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Augsburg

23.05.2019

Wie sich Senioren ihre Unabhängigkeit erhalten

Elektrofachmann Heinz Fleißner erklärt Ingrid Silberbauer, 60, die Funktionsweise des sogenannten Herdwächters. Ein Sensor, wie er ihn in der rechten Hand hält, schaltet das Gerät bei zu starker Hitzeentwicklung ab.
Bild: Michael Hochgemuth

Tipps zur Wohnraumanpassung erhalten Senioren im Rahmen einer bayernweiten Aktionswoche. Und eine Chance auf 4000 Euro Förderung.

Die Patienten begegnen dem Pflegepersonal der Sozialstation Lechhausen durchaus mit Skepsis, wenn es einen Umzug in eine Pflegeeinrichtung anspricht. „Ich würde gerne zu Hause bleiben“, hört es stattdessen in aller Regelmäßigkeit. Und dass genau das immer schwerer wird, sehen die Leute nach Auskunft von Geschäftsführerin Ulla Holstein nicht ein. Die bayernweite Aktionswoche „Zu Hause daheim“ bis zum 26. Mai findet bereits zum dritten Mal statt.

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Wenn eine 150-Kilogramm schwere Person auf einem Toilettenstuhl dreimal täglich über mehrere Schwellen ins Bad gehievt werden muss, muss Ulla Holstein schon zum Schutz ihrer Mitarbeiter Alternativen ansprechen. Beim Auftakt der Aktionswoche „Zu Hause daheim“ im Lechhauser Mehr-Generationen-Treff in der Blücherstraße berichtete sie mit anderen Fachleuten darüber, wie mit einer Wohnraumanpassung entgegengewirkt werden kann. Je früher solche Überlegungen erfolgen, umso besser, sind sich die Veranstalter einig.

Barrierefreie Umbauten seien das eine, barrierearm sei jedoch die korrektere Umschreibung, bestätigt auch Birgit Steinhard, Pflegeberaterin und ehemalige Pflegedienstleiterin. So seien häufig die Teppiche in einer Wohnung ein Thema, die zu einer Stolperstelle werden. Grundsätzlich lautet das Credo von Sanitärfachmann und Unternehmer Johann Steinemann „weglassen was stört“. Außerdem muss man seiner Meinung nach von der Idee Abschied nehmen, dass solche Barrieren nur Kranke betreffen.

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Für mehr Selbstbestimmung im Alter

Bayerns Sozialstaatssekretärin Carolina Trautner plädiert im Sinne des Wohlbefindens und der Selbstbestimmung dafür, Menschen ein Zuhause im Alter zu schaffen, in dem sie beides verwirklichen können. Die Politikerin besuchte die Auftaktveranstaltung in Lechhausen, um die Handwerkerkooperation „Rufdenprofi.de“ und die Sozialstation Augsburg-Lechhausen zu unterstützen. In Bayern ermögliche eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten selbstständiges Wohnen im Alter. In der Blücherstraße kamen Interessenten mit Experten und Gleichgesinnten bei der Auftaktveranstaltung ins Gespräch.

Allein in Schwaben werde es 36 Veranstaltungen geben, bei denen sich Senioren vor Ort über passgenaue Angebote informieren können – etwa zu ambulanten Hilfen oder zur altersgerechten Gestaltung von Wohnraum. Auch Ingrid Silberbauer, 60, gehört zu den Besuchern der Aktionswoche, die im Alter möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben wollen. Aus gesundheitlichen Gründen, will sie gewisse Vorkehrungen vor allem rechtzeitig treffen. Als nächstes hat sie sich einen Treppenlift im Außenbereich vorgenommen. Von Elektromeister Heinz Fleißner lässt sie sich den sogenannten Herdwächter erklären, auch wenn Demenz nicht ihr primäres Anliegen ist. Der Aufpasser schaltet die Wärmezufuhr des Kochherdes automatisch ab, sobald der Sensor im Dunstabzug eine gewisse Dampfentwicklung misst. Denn auch demente Entwicklungen können sich einstellen, weshalb rechtzeitig vorgebeugt werden sollte. Ein ängstlicher Mensch ist Ingrid Silberbauer nicht. „Wenn ich Angst hätte“, sagt sie, „würde ich in ein betreutes Wohnen gehen.“

Auch manches Wohnprojekt fördert ein unabhängiges Leben

Auch alternative Wohnkonzepte wie gemeinschaftliche Wohnprojekte können neue Möglichkeiten für ein unabhängiges Leben im Alter eröffnen, sagt Carolina Trautner. Und Wohnen ist „weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf“. Ob zu Hause in den eigenen vier Wänden oder in einer Wohnform, in der man sich schnell wieder daheim fühlen kann – selbstbestimmt zu leben, ist nach Meinung der Staatssekretärin bis ins hohe Alter möglich.

Zunächst aber versucht die Sozialstation von Ulla Holstein sanft auf die Patienten einzuwirken und ihnen Beratung angedeihen zu lassen. Wie alle anwesenden Fachleute, darunter auch Petra Mutter von der Bundesagentur für Wohnraumanpassung (BAG), betonen, ist ein Pflegegrad unerlässlich, um einmalig in den Genuss der Förderung einer Umbaumaßnahme zu kommen. 4000 Euro werden dann bezuschusst, sofern ein Kostenvoranschlag vorliegt.

Das vollständige Programmheft zur Aktionswoche finden Sie auch online unter www.zu-hause-daheim.bayern.de.

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