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27.07.2015

Stell dir vor, du wärst im Krieg

Wie Kinder den Krieg erleben, schildern die „Gaza Monologe“.
Bild: W. Diekamp

Jugendliche spielen Politisches Theater

Die Häuser deiner Nachbarschaft sind zerstört, es regnet herein, die Heizung funktioniert nicht. Deine Mutter hat Bronchitis, deine kleine Schwester Kopfverletzungen von Granatsplittern und dein großer Bruder kämpft irgendwo für die Milizia. Dein bester Freund ist verschwunden, weil sein Vater Abgeordneter im Bundestag war. Und du? Was würdest du tun, wenn das Schicksal der anderen plötzlich deines wäre? Wenn der Krieg nicht anderswo, sondern mitten in Europa angekommen wäre und du flüchten müsstest, übers Meer nach Afrika?

Zu diesem Gedankenexperiment lud ein Abend im Rahmen des Augsburger Friedensfestes am Freitag in der Kresslesmühle ein: „Kinderaugen sehen Krieg“ in Kooperation von Fakstheater und Jungem Theater. Zum Erschaudern detailreich und lebensnah schildert Jane Teller in ihrem Buch „Krieg“ das Schicksal eines 14-Jährigen. Statt einer ungezwungenen Jugend, Gymnasial-Karriere und freier Berufswahl muss er sich in Ägypten als Asylbewerber durchschlagen, immer fremd, am Ende auch sich selbst. Karla Andrä vom Fakstheater las daraus mit warmer, intensiver Stimme. Der Gestus der Lesung war eine unaufdringliche aber dennoch unwiderstehliche Einladung sich einzufühlen. Der Perspektivwechsel soll es möglich machen, die Menschen, die es übers Meer bis zu uns schaffen, mit anderen Augen zu sehen und Begriffe wie „Integration“ neu zu überdenken.

Im zweiten Teil des Abends ging es um reale Erlebnisse in einem realen Krieg. Zwölf- bis 14-Jährige von der Jugend-Theatergruppe des JTA spielten die „Gaza Monologe“, die etwa Gleichaltrige aus der Nahost-Region nach den israelischen Angriffen 2008/09 geschrieben hatten. Dagmar Franz-Abbott hatte ihre jungen Darsteller die Texte selbst gestalten lassen und es kamen eindringliche Szenen dabei heraus. Von Bombenangriffen bis zu Alltagserlebnissen haben die Jugendlichen aus dem Gazastreifen ihre Angst vor dem Krieg in Geschichten gebannt.

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Der Traum Kinderärztin zu werden, zerplatzt im Krieg, Freunde sterben, und trotzdem schreibt dasselbe Mädchen: „Gaza ist voll von Liebe.“ Die Jugendlichen spielten ergreifend und authentisch, ohne überzuagieren – den Tränen mögen Zwiebeln nachgeholfen haben, aber Mimik und Zusammenspiel bei diesem extrem schwierigen Thema zeugten bei allen von großem schauspielerischem Talent.

Politisches Theater will betroffen machen. „Kinderaugen sehen Krieg“ macht auf eine Art betroffen, die man nicht einfach noch im Theater abarbeiten kann oder mit einer schnellen Spende ans Flüchtlingswerk, sondern die einen dauerhaft verändert. Die Erwachsenen und Teenager, die sich auf den Abend eingelassen hatten, verließen die Kresslesmühle anders als sie diese betreten hatten. Es macht Mut für unsere Gesellschaft, dass ausgerechnet Jugendlichen das gelungen ist.

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