mitunter haarsträubende Töne hervorbringenden Parcours durch ihren Erlebnispark der Klangskulpturen, öffneten die Ohren für die Musik im Geräusch und das Geräusch in ihr.

Erst auf den zweiten Blick waren die zehn Klangstationen von ständigen H2-Exponaten zu unterscheiden – eine erwünschte Irritation und Visualisierung des Gesamtkunstwerks der zwei „Stereo Attachés“ aus Kassel. Jeder Klangskulptur oder Klanginstallation war ein Stück auf den Leib geschrieben. „Trinken auf Rädern“ zu Beginn spielte sich etwa in und um einen Einkaufswagen ab, der mit Flaschen, Dosen und Tüten gefüllt war. Gefährt und Inhalt wurden geknautscht, mit Geigenbogen gestrichen, mit Trommelstäben beklopft und geschüttelt, die Spannung stieg, die Lautstärke wuchs, fiel wieder ab.

Leiseste Geräusche erhielten eine Gloriole aus Hall

Die hellhörige Akustik war dafür geschaffen, leiseste Geräusche wurden auf natürliche Weise verstärkt und bekamen eine bedeutungsvolle Hall-Gloriole. Unterhaltung und Substanz, Können und Gaukelei, Absprache und Improvisation hielten sich die Waage: Mal wurde es ernst, und die zwei Interpreten, die sich virtuos zuspielten, verbreiteten Neue-Musik-Konzertatmosphäre.

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Etwa in „Sat II“, einer elektronischen Klangstation aus Satelliten- und einer Art Klangbräuschüssel mit Sphärentönen. Mal wurde das H2 zur Manege und die Aufführung eine harlekinische Nummer – so in der Kartonpercussionskulptur „Papp à la Papp“, die von Kretschmer nach Taiko-haftem Einstieg um ein Pappbecken komplettiert wurde, während Moddrow sich ekstatisch austrommelte.

Jedes Stück hatte einen klaren Aufbau oder Verlauf, den roten Faden bildete der swingende Groove: Schließlich ist Steffen Moddrow neben Plastikflaschenbläser vor allem Profi-Schlagzeuger. Auch Axel Kretschmer spielte mehrere Instrumente, vom Bierdosen-Banjo bis zur Phiolenquerflöte. „Elephant of Crime“ war der krönende Schluss. Zum Schlagzeug-Trommelgewitter erzeugte der Staubsauger ein wahrlich elefantöses Getöse. Langer Beifall und Zugabe.

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