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Handel

15.09.2019

Yahkub Demir hält große Stücke auf die Jakobervorstadt

Yahkub Sargon Demir ist im Frühjahr mit seinem Shisha-Geschäft in die Jakoberstraße gezogen. Er findet den Standort ideal.
Bild: Silvio Wyszengrad

Yahkub Sargon Demir betreibt in der Jakoberstraße ein Shisha-Geschäft. Warum er das Viertel, dem viele den Niedergang prophezeien, positiv sieht.

Fahrrad Bäuml machte vor einigen Jahren den Anfang, 2019 endete dann die Ära von Schuh Bögle in der Jakoberstraße. Jetzt verabschiedet sich auch Sabine Hofmann mit ihrem Fachgeschäft für Wäsche und Dessous aus der Jakobervorstadt, um in der Fußgängerzone neu durchzustarten.

Immer weniger Fachgeschäfte, der Wegfall der Stadtsparkassenfiliale, einige Leerstände und ein reger Wechsel in der Gastronomie: Die Klagen über den Abwärtstrend des Stadtteils haben auch die Stadtregierung erreicht. Sie hat der nördlichen Jakobervorstadt das Förderprogramm „Soziale Stadt“ verordnet, mit dem in den nächsten Jahren vor allem bauliche Verbesserungen einhergehen sollen.

Demir verhinderte Leerstand

Yahkub Sargon Demir hat nicht auf das Ergebnis der Verschönerungskampagne gewartet. Der junge Unternehmer hat dafür gesorgt, dass aus der ehemaligen Bögle-Filiale kein weiterer Leerstand wurde. Bequeme und schicke Markenschuhe suchen seine Kunden freilich nicht. Wer das Geschäft in der Ja-koberstraße betritt, will eine Wasserpfeife, Tabak für die Shisha oder sonstiges Zubehör kaufen.

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Die Mischung aus bunten Wasserpfeifen, farbenfrohen Dosen, knalligen Schläuchen und vielem mehr würde den idealen Rahmen für eine Lesung der Märchen aus 1001 Nacht bieten. Doch auch wenn Demir seinen Kunden keine Märchen erzählt, redegewandt und -freudig ist der 30-jährige gebürtige Augsburger. So erfährt man, dass das Rauchen von Wasserpfeifen in der osttürkischen Heimat seiner assyrischen Vorfahren Tradition hat.

Bis vor wenigen Jahren entspannte sich der gelernte Metallbauer und Maschinenbautechniker nach getaner Arbeit ganz privat mit der Shisha. Dann entschied er sich, sein Hobby zum Beruf zu machen und eröffnete seinen ersten Laden im Meister-Veits-Gäßchen – nur ein paar Hundert Meter vom jetzigen Standort entfernt. Demir empfindet es als „Glücksfall“, dass er in die Jakoberstraße umziehen konnte. Der neue, viel geräumigere Laden liege nicht so versteckt, sondern in guter Lauflage mit einem großen Schaufenster und Straßenbahnanbindung. „Ich habe lange nach so einer Immobilie gesucht, die Innenstadt hätte ich mir nicht leisten können“, sagt er.

Kunden im Shisha-Laden müssen volljährig sein

Nach einem aufwendigen Umbau hat Demir im März die Tür zur „Shisha World“ erstmals aufgesperrt. Mit dem Geschäft sei er sehr zufrieden. „Die Kunden nehmen den Standort gut an.“ Dass Ärzte Wasserpfeifen als Gesundheitsgefahr einstufen, ist dem Geschäftsmann bewusst. Bei der Beratung unterschlägt er deshalb die Risiken auch nicht. „Das Shisharauchen ist nicht gesund, aber gesünder als Zigaretten“, sagt er und verweist dabei auf nikotinfreie Alternativen – und die Beachtung von Hygieneregeln. Zu denen zählt auch, dass jeder Konsument ein eigenes Mundstück benutzt. Zudem müssen die Kunden, die im Laden nur kaufen, aber nicht rauchen dürfen, mindestens 18 Jahre alt sein. „Oft lassen wir uns den Ausweis zeigen“, sagt Demir.

An diesem frühen Abend halten sich überwiegend jüngere Kunden in der Shisha World auf. Jeremy, 21, und sein Bruder wählen Tabak mit Mango- und Ananasaroma, gönnen sich eine neue Shisha („die dritte“) und noch einiges an Zubehör. Für das Geld, das sie zurücklassen, hätten sie sich auch ein paar schicke Klamotten leisten können. Doch sie geben die Summe aus, um „abends daheim chillen zu können. Wir gehen nicht in Shisha-Bars.“

Immer mehr Frau rauchen Wasserpfeife

Ob sie dort die junge Frau treffen würden, die sich ein paar Meter weiter umsieht? Sie sei nur als Begleiterin hier, sagt sie. Demir zählt mittlerweile auch zahlreiche Frauen zu seinen Kunden. „Als ich vor einigen Jahren in der Branche angefangen habe, kam auf neun Männer eine Frau.“

Mittlerweile hielten sich die Geschlechter nahezu die Waage. Vom Alter her seien die 18- bis 25- Jährigen stark vertreten und dann wieder junge Paare um die 30. Student Can gehört in diese Gruppe. „Wenn wir abends unseren Kleinen ins Bett gebracht haben, dann bereitet meine Frau die Drinks zu und ich richte die Wasserpfeife her.“

Auch Yahkub Sargon Demir nähert sich dem Feierabend in der Jakoberstraße – und der Shisha daheim zum Entspannen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal im Einzelhandel lande“, sagt er. Sein Grinsen verrät, dass er die Entscheidung nicht bereut.

Lesen Sie dazu auch: Jetzt verlässt das nächste Traditionsgeschäft die Jakobervorstadt

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