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Tiere

25.06.2019

Rattenplage ist kein Einzelfall

Eine Rattenplage macht den Bewohnern einer Reihenhaus-Anlage im Textilviertel zu schaffen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Eine Reihenhaus-Anlage im Textilviertel hat seit Jahren ein Problem mit den Nagern. Was lockt die Tiere an? Wie vertreibt man sie? Ein Schädlingsbekämpfer gibt Tipps

Die Anwohner einer Reihenhaus-Anlage im Textilviertel haben es satt: Seit einiger Zeit breiten sich dort Ratten aus. Ursache für das Problem sind Müllberge auf dem Nachbargrundstück. Doch wie gefährlich sind Ratten eigentlich, was lockt sie an und wie lässt sich eine Plage wie im Textilviertel verhindern? Steffen Werner ist Inhaber eines Hygienedienstes in Augsburg und klärt auf.

Wo gibt es in Augsburg am häufigsten Ratten?

Einen Ort zu nennen sei schwierig, sagt Werner. „Man kann nicht speziell sagen, in dem und dem Bereich gibt es sehr viele Ratten.“ Außerdem sei seine Firma nur eine von vielen, die Bekämpfungsmaßnahmen im Raum Augsburg durchführe. Eines kann Werner aber sagen: „Es gibt überall Ratten und mehr als früher.“ Viele Augsburger würden sich bei ihm melden, wenn sie vom Gesundheitsamt angeschrieben werden, sagt Werner. Sein Hygienedienst würde dann die geforderten Maßnahmen durchführen.

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Wie gefährlich sind Ratten?

Nach dem Infektionsschutzgesetz werden Ratten als „Gesundheitsschädlinge“ eingestuft. Um das Risiko gering zu halten, dass Krankheiten auf den Menschen übertragen werden, ist es daher wichtig, die Rattenpopulation so gering wie möglich zu halten. „Machen wir uns nichts vor: Viele der Tierkrankheiten in der Vergangenheit wurden auch durch Ratten und Mäuse übertragen“, sagt Steffen Werner. „Ratten sind durch ihre Lebensweise besonders gefährdet, weil sie sich im Kanalsystem aufhalten und da schmutzige Keime und Krankheitserreger aufnehmen.“ Kommen die Nager dann mit Lebensmitteln oder sonstigen Vorräten in Berührung, werden die Keime übertragen. Deshalb sollten Lebensmittel, die Bissspuren aufweisen, sofort entsorgt werden. Die Nager beißen aber auch andere Dinge an – zum Beispiel Kabel. Werner: „Ratten haben schon ganze Kraftwerke außer Betrieb gesetzt.“ Weil die Zähne der Tiere relativ schnell wachsen, würden Ratten relativ viel nagen, um sie zu schärfen und kurz zu halten.

Wodurch werden Ratten angelockt?

„Jeder hat neuerdings einen Komposthaufen und meint, dort alles draufwerfen zu müssen“, ärgert sich Schädlingsbekämpfer Werner. Häufig würden auch Essensreste auf dem Kompost landen. „Kartoffel- und Apfelschalen sind die puren Vitamine, das fressen die Ratten gerne und werden davon natürlich auch angelockt.“ Zudem seien viele Grünanlagen mittlerweile pflegeleicht angelegt – zum Beispiel mit bodenbedeckenden Pflanzen. „Da kommt man schwer durch, das finden die Ratten ganz toll, weil sie da einen guten Schutz haben.“

Wie lässt sich eine Rattenplage vermeiden?

Beispielsweise durch die richtige Kompostierung, sagt Steffen Werner. „Der Kompost sollte so geschützt werden, dass Ratten nur schwer herankommen.“ Zum Beispiel mithilfe eines Gitters unter dem Komposthaufen, damit sich die Nager nicht von unten hineingraben können. „Der Kompost sollte auch nicht komplett offen sein, sondern am besten in einem geschlossenen Behälter angelegt werden.“ Auch mit der richtigen Bepflanzung könne man einer Rattenplage vorbeugen. „Auf Bodenbedecker sollte verzichtet werden, damit man Rattenlöcher frühzeitig entdecken und etwas dagegen tun kann.“ Zudem empfiehlt der Experte, Gullis im Auge zu behalten. Gerade bei flachen Kanälen könne es passieren, dass sich Ratten den Weg nach draußen bahnen.

Wie können Ratten vertrieben werden?

„Seit 2014 gelten neue EU-Richtlinien“, sagt Schädlingsbekämpfer Werner. Seitdem seien im normalen Handel starke Rattengifte nicht mehr erhältlich. „Das, was es momentan noch gibt, ist nicht sehr effektiv. Wenn man wirklich Ratten bekämpfen will, dann sollte man einen Profi hinzuziehen.“ Der hätte die nötige Sachkunde und dürfe auch mit giftigeren Mitteln arbeiten. Zudem wüssten Experten über den Umgang mit Schlagfallen Bescheid. „Die gibt es überall im Handel, man kann sie aber schnell falsch aufstellen“, sagt Werner. Zum Beispiel am falschen Ort, an dem dann Vögel, Eichhörnchen oder andere Tiere getötet werden – anstatt der unliebsamen Ratten.

Was ist bei einer Rattenplage zu tun?

Zunächst sollte die Stadt Augsburg informiert werden – egal ob die Ratten auf einem privaten oder einem öffentlichen Grundstück gesichtet wurden. Die Stadt ist für die Reinigung der Kanäle zuständig. Laut Gesundheitsamtsleiter Dr. Ulrich Storr wird dort einmal jährlich im Kanalsystem eine Rattenbekämpfung durchgeführt. Wer auf seinem privaten Grundstück Ratten entdeckt, muss einen Schädlingsbekämpfer beauftragen sowie Futterquellen und Unterschlüpfe der Tiere beseitigen. Das Gesundheitsamt informiert betroffene Grundeigentümer oder deren Hausverwaltung, dass die Rattenplage bekämpft werden muss, und setzt dafür eine Frist. Bei Bedarf kommen städtische Mitarbeiter zur Beratung, damit der Abfall richtig entsorgt wird. Wenn die Frist nicht beachtet, kann die Stadt direkt einen Schädlingsbekämpfer beauftragen.

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