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Wirtschaft

04.11.2019

So forschen Augsburger Firmen an der Zukunft

Eine Studie zeigt auf, wie gut die Region für die kommenden Jahre aufgestellt ist. Es gibt Luft nach oben

Wäre Bayern ein Schüler bei der Zeugnisvergabe, hätte es vom Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft im Fach „technologische Zukunftsfelder“ ein „ausreichend“ bekommen. Das Gremium stellte im Technologiezentrum Augsburg im Rahmen der Veranstaltungsreihe „TechCheck2019. Erfolgsfaktor Mensch.“ seine Studie vor. Schwerpunkt waren die wichtigsten Technologien auf dem Weg in die Zukunft. Dabei bewertete das Expertengremium Felder wie Digitalisierung, Produktionstechnologien, Mobilität oder Energie – wobei der Fokus bei der Ausrichtung auf den Menschen liegt.

Der Zukunftsrat beschäftigt sich seit fünf Jahren mit der Frage, an welchen Schrauben Politik, Wirtschaft und Forschung drehen müssen, damit Bayern in Zukunft gut aufgestellt ist. „Das Ergebnis nach fünf Jahren ist als eine Art Zwischenzeugnis zu verstehen“, sagte Bertram Brossardt, Geschäftsführer der Vereinigung Bayerischer Wirtschaft (vbw), die die Ergebnisse präsentierte. Grund zur Euphorie gebe das Ergebnis nicht. Allerdings seien Bayern und insbesondere der Wirtschaftsraum Augsburg und Schwaben gut aufgestellt, um optimistisch zu sein, so Brossardt.

Es ging neben Schwächen in der Netzwerkstruktur und dem Stromspeicherbereich insbesondere um Hemmnisse, die dem technologischen Fortschritt im Weg stehen. Dazu wurden bayerische Unternehmen befragt, was sie beim Thema Zukunftstechnologien hemmt. Auf Platz eins der Antworten landete „die deutsche Mentalität“ als Bremse des Fortschritts – gefolgt von Angst vor Arbeitsplatzverlust und Überwachung. Und auch der demografische Wandel spiele laut Brossardt für die Unternehmen eine entscheidende Rolle. Häufig scheitere Fortschritt an mangelnder Akzeptanz. Ein Bereich, in dem unter anderem Augsburger Unternehmen ansetzten.

Julia Berg, Abteilungsleiterin am Fraunhofer-Institut, widmet sich mit ihrem Team und einigen Forschungspartnern dem Themenbereich Mensch und Maschine. Dabei geht es um die Frage, wie der Mensch bei seiner täglichen Arbeit bestmöglich von Robotern unterstützt werden kann. Das Projekt „forobotic“ befindet sich in der Evaluationsphase, das heißt, der Einsatz eines Prototyps wird in Unternehmen erprobt. „Entscheidend für den Erfolg des Projekts ist die Einstellung der Mitarbeiter zu Robotern“, so Berg. „Von großem Interesse bis Abneigung sind alle Meinungen vertreten.“

Information und Aufklärung seien ein Schlüssel zu mehr Akzeptanz und damit zu mehr technologischem Fortschritt, so Brossardt. An dieser Stelle knüpft die Arbeit eines weiteren Projekts aus Augsburg an. Das auf fünf Jahre angelegte Projekt „WiR – Wissenstransfer Region Augsburg“ möchte Schnittstelle zwischen Universität und mittelständischen Unternehmen sein, um vor allem die Trends der Digitalisierung und Produktion erfahrbar für die regionale Wirtschaft zu machen. „Wir haben ein Prüflabor entwickelt, um die Effizienz in Produktionsabläufe zu steigern“, sagt Projektleiter Wolfgang Biegel. Das Interesse sei groß. „Es kommen sowohl erfolgreiche Unternehmen, um sich unser Labor anzusehen, als auch Schulklassen.“ Die Angst vieler vor Robotic versteht der Projektkoordinator bis zu einem gewissen Punkt. „Es ist etwas Fremdes und davor hat der Mensch grundsätzlich Respekt. Allerdings sind Roboter längst Bestandteil unseres Alltags.“

Der Wirtschaftsstandort Augsburg steht beim Thema Zukunftstechnologien nicht schlecht da. Dennoch bleibt auch in Schwaben viel zu tun, um mit den rasanten Entwicklungen und der Konkurrenz mithalten zu können. Deshalb hat der Zukunftsrat konkrete Handlungsempfehlungen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft formuliert. Experten wie Norbert Lütke-Entrup, Head of Technology and Innovation Management bei der Siemens AG, oder Sami Haddadin, Direktor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence der TU München, gaben Empfehlungen weiter. So plädierte Lütke-Entrup dafür, neue Technologien behutsamer und gemeinsam mit den Mitarbeitern in ein Unternehmen zu integrieren. Außerdem sprach er davon, den Innovationsgeist und das Potenzial der Mitarbeiter mehr zu fördern. Sami Haddadin warb für mehr Kooperation zwischen den Themenfeldern Robotic und Künstliche Intelligenz. Außerdem sei es entscheidend, Technologien mit dem Thema Nachhaltigkeit zusammen zu denken.

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