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Augsburg

08.12.2017

So außergewöhnlich wohnen manche Augsburger

In Augsburg gibt es einige Wohnungen, die ein echtes Abenteuer sind.
Bild: Ulrich Wagner

Normalerweise sind Haus- und Wohnungstüren verschlossen. Doch für einen einmaligen Einblick haben das einige Augsburger geändert.

Historisches Gemäuer oder ungewöhnliche WG – ein Blick in drei Häuser und einen Wohnwagen:

Leben auf Rädern: Schausteller kommen im Wohnwagen mit wenig Platz klar

Es müssen nicht immer möglichst viele Quadratmeter sein. Wohnen kann man auch auf kleinstem Raum. Und es hat sogar Vorteile. Schaustellerfamilien wie die Augsburger Familie Diebold wissen das. Während der Volksfest-Saison sind sie von Festplatz zu Festplatz unterwegs und leben im Wohnwagen. Im Winter lebt Josef Diebold mit seiner Frau Karin ganz normal in einem Haus in Augsburg.

Die Schubladen sind abschließbar – für die Fahrt.
Bild: Ruth Plössel

Mit dem Osterplärrer beginnt dann das Wohnwagenleben. „Es ist wie bei den Sommerreifen“, scherzt Diebold. „Die Saison dauert von O bis O.“ Von Ostern bis Oktober. Auch seine Kinder sind dann als Schausteller unterwegs. Seine Tochter Karoline Zehle – sie betreibt das Karussell „Break Dance“ – etwa bewohnt dann mit ihrem Ehemann und zwei Kindern einen Wohnwagen. Der ist zwar größer als ein normaler Campingwagen und mit echten Möbeln ausgestattet – mit Couch, Sessel, Fernseher, Regalen im Wohnzimmer und einer gemütlichen Sitzecke in der Küche. Aber einschränken muss man sich trotzdem. Karoline Zehle kennt aber auch die Vorteile: Chaos entsteht nicht. Man ist gezwungen, ständig aufzuräumen, weil man sonst schnell keinen Platz mehr hätte. Und es ist viel schneller geputzt.

Josef Diebold sagt, es ist für die Schausteller praktischer und günstiger, im Wohnwagen zu übernachten als in einem Hotelzimmer und einer Pension. So kann man sich immer mal wieder zurückziehen – viel Privatsphäre gibt es sonst nicht auf einem vollgestellten Volksfestplatz. jöh

Wie eine coole Familie: Junge WG in der Ex-Kanzlei

Klar, die Nachbarn standen schon mal vor der Tür. Die Polizei auch. Aber das ist ein Jahr her. Damals, als die erste Party der WG über die Bühne ging. Gut hundert Menschen waren damals insgesamt in den Räumen der WG in der Innenstadt. Die anderen Hausbewohner gerieten nicht ganz so in Feierlaune. Seitdem haben die Jungs und Mädchen, alle im Alter zwischen 18 und 24, dazugelernt. Vor der diesjährigen Party hatten sie den Nachbarn nicht nur Ohropax geschenkt. Sondern ihnen angeboten, eine Nacht im Hostel nebenan zu übernehmen.

Im Wohnzimmer fällt einem der große rote Esstisch auf, den sich Julian Adolph von seinen Großeltern hat schenken lassen. An dem und auf dem riesigen Sofa, bestehend aus Euro-Paletten und Kissen, findet das gemeinsame Leben der Bewohner statt, die sich selbst als die „coole Familie, mit der man auch mal ein Glas trinken kann“ beschreibt. Bevor die WG eingezogen ist, war in den Räumen eine Anwalts-Kanzlei drin. Von striktem Recht und Ordnung ist heute nicht mehr viel zu spüren.

Eine WG, die viel Spaß hat (von links): Konrad Jehle, Milana Marks, Paula Borst, Julian Adolph, Manuel Schmitt und Regina Geier.
Bild: Michael Hochgemuth

Kommunikativ muss man sein, Tag und Nacht. „Ruhige Leute kommen bei uns nicht klar“, sagt Konrad Jehle. Außerdem sollte man kompromissbereit sein, sich auf Leute einlassen, mal streiten können und vor allem auf Deutschrap stehen, so die Bewohner. Es herrscht Jugendherbergencharme. Eines der gemeinsamen Hobbys ist Beer-Pong, ein Spiel, bei dem man Tischtennisbälle in Becher werfen muss. Ansonsten schaut man zusammen Thriller oder spielt Singstar. Geschlossen ist man auch mal nach London geflogen, spontan, die Preise waren gerade günstig. Für 24 Stunden ohne Hotel, einfach die Nacht durchgemacht.

Man glaubt ihnen sofort, wenn sie schwören, dass es in Augsburg wohl keine Wohngemeinschaft gibt, die weniger als Zweck-WG bezeichnet werden kann als die ihre. alru

Unterm Dach mit einer Heiligen: Kleine Zelle im großen Kloster

Im Kloster Maria Stern hat jedes Zimmer einen Namen: „Zillertal“ oder „Alpsee“. Unterm Dach ist das Zimmer „Maria Eck“. Dort wohnt Schwester Daniela. Oder besser: Dorthin zieht sie sich zurück, wenn sie mal alleine sein will.

Die Klosterzellen sind privat. Besucher dürfen nicht hinein. Aber Schwester Daniela sagt, „es ist ein schönes Zimmer“. Viel Mobiliar passt nicht hinein, einen Fernseher gibt es nicht, aber Bilder und die kleinen Dinge, die sie geschenkt bekommt, haben genug Platz. Und dann das Fenster nach Osten: Nachts funkeln die Sterne herein, morgens blinzelt die Sonne ins Zimmer. Die 75-Jährige fühlt sich wohl und geborgen in ihrer Zelle sowie in der Gemeinschaft des Ordens. „Es ist eine sehr positive Erfahrung, die mir wichtig ist.“

Schwester Daniela mit der Figur der heiligen Klara.
Bild: Annette Zoepf

Maria Stern in der Sterngasse gibt es seit 1258. Das Klostergebäude wurde im Krieg weitgehend zerstört und danach wieder aufgebaut, die Geschichte des Ordens ist im Haus bis heute allgegenwärtig. Wenn Schwester Daniela durchs Kloster läuft, begegnet sie der heiligen Klara in Form einer lebensgroßen Holzfigur. Die Heilige spielt eine wichtige Rolle für den Orden. Die anderen Schwestern trifft die 75-Jährige zu den täglichen Gebetszeiten in der Sternkirche, beim Essen im großen Refektorium, bei Bibelgesprächen und Spieleabenden oder im blühenden Klostergarten. Draußen in der Stadt ist es laut, die Ruhe drinnen dringt bis in die Seele. „Die Gemeinschaft des Ordens trägt mich auch in schwierigen Situationen des Lebens“, sagt Schwester Daniela. eva

Wo einst die Patrizier feierten: eine alte Sommerlaube an der Stadtmauer

Vor 500 Jahren war es eine Sommerlaube an der Stadtmauer, in der Patrizier rauschende Feste feierten. „Die haben es in illustrer Runde im großen Ballsaal richtig krachen lassen“, sagt Architekt Jörg Hilbich. Er ist der heutige Hausherr am Gallusplatz 9 a und hat im Stadtarchiv nachgeschlagen. Denn um sein Haus ranken sich viele, teils anrüchige Geschichten.

Jörg Hilbich kann eine eigene Geschichte über sein Haus erzählen. Er hat eine Bruchbude, die unter Denkmalschutz stand, mit viel Aufwand und Mühe in ein Baujuwel mit modernem Wohnkomfort verwandelt. Als Hilbich das Gebäude kaufte, klaffte im Schlafzimmer ein Kiesloch, der Boden war weg. Balken im Dachstuhl waren angefault. Die Bausubstanz war marode. „Es war ein Schrecken für Bauherren“, erinnert er sich. Entsprechend lang habe sich die Sanierung hingezogen.

In der Nähe der Kirche St. Gallus an der Stadtmauer sanierte Jörg Hilbich ein Gebäude.
Bild: Fritz Stettmayer

Das Gebäude wurde kernsaniert, innen komplett modernisiert und mit innovativer Haustechnik ausgestattet. Um die Kosten im Griff zu behalten, packte die ganze Familie mit an, viele Freunde halfen. Das kostete viel Schweiß und Nerven. Aber es sei auch eine spannende Herausforderung gewesen, sagt Hilbich. „Man wächst an den Aufgaben, auch als Architekt.“

Nach den Vorgaben des Denkmalschutzes waren keine Umbauten erlaubt. Hilbich stellte das Wohnkonzept für seine junge, inzwischen fünfköpfige Familie darauf ein. Und er ist glücklich über das Ergebnis. Der historische Ballsaal im ersten Stock ist heute Wohn- und Esszimmer, geschlafen wird im Parterre, das Büro ist im Souterrain. „Wir wohnen wie in einem modernen Loft“, sagt er. Unbezahlbar sind aus seiner Sicht das heimelige Wohngefühl in dem alten Gemäuer, der Blick auf grüne Bäume am Stadtwall, auf das Galluskirchlein und den Pulverturm. Hilbich: „Rundherum sieht es aus wie in einer Theaterkulisse.“ eva

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