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Augsburg

10.07.2019

Radfahrer pochen auf Abstand im Verkehr

In Augsburg warben Radler für mehr Sicherheitsabstand.
Bild: Michael Eichhammer

Viele wunderten sich, warum Gruppen von Radfahrern mit Poolnudeln auf dem Gepäckträger rund um den Königsplatz fuhren. Die kuriose Aktion hat einen ernsten Hintergrund.

Die Radlnacht am kommenden Samstag mag der Höhepunkt der 2. Augsburger Radlwoche sein, doch das wohl mit Abstand lehrreichste Event fand bereits am Dienstag dieser Woche statt. Die vom Augsburger Kreisverband des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) organisierte Aktion „Mit Abstand? Aber sicher!“ sollte demonstrieren, wie weit Theorie und Praxis in einem Aspekt des Straßenverkehrs auseinanderklaffen. Der Mindestabstand, den Autos beim Überholen von Fahrrädern halten sollen, beträgt 1,5 Meter.

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Radler fahren in Augsburg mit Abstandshalter

Um den Mindestabstand optisch zu veranschaulichen, wurden die Fahrräder der teilnehmenden Radler am Treffpunkt am Kö mit je einer Poolnudel ausgestattet, die man auf dem Gepäckträger anbrachte. Quer zur Fahrtrichtung, damit die eineinhalb Meter Sicherheitsabstand für die Radler zum Greifen und für die Autofahrer zum Begreifen nah waren. Dass in Sachen Verkehrsspäterziehung noch einiges zu tun ist, konnte jeder hautnah erleben, der mit seinem Drahtesel und seiner Poolnudel seine Runden drehte.

Die Radler-Gruppen nahmen unter der Regie von ADFC-Mitgliedern unterschiedliche Routen rund um den Kö. Mit ihrem seltsamen Sperrgepäck ernteten sie neugierige Blicke von Passanten. Die Autofahrer waren ebenfalls überrascht. Nicht immer angenehm, wie manche Reaktionen zeigten.

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Autofahrer hupen

Radler Thomas Kallenbach, der auf seinem Zweirad gleich mehrere Routen ausprobierte, wurde von einem Autofahrer angehupt. „Das ist Nötigung“, echauffierte er sich. Auch ein Bus hatte seine Poolnudel in der Fuggerstraße touchiert. Die Schuld gab er allerdings nicht dem Busfahrer: „Da ist kein Platz.“ Sein Fazit: „Bis sich Augsburg den Ruf als Fahrradstadt verdient , ist es noch ein sehr weiter Weg. Derzeit ist es eher eine Straßenbahn- und Bus-Stadt.“

Malaika Kreß besuchte die Radlwoche eigentlich, um sich über das Thema Lastenräder zu informieren, machte dann aber spontan bei der Poolnudel-Fahrt mit. An vielen Stellen waren Radwege und Autospuren so nah beieinander, dass der Abstand von 1,5 Metern von Autofahrern schlichtweg nicht eingehalten hätten werden können. „Eigentlich dürften die Autos dann nicht überholen, aber dass ein Fahrzeug hinter unserer Gruppe blieb, habe ich auf der gesamten Route kein einziges Mal erlebt“, sagt sie. An anderen Stellen gab es nicht mal Radwege. „Manchmal hat man das Gefühl, die Autofahrer denken, wir dürften gar nicht auf der Straße sein“, glaubt Kreß. Ebenso spontan wie die Teilnahme an der Poolnudel-Fahrt war die Entscheidung, noch direkt am Stand des ADFC die Mitgliedschaft zu unterschreiben. „Seit 14 Jahren bin ich täglich mit dem Fahrrad unterwegs“, erklärt Kreß. Es gebe immer wieder Verbesserungen, aber auch Rückschritte. Zu Letzteren gehöre der Radweg am Jakobertor in Richtung City-Galerie.

Radler in Augsburg hoffen auf mehr Platz

Der sei schon einmal den Radlern vorbehalten gewesen, nun müsse er wieder mit den Fußgängern geteilt werden. „Deshalb will ich mich nun einbringen, damit mehr getan wird für die Radfahrer“, sagt Kreß. „Je mehr Leute dabei sind, desto eher geht da etwas voran.“ Bis 2020 soll der Anteil des Radverkehrs auf mindestens 25 Prozent steigen, so die Stadt Augsburg. „Dafür muss man investieren“, sagt Almut Schwenke vom ADFC-Vorstand. Der Club feiert in diesem Jahr sein 40. Jubiläum und wirbt mit dem Slogan: „Mehr Platz fürs Rad“. Derzeit allerdings wären bei Platzproblemen die Radfahrer stets diejenigen, auf deren Anliegen verzichtet würde.

Lesen Sie auch unsere Kolumne: Sorry, ich habe mich geirrt!

Die Stadt sei allerdings auf dem richtigen Weg: „Man spürt, da bewegt sich was“, ist Schwenke überzeugt. Den Fahrradclub beschreibt sie als „Lobby der Alltagsradler“, die sich dafür einsetzt, dass Radfahrer „zügig, sicher und bequem“ von A nach B kommen. Bei der Poolnudelfahrt erklärt sie, viele Radfahrer würden sich selbst gefährden, weil sie etwas nicht bedenken: Man braucht nicht nur nach links einen Abstand zu den Autos, sondern auch einen von mindestens 75 Zentimeter nach rechts – beispielsweise als Schutz vor sich öffnenden Türen parkender Fahrzeuge. „Als Radler muss man eine starke Persönlichkeit haben“, meint Almut Schwenke. „Unser Ziel ist es aber, das Radfahren so sicher zu machen, dass jeder sich traut.“ Ein Schritt in diese Richtung soll die Radlwoche sein, die sich noch bis zum Samstag den Belangen der Radler widmet.

Wie ist es, wenn man in Augsburg mit dem Fahrrad unterwegs ist? Erfahren Sie mehr in der neuen Folge unseres Podcast "Augsburg, meine Stadt".

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13.07.2019

Manche Autofahrer kennen wohl nicht das Gefühl, wie es ist, wenn man auf einer Landstraße von Autos überholt wird, die trotz Gegenverkehrs - auch LKWs - überholen: ganz wenig Abstand mit hoher Geschwindigkeit, ...oder die dann im letzten Moment doch nicht überholen und dann abrupt eine scharfe Bremsung vornehmen. Das ist nicht nur rücksichtslos sondern auch gefährlich.
Ich bin auch Autofahrer und muss mich anpassen.

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