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Prostitution

13.11.2013

Von wegen "Huren-Hauptstadt": Augsburg plant Offensive

Der kriminalpräventive Rat der Stadt Augsburg hat eine "Gesamtkonzept zur Situation der Prostituierten" erarbeitet, das Forderungen an den Bund und die Länder stellt.
Bild: Oliver Berg/Archiv (dpa)

Eine Studie machte Augsburg zur Huren-Hauptstadt. Das "Gesamtkonzept zur Situation der Prostituierten" zeigt: vielmehr ist Augsburg Hauptstadt der Bekämpfung illegaler Prostitution.

Vor Kurzem machte eine Umfrage der Zeitung "Welt am Sonntag" Augsburg zur "Huren-Hauptstadt" Deutschlands. Bezogen auf die Einwohnerzahl sollen den Recherchen der Zeitung zufolge in Augsburg die meisten Prostituierten arbeiten.

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Zwangsprostitution und Menschenhandel Einhalt gebieten

Für Diana Schubert, Geschäftsführerin des kriminalpräventiven Rats der Stadt, ist der Titel "Huren-Hauptstadt" schlicht "Unsinn", weil die Umfrage Städte auf Basis einer unterschiedlichen Datengrundlage vergleicht und Augsburg anderen Kommunen gegenüberstellt, deren Angaben auf Hochrechnungen und Schätzungen basieren. "Die Zahlen kann man nicht ernst nehmen", sagt Schubert. 

Ganz schlecht findet Schubert die Umfrage dennoch nicht, da sie auf ein Problem aufmerksam macht. "In Deutschland haben Prostituierte keine Meldepflicht. An der Gesetzeslage muss sich etwas ändern." Von Augsburg aus könnte eine solche Änderung demnächst ausgehen. Der kriminalpräventive Rat der Stadt hat eine "Gesamtkonzept zur Situation der Prostituierten" erarbeitet, das Forderungen an den Bund und die Länder stellt. "Das Konzept beinhaltet Maßnahmen, die auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene dazu beitragen sollen, Zwangsprostitution und Menschenhandel Einhalt zu gebieten", sagt Schubert.

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"Wir sind auf kommunaler Ebene sehr eingeschränkt"

Das Gesamtkonzept liegt bereits fertig in der Schublade und wird am 11. Dezember dem Allgemeinen Ausschuss präsentiert. Eine der wichtigsten Forderungen darin: Die Änderung von Paragraph 3 im Prostitutionsgesetz, der das Weisungsrecht der Zuhälter gegenüber den Prostituierten beinhaltet. "Dadurch", sagt Schubert, "werden die Frauen in der Praxis dem Willen des Bordel-Besitzers ausgeliefert".

„Wir sind auf kommunaler Ebene sehr eingeschränkt“, kritisiert die Geschäftsführerin des kriminalpräventiven Rats. Ein Gesamtkonzept für alle Ebenen habe bisher noch keine andere Kommune vorgelegt.

Das Thema Prostitution ist in Augsburg sehr präsent. Im Januar wurde die Straßenprostitution im gesamten Augsburger Stadtgebiet verboten. Das Geschäft spielt sich seither vor allem in den rund 130 Bordellwohnungen im Stadtgebiet ab.

Prostitution im gesamten Großraum konzentriert sich auf Augsburg

Rund 650 Prostituierte gibt es in Augsburg. Die Welt rechnet dies auf die Bevölkerungszahl von 266.000 um und kommt somit auf eine "Huren-Dichte" von 244 pro 100.000 Einwohner. Die Zahlen seien überhaupt nicht belastbar, sagt Schubert, denn sie lassen das Umland völlig außen vor. Vielmehr müsse man die Anzahl der Prostituierten auf 600.000 Einwohner beziehen. Denn da bisher Bordelle in Städten mit weniger als 50.000 Einwohner verboten sind, konzentriere sich die Prostitution im gesamten Großraum ausschließlich auf Augsburg.

In Augsburg wisse man über die Prostitution in der Stadt Bescheid, sagt Polizeisprecher Manfred Gottschalk. Die Zahlen der Welt-Umfrage zeigen, dass dies in vielen anderen Städten offenbar nicht der Fall ist. Denn besonders hoch ist die "Huren-Dichte" gerade in jenen Städten, in denen die Polizei im Rotlichtmilieu besonders streng kontrolliert und daher genaue Angaben der Anzahl der Prostituierten machen kann.

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