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Augsburg

23.08.2019

Sheridan-Park: So lebt und arbeitet es sich in Pfersees Vorzeige-Viertel

Angelika Rill lebt mit ihrer Familie in einem Reihenhaus auf dem Sheridan-Gelände. Viele junge Familien sind ihre Nachbarn.

Im Sheridan-Park in Pfersee wird gelebt, gearbeitet und sich erholt. Anwohner und Angestellte sind begeistert - und bald werden es noch mehr.

Als hätte ein Riese Mikado gespielt. So liegen sie da, die grauen Baumstämme, gestapelt in verschieden großen Haufen. Aus dem größten krabbeln Lisa und Sophie hervor. Wasser plätschert aus kleinen Felsen, auf dem Boden bilden sich Pfützen. Die blonden Schwestern knien sich hinein und lassen Schlamm durch ihre Finger gleiten. „Komm, wir bauen hier jetzt was aus Natur“, ruft Sophie. Das müssen sich die Macher des Sheridan-Areals auch gedacht haben, meint man, spaziert man den fast eineinhalb Kilometer langen Park in Pfersee entlang. Vorbei an viel Grün, Häusern, Kirchen, Firmenfassaden und Spielplätzen, die sich so unaufdringlich in die Umgebung einfügen, dass sie von Weitem kaum zu erkennen sind.

Den „natürlichen See mit einem Wasserfall aus Steinen“, den Sophie auf dem Abenteuerspielplatz bauen will, gibt es hier zwar nicht, dafür aber vieles andere, was Menschen jeden Alters schätzen. Wie ist es, im Sheridan-Park zu leben und zu arbeiten? Anwohner, die Mitarbeiter der ansässigen Firmen und Parkbesucher sind begeistert – aber nicht restlos. Ein paar Wünsche sind noch offen.

Angelika Rill wohnt seit sieben Jahren in einem Reihenhaus auf dem Gelände, das im Norden durch die Stadtberger Straße begrenzt wird. Dort, wo die Straßenbahnlinie 3 an der Haltestelle „Westfriedhof“ hält und Menschen im Rewe im „Sheridan Center“ einkaufen gehen. Die Lage und die Nachbarschaft findet sie „genial“. Wie die Rills, die drei Kinder im Alter von vier, sechs und acht Jahren haben, bauten hier im nördlichen Teil zwischen 2011 und 2012 viele junge Familien. Sie zogen alle gleichzeitig ein, haben Kinder im gleichen Alter. Vor den Häusern herrsche Dauerbetrieb, sagt Angelika Rill. Die Kinder fahren Rad, Roller und Inliner, manchmal wird es laut. Logisch, dass hier Spielstraße gilt. Nur sehen das manche Autofahrer nicht, klagen die Eltern. Das Schild am Anfang der Otto-Schalk-Straße sei zu klein. Sie wünschen sich eine große, blaue Bodenmarkierung, wie es eine im südlichen Teil des Parks in der Oskar-Schindler-Straße gibt.

Die ausgedehnten Grünanlagen im Sheridan-Areal genießen nicht nur die Anwohner, sondern auch die Mitarbeiter der im Gewerbegebiet ansässigen Firmen sowie Besucher von außerhalb.
Bild: Christoph Kölle

Das Sheridan-Gelände ist „cool“ geplant worden, findet Angelika Rill: Die grünen Wiesen des Parks gleich nebenan, alle 200 Meter Spielstationen und zur Schule sind es auch nur ein paar hundert Meter – ohne eine Straße zu überqueren. Sie sei dankbar, sagt sie. „Wo sonst kannst du noch solche Viertel entstehen lassen?“ Dass hier einmal eine riesige Militärfläche war, interessiere die Zugezogenen eher weniger, sagt sie. Ein Vorteil: „Hier sind keine Altlasten zu befürchten, hier wurde ja alles umgegraben.“

Die 16-jährige Emma, deren Elternhaus an den Park angrenzt, erinnert sich noch an Zeiten, in denen sie jünger und das Betreten des Geländes tabu war. Dann begann die Konversion der Flächen. Vom Balkon aus habe sie damals gesehen, wie die Bauten der Amerikaner gesprengt worden seien. „Das war ein großes Erlebnis“, sagt die Schülerin. Heute sitzt sie auf dem höchsten der hellgrauen Steinbrocken, die auf einer Kiesfläche zum Klettern aufgestellt wurden – statt bunter Kletterwände mit Kunststoffhaltegriffen.

Sheridan-Park: Ein bisschen fühlt man sich wie in einer Ferienanlage

Im Hintergrund reihen sich dreistöckige Wohnhäuser aneinander. Sie wirken weit weg und sie wirken alle gleich. Hell gestrichen, flache Dächer, Balkone. Ein bisschen fühlt man sich wie in einer Ferienanlage. Einheitliche Bebauung am Rand, in der Mitte des Parks saftig grün leuchtende Wiesen, die von Rad- und Spazierwegen durchzogen sind.Auf einer der Rasenflächen sitzen Mütter mit ihren Babys auf Decken im Gras, ein paar Meter weiter lehnt ein Mann mit Käppi, Brille, kurzer Hose und langem Bart sein E-Bike an eine Parkbank und setzt sich. Es ist Thomas Beyer aus Deuringen, einem Stadtteil von Stadtbergen. Er hat sich beim Rewe Salat gekauft, macht eine Pause und wird dann noch eine Runde im Park drehen. „Is scho schee“, sagt der 48-jährige Lkw-Fahrer, der heute Nachtschicht hat. Er legt seinen Arm auf der Rückenlehne ab und blickt sich um. „Nur wenige Parkbänke gibt es, finde ich. Das hier war die einzige im Schatten.“

50 Meter weiter südlich freuen sich Sportler über die Sonne. Man hört das unregelmäßige Klatschen eines Basketballs, der auf den Boden trifft, und von Händen, die auf den Volleyball schlagen. Auch vier Tischtennisplatten gibt es, aber spielen kann man gerade nicht: Der Regen am Vormittag hat kleine Pfützen an den Tischenden hinterlassen. Am Beachvolleyballfeld läuft Hip-Hop-Musik, im Baum nebenan kräht ein Vogel, irgendwo läuten Kirchturmglocken und noch weiter weg, ganz leise, wird gefräst. Vermutlich auf einer der Baustellen im Gewerbegebiet im Westen des Parks.

Wer will, kann sich in der ehemaligen Kaserne sportlich betätigen – etwa beim Beach-Volleyball.

Robin Brendel und seine Freunde packen zusammen. Genug Volleyball gespielt für heute. Der 19-Jährige aus Göggingen findet den Park „saucool“. Man habe viel Platz für Sport und könne immer bei jemandem mitspielen. Und sehr sauber sei es. Brendel absolviert eine Ausbildung zum Erzieher und weiß: Auch für die Kleinen ist viel geboten. Davon kann man sich schräg gegenüber überzeugen, wo Kinder auf Rädern, Rollern und Longboards über wellenförmige Betonhügel fahren, umgeben von unterschiedlichen Gräsern und Bäumen.

Die Vielfalt an Pflanzen fällt sogar Botanik-Banausen auf. Es gibt verschiedene Eichen-, Eschen- und Robinienarten, Pappelhaine und ein Birkenwäldchen. Die Grasflächen bestehen vor allem aus Präriestauden, mit denen ein Hauch von Nordamerika im Park geblieben ist. Noch mehr Amerika-Feeling herrscht im Herbst: Viele Bäume tragen rotes Laub. „Indian Summer“ in Pfersee also. Dieses Motto wurde festgelegt, als man die Grüngestaltung des Sheridan-Parks konzipierte. Grüne Pflanzeninseln liegen auf dem breiten Weg, der den Park von Norden nach Süden durchquert. Wie ein Fluss schlängelt er sich auf über einem Kilometer Länge durch das Gelände und teilt das Sheridan-Areal in zwei Hälften. Mitten drin: Gebäude 136, die frühere Chapel der Amerikaner. Die Kapelle mit ihrer amerikanischen Architektur soll erhalten bleiben. Nach Angaben der Wohnbaugruppe Augsburg laufen derzeit Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten.

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18 Bilder
So lebt es sich im Sheridan-Park
Bild: Christoph Kölle

Arbeiten im Westen, Leben und Wohnen im Norden und Osten

Von hier aus ist die Aufteilung des Parks gut erkennbar: Arbeiten im Westen, Leben und Wohnen im Norden und Osten. Modern wirken die Häuser, grün die Gärten, ruhig die Straßen. Pastellfarben dominieren. Auch in den Wohnvierteln entdeckt man kleine Spielplätze. Wollte man Stadtviertel-Idylle aufmalen, so sähe sie aus.

„Ich will hier nicht mehr weg“, sagt Rommy Lucius-Kuhn, die außerhalb des Areals auf der anderen Straßenseite der Bürgermeister-Bohl-Straße wohnt, die die östliche Parkgrenze markiert. Sie habe die Westlichen Wälder gleich ums Eck und „einen Park vor dem Haus, der für Jugendliche, Erwachsene und Rentner attraktiv ist“. Sie komme gerne mit ihren Enkeln hierher, sagt die 58-Jährige. Noch wohnt sie in einem Reihenhaus. Doch das würde sie sofort gegen eine Wohnung direkt im Sheridan-Park tauschen. Hier könne man seine Freizeit so schön genießen.

Auch die Bediensteten im Gewerbegebiet? Matthias Soppart und Nils Hullermann schütteln den Kopf. In der Mittagspause gehen sie nicht in der Grünanlage spazieren. Die beiden arbeiten für die Augsburger Allianz-Geschäftsstelle im südlichen Teil des Sheridan-Parks. Sie schätzen etwas anderes: „Die B17 vor der Haustüre.“ Und damit die gute Anbindung an ihr Vertriebsgebiet, wie nach Landsberg im Süden oder Nördlingen im Norden.

Mira Seelbach arbeitet im Bistro des Sportzentrums.

Was sie mehr beschäftigt als die Freizeitmöglichkeiten: Es gibt zu wenige Parkplätze vor dem Haus, seit gegenüber gebaut wird. Dort entsteht ein Facharztzentrum, angrenzend an das neue Sport- und Gesundheitszentrum des Post SV Augsburg. Als das vor etwa einem Jahr eröffnete, haben sich Matthias Soppart und Nils Hullermann gefreut: Im öffentlichen Bistro des Neubaus können sie nun bequem Mittagessen gehen. Mira Seelbach steht dort hinter der Theke. In den Park zu gehen, dafür hat sie keine Zeit. Es sei aber schön, in so einem modernen Umfeld zu arbeiten. Im Gewerbegebiet spreche sich langsam herum, dass man mittags auch im Sportzentrum essen kann, nicht nur im Sheridan Tower.

Sheridan-Park in Augsburg: Es wird weiter gebaut

Vor einer Kanzlei hievt eine Mitarbeiterin Ordner in ihren Kofferraum. Nein, das Mittagsangebot nutze sie nicht, sagt sie, auch die angrenzenden Grünflächen und Sportangebote nicht. Man sitze mittags in der Arbeit zusammen und ratsche. Der Vorteil, im Sheridan-Park zu arbeiten? Man könne mit dem Auto in die Arbeit fahren und finde immer einen Parkplatz, sagt die Frau, die von Landsberg aus nach Pfersee fährt. Sie lächelt und macht den Kofferraum zu. Feierabend.

Arbeiten und Leben im Sheridan-Park ist gefragt. Deshalb wird weiter gebaut. Derzeit plant die Wohnbaugruppe Augsburg, demnächst zwei Wohnanlagen mit insgesamt 172 geförderten Wohnungen im Sheridan-Park zu errichten. Sobald der Bebauungsplan rechtskräftig ist, werde man mit dem Bau der ersten Anlage beginnen, informiert Sprecherin Andrea Wolf. Voraussichtlich noch in diesem Jahr. Für die zweite Wohnanlage sei der Baustart im vierten Quartal 2020 geplant.

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