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Verkehr: Rücksichtnahme ist gut, aber kein Allheilmittel

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Kommentar Von Stefan Krog
27.07.2018

Im Straßenverkehr geht es ruppig zu. Was ist zu tun? Rücksichtnahme ist sicher wichtig, löst aber bei weitem nicht alle Probleme.

Die entscheidenden Sätze stehen am Anfang der Straßenverkehrsordnung: Da ist die Rede von „gegenseitiger Rücksicht“ und dem Gebot, sich so zu verhalten, „dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder (...) behindert oder belästigt wird“. Doch Verständnis für andere Verkehrsteilnehmer ist im Alltag manchmal schwierig.

Es muss gefördert werden. Dem Autor der Zeilen geht es ja auch nicht anders: Als Fußgänger in der Pferseer Unterführung ärgert er sich über Radler, die auf dem für sie freigegebenen Gehweg vorbeiflitzen statt Schritttempo zu fahren. Als Radler in der Pferseer Unterführung ärgert er sich über Fußgänger, die absichtlich in der Mitte des Gehwegs laufen, und über Autofahrer, die hupen, wenn man erlaubterweise auf der Straße fährt. Und als Autofahrer schnauft er durch, wenn Radler auf der Fahrbahn sind, weil dann erst einmal Tempo 20 angesagt ist. Es wird nicht überall möglich sein, bauliche Lösungen zu schaffen, die alle Verkehrsteilnehmer zufriedenstellen, indem sie ihnen ausreichend Platz anbieten, doch es ist und bleibt der beste Weg. Verkehrslösungen, die nur auf mehr Rücksichtnahme setzen, sind eine Gratwanderung.

Eine Strecke ohne Schilder

Spielstraßen, wo die Minderheit Schritttempo fährt, sind ein Beispiel. Auf die Spitze getrieben wird die Idee des Miteinanders durch so genannte „Shared Space“-Lösungen, also Straßen, in denen weitgehend auf Beschilderung verzichtet wird und gegenseitige Rücksichtnahme die Dinge regelt. Mehrere Städte haben das erprobt. Es kann funktionieren, muss aber nicht. Augsburg hat noch keine solche Experimentalstrecke. Im Rahmen der von der Stadt geplanten Info-Kampagne für mehr Miteinander wäre Gelegenheit dafür, der Ort muss gut gewählt sein. Der Kö, wo sich die Stadt dem Konzept schon mal angenähert hat, sind die Ergebnisse mäßig überzeugend. Dass sie langsam fahren müssen, weil sie sich in der Fußgängerzone befinden, ignorieren viele Radler geflissentlich, auch weil es sonst keine schnelle Nord-Süd-Achse gibt.

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01.08.2018

"auch weil es sonst keine schnelle Nord-Süd-Achse gibt."

Naja, wer unbedingt schnell fahren will, kann das auf der Westseite des Kös durchaus. Bester Belag, top Breite, und man kann so schnell fahren, wie es die Muskeln her geben. Man darf sich halt nicht wie der letzte Hampel aufführen, aber dann geht das eigentlich ganz gut.

Nur: Dann kommt doch wieder die Rücksichtslosigkeit diverser Kraftfahrer zum Tragen. Da wird man dann angehupt, weil man die "Frechheit" besitzt, nicht hart rechts an den Baken einer Baustelle vorbei zu fahren, sondern den gebotenen Sicherheitsabstand einhaltend. Garniert von einem Plärrer, warum man sich denn so breit mache. Wohl gemerkt von jemandem, der ein 3-4 x so breites Fahrzeug durch den öffentlichen Raum schiebt. Solche Unverschämtheiten erlebe ich in anderen Situationen des täglichen Lebens praktisch überhaupt nicht. Zum Glück ist das aber nicht täglich der Fall. Die meisten kriegen es ja doch hin. Aber das Verkehrsklima vergiften können schon alle gleichermaßen. Da kommt es nicht auf den Typ des Fahrzeugs an. Sondern auf die Einstellung und Laune des Verkehrsteilnehmers.

"Verkehrslösungen, die nur auf mehr Rücksichtnahme setzen, sind eine Gratwanderung."

JEDE Verkehrslösung verlangt Rücksichtnahme. JEDE. Denn bei jeder kann ich die Sau raus lassen und es für alle anderen gefährlicher oder hinderlicher zu machen. Oder ich lasse solche Stunts eben. Nur: Würden sich die Leute besser benehmen, hätten wir viel weniger Gejammer nach "Lösungen". Siehe oben: Der Verkehrsteilnehmer ist das Problem, nicht die Verkehrslösung. Es ist halt das alte Dilemma: Wenn man mit technischen Mitteln versucht, ein soziales Problem zu lösen, landet man damit sehr oft auf der Nase. Und dann kommt irgendwann noch die Frage, welche Lösungen wirklich tragfähig im Sinne der Sicherheit sind. Sonderlösungen nach Fahrzeugart sind es nicht, so viel weiß die Unfallforschung inzwischen.

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28.07.2018

In einigen deutschen Städten, wie beispielsweise Berlin, Essen, Dresden gibt es mittlerweile eine Fahrrad-Polizei, also eine Polizeistreife auf dem Rad. Sie machen den Fahrrad-Verkehr sicher. Schwerpunkte des Dienstes der Beamten: Sie stellen regelmäßig Verkehrsverstöße von Falschparkern auf Radwegen gerade in Geschäfts- und Einkaufsstraßen fest. Eventuell auch eine Alternative für Augsburg. Auch ein Fahrrad-Führerschein für Erwachsene ist eine weitere Möglichkeit mehr Rücksicht zu lernen im Hinblick auf andere Verkehrsteilnehmer, besonders auf Fußgänger.

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01.08.2018

Nur der Vollständigkeit halber: Augsburg hat so etwas durchaus, wenn auch vielleicht nicht so umfänglich ausgestattet, wie es geboten wäre. Und die ziehen beileibe nicht nur Radfahrer aus dem Verkehr.

Das mit dem Fahrrad-Führerschein finde ich total putzig. Erstens: die überwältigende Mehrheit der Radfahrenden im führerscheinfähigen Alter *hat* auch einen. Wer es da nicht gelernt hat, lernt es nicht, wenn man ihm nochmal Geld abluchst, um etwas zu tun, was im Wesentlichen ungleich weniger gefährlich ist, als Autofahren.

Zum anderen steht ja die Frage im Raum, was Führerscheine mit der eigenen Bereitschaft zur Rücksicht zu tun haben. Das kann man auch ganz ohne Fahrerlaubniserwerb kapieren und hat man in anderen Bereichen des Lebens normalerweise auch. Der Grund ist eigentlich recht banal: Nirgendwo kommt man so leicht mit Schweinereien davon, wie im Straßenverkehr.

Wenn die Ordnungshüter genau jene Delikte im Wesentlichen gar nicht verfolgen, kein Wunder. Wer hat schon mal versucht, einen Autofahrer anzuzeigen, der ihn mit dem Auto bedrängt hat? Kann man sich im Prinzip sparen, wird eingestellt. Auf dem Rad natürlich nicht anders, nur dass man damit nicht so leicht Leute umbringen kann. Zu Fuß erst recht nicht und da geht auch oft genug der Punk ab.

Die Gesetze, Verordnungen und Vorgaben sind alle da und alle mit Bußgeldern und Handlungsanweisungen für Polizei und Ordnungsämter unterfüttert. Es passiert: Zu wenig. Allen voran an den Stellen wo tatsächlich Leib und Leben ganz drastisch gefährdet sind. Das hat zwar sicherlich auch personelle Gründe, aber nicht nur diese. Man will einfach nicht.

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