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Augsburg

24.10.2019

Wirkt der neue städtische Baumschutz?

Aus Sicht des Umweltreferats hat sich der für Bauherren gedachte Baum-Leitfaden bewährt. Kritische Bürger sind mit seiner Wirkung jedoch nicht zufrieden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Umweltreferent Reiner Erben lässt einen Leitfaden an Bauherren verteilen. Die „Baumallianz“ von Bürgern hält diesen für wirkungslos. Auch die geplante schärfere Schutzverordnung ist Kritikern zu lasch. Stimmt das?

Wenn in Augsburg Baumfällungen anstehen, ist Ärger programmiert. Immer wieder gehen Bürger auf die Barrikaden. Besonders, wenn auf Baustellen große geschützte Bäume so stark beschädigt werden, dass sie nicht mehr zu retten sind. Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) setzt auf mehr Aufklärungsarbeit bei Bauherren. Aber wirkt sie auch? Kritiker haben Zweifel.

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Auf Initiative des Umweltreferenten gibt es seit rund zwei Jahren einen städtischen Baumschutz-Leitfaden. Er wird an Bauherren verteilt und informiert darüber, wie man auf Baustellen vorgehen sollte, um Schäden am Grün zu vermeiden.

Bei größeren Bäumen, die unter die Augsburger Baumschutzverordnung fallen, macht die Stadt zudem Auflagen, die Bauherren beachten müssen. Ob die Vorgaben auch in der Praxis eingehalten werden, darüber gehen die Meinungen auseinander.

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Referent: Information läuft gut

Umweltreferent Erben sagt, der städtische Baumleitfaden habe sich bewährt. Das Amt für Grünordnung übermittle die Broschüre an Bauherren, die dem Amt bekannt seien. Die Information laufe gut und sorge für mehr Baumschutz bei der Baustellenorganisation. Der Referent räumt aber auch ein: „Trotzdem ist eine Sensibilität noch längst nicht bei allen in der Stadt agierenden Baufirmen angekommen“.

Kritische Bürger sind mit der Wirkung der städtischen Aufklärungskampagne nicht zufrieden. Christian Ohlenroth von der Baum-allianz Augsburg sagt, „die beiden Baumleitfäden zum Baumschutz auf Baustellen und zum Baumschutz bei Bauvorhaben sind derzeit bestenfalls ein Lippenbekenntnis der Autoren. Mehr nicht.“

Die Baumallianz schaut seit einigen Monaten genauer hin, was auf Baustellen in Augsburg vor sich geht, wenn Bäume betroffen sind. Ohlenroth sagt, Mitglieder hätten allein in den vergangenen Wochen sechs Fälle beobachtet, bei denen der Baumschutz nicht eingehalten worden sei.

Meist ging es um schweres Baumaterial, das zu nahe am Stamm gelagert wurde. Oder es betraf falsch geparkte Baufahrzeuge, die den Boden unter Bäumen verdichteten. Susanne Altmann von der Baumallianz sagt, bei solchen Fällen handle es sich nicht um Lappalien. Wenn der Wurzelbereich massiv beschädigt werde, habe der betroffene Baum keine Chance zu überleben.

Keine Statistik zu gemeldeten Fällen

Ob Baumschutz funktioniert, das zeigt sich auch an Zahlen. Wie oft gab es in Augsburg in diesem Jahr Fälle von Baumfrevel? Eine Frage, auf die Umweltreferent Erben nur eine persönliche Einschätzung geben kann: Subjektiv könne der Eindruck entstehen, dass vermehrte Meldungen von Baumschützern auf eine Mehrung der Fälle schließen lassen. Auch die regelmäßige Berichterstattung in der Presse könne diesen Eindruck erwecken, so der Referent. Eine tatsächliche Zunahme könne aber nicht nachgewiesen werden.

Allerdings kann Erben keine statistischen Zahlen zur aktuellen Lage vorweisen. Grund: Meldungen über Baumschutzprobleme gehen beim Amt für Grünordnung in verschiedenen Fachbereichen ein und werden je nach Zuständigkeit abgearbeitet. Eine Dokumentation jedes Einzelfalles erfolgt nicht. Auch eine ämterübergreifende Zusammenfassung aller Vorkommnisse findet nicht statt. Es fehle das Personal, sagt Erben. Im November werde es eine Entscheidung über zusätzlich beantragte Stellen geben.

Bußgelder wegen Baumfrevels gibt es in Augsburg eher selten. 2019 hat die Untere Naturschutzbehörde bisher in sechs Fällen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Kritiker glauben, das könnte auch damit zusammenhängen, dass die geltende Baumschutzverordnung nicht genügend Wirkung zeigt.

Nach mehreren krassen Verstößen auf Baustellen in den vergangenen Jahren – etwa in Göggingen an der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße oder am Platz vor dem Hauptbahnhof – hatte es massive Bürgerproteste und Forderungen von Stadträten nach einer Verschärfung der Vorschriften gegeben.

Stadt prüft Bedenken und Anregungen

Diesen Juli hat Erben den Entwurf für eine verbesserte Baumschutzverordnung vorgelegt. Bis Anfang Oktober lag er öffentlich aus. Doch auch in der neuen Fassung sieht die Baumallianz noch zahlreiche Schwachstellen. Sprecher Ohlenroth kritisiert, die Stadt mache zwar Auflagen zum Baumschutz, der Vollzug sei aber nicht klar geregelt. „Wir stellen uns das so vor, dass der Baubeginn erst ab dem Punkt erfolgen sollte, wenn der städtische Kontrolleur feststellt, dass die Bäume auf der Baustelle geschützt sind.“

Aus Sicht der Kritiker sind in dem neuen Entwurf auch Schlupflöcher eingebaut, die den Baumschutz in Augsburg eher aufweichen. So kann die Stadt Fällgenehmigungen für geschützte Bäume etwa dann erteilen, wenn es für den Unterhalt von Gewässern oder von Friedhöfen nötig ist. Zuletzt hatten die Fällaktionen am Herrenbach und im Alten Jüdischen Friedhof in Kriegshaber für Ärger gesorgt.

Umweltreferent Reiner Erben sagt dazu, Bedenken und Anregungen zur neuen Baumschutzverordnung würden derzeit geprüft. Ziel sei, dass der Stadtrat noch in diesem Jahr über die Endfassung entscheidet.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:Baumschutz in Augsburg: Schon wieder fehlen Fakten

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