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Augsburg

12.10.2019

Wenn Schüler Schülern das Leben retten

Was tun, wenn ein Mitschüler einen Schock erlitten hat? Wie gut, wenn in der Klasse Schulsanitäter sind, die Erste Hilfe leisten können.

Die Malteser bilden an der Maria-Ward-Realschule junge Sanitäter aus. Konrektorin Regina Linse ist für diesen Dienst verantwortlich. Das hat einen persönlichen Grund.

Wenn es am Maria-Theresia-Gymnasium (MTG) keinen Schulsanitätsdienst gegeben hätte, dann wäre ihr Sohn Niklas heute nicht mehr am Leben. Davon ist Regina Linse überzeugt. Ihr Sohn hat einen angeborenen Herzfehler und konnte vor zwei Jahren durch das sofortige und beherzte Eingreifen der Schulsanitäter am MTG reanimiert werden. Die hervorragende Arbeit der jungen Ersthelfer bestätigten die gerufenen Ärzte im Nachgang und auch die Stadt Augsburg zeichnete die Jugendlichen für ihr mutiges Engagement aus.

Regina Linse, die seit vier Jahren Konrektorin an der Maria-Ward-Realschule ist, hat sich dafür stark gemacht, dass an ihrer Schule ebenfalls ein Schulsanitätsdienst eingeführt wird. Im Lehrerkollegium stieß sie auf große Bereitschaft: Viele Lehrkräfte wollten an dem Projekt teilnehmen und so mehr als die festgelegte Mindestzahl an ausgebildeten Ersthelfern an Schulen stellen. Gemeinsam mit dem Malteser Hilfsdienst bildet die Schule nun jedes Jahr interessierte Schüler ab der 7. Klasse in Erster Hilfe und Notfallversorgung aus. Inzwischen gibt es an der Realschule rund 30 junge Sanitäterinnen und Sanitäter.

Einsatz ab zwölf Jahren

Das Alter spielt eine wichtige Rolle, da die Kinder erst ab zwölf Jahren auch bei schwerwiegenderen Vorfällen entsprechend psychisch belastbar sind, so der Malteser Hilfsdienst. Regina Linse ist dafür verantwortlich, dass die rund 700 Schüler und 50 Lehrkräfte die Mitglieder des Schulsanitätsdienstes kennen, wissen, wie und wo sie erreichbar sind, und ihn im Fall der Fälle auch wirklich rufen.

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Ob im Werkunterricht, in der Pause oder beim Sport – es kommt jede Woche ein paar Mal vor, dass sich ein Kind verletzt. Im ersten Schritt informiert der Lehrer das Sekretariat, das dann die diensthabenden Schulsanitäter über Lautsprecher aktiviert. Mit einem Notfall-Rucksack ausgestattet, eilen sie zum Unfallort und kümmern sich um die Erstversorgung des verletzten Schülers. In den Pausen sind die jungen Sanitäter im Krankenzimmer anzutreffen und können etwa mit Pflastern und Kühlpacks aushelfen, beschreibt Linse. Auch bei Schulveranstaltungen wie den Bundesjugendspielen oder größeren Gottesdiensten sind sie vor Ort.

Der Schulsanitätsdienst entlastet im Notfall zunächst das Sekretariat, das sofort den Rettungsdienst und die Eltern informiert. Mitarbeiter in der Verwaltung und einige Lehrkräfte sind ausgebildete Ersthelfer und tragen letztlich die Verantwortung, die die Schüler aufgrund ihres Alters nicht übernehmen können. Auch der Lehrer am Unfallort fühlt sich sicherer, wenn die jungen Sanitäter fachkundig übernehmen und er sich in der Zwischenzeit um die übrigen Schüler kümmern kann, zählt Linse die Vorteile des Schulsanitätsdienstes auf.

Malteser betreuen 300 Schulsanitäter

Der Malteser Hilfsdienst schult die Schüler in einem Erste-Hilfe-Kurs mit Abschlussprüfung und wöchentlich vertiefenden Stunden in den Bereichen Umgang mit Hilfebedürftigen, Herz-Kreislaufsystem, Abdomen, Neurologie und Trauma sowie Eigenschutz aus. „Seit 2010 bieten wir den Dienst mit altersspezifischen Schwerpunkten an Schulen in Augsburg Stadt und Land an und haben aktuell rund 300 Schulsanitäter“, weiß Danijel Durka, Ortsjugendreferent bei den Maltesern und Ausbilder der Maria-Ward-Schülerinnen und Schüler. Das Schulwerk der Diözese Augsburg finanziert den Schulsanitätsdienst, worüber Regina Linse sich sehr freut. „Die Kosten sind nicht ohne, aber es ist gut investiertes Geld“, ist sich die Konrektorin sicher. Das findet auch Jürgen Denzel, Schulleiter des MTG. „Das ist eine wunderbare Ausbildung für die Schüler, die als Multiplikatoren dienen. Ihr Dienst ist notwendig – von der Kleinigkeit bis zur lebensrettenden Maßnahme“, sagt er. Am Maria-Theresia-Gymnasium bietet eine Lehrkraft, die immer weitergebildet wird, einen Wahlkurs an.

Regina Linse würde die Ausbildung der Schüler in Erster Hilfe gerne verpflichtend im Lehrplan des Biologie-Unterrichts verankern. „Die Kinder lernen hier wichtige Inhalte und Fähigkeiten, die jeder fürs Leben braucht.“ Wie notwendig diese Fähigkeiten sind, weiß Regina Linse schließlich aus persönlicher Erfahrung nur zu gut. (AZ/ziss)

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