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Augsburg-Stadt

11.07.2013

Zynisch auf der Bühne – harmoniesüchtig im Alltag

Gerne ist Andy Kuntz für seine Rolle im Musical Hair zurück nach Augsburg gekommen. Die Atmosphäre am Theater gefällt ihm sehr gut. Und seit seinem Auftritt bei „Jesus Christ Superstar“ hat er hier auch viele Freunde.
Bild: Annette Zoepf

Andy Kuntz singt eine Hauptrolle im Musical Hair auf der Freilichtbühne am Roten Tor. Es ist nicht sein erster Auftritt. Vor sechs Jahren war er der Judas in Jesus Christ Superstar

Andy Kuntz ist ein viel beschäftigter und viel reisender Mann. Gerade war der 50-Jährige bei Dieter Winkler, dem Manager des Autors Wolfgang Hohlbein. Letzterer hat mit Science-Fiction und Fantasythemen etwa 43 Millionen Bücher verkauft, zählt damit zu den erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Wie so oft geht es wieder um die Komposition einer Rockoper, diesmal über „Hagen von Tronje“, die Kuntz schreiben soll.

Doch bis Ende Juli muss der Kaiserslauterer als Berger im Musical „Hair“ überzeugen. Ihn für dieses Engagement zu gewinnen, war für das Theater ein leichtes. „Augsburg hat mir viel gegeben“, so der 50-Jährige mit der wallenden Mähne. Er war der gefeierte Judas 2006/2007 in „Jesus Christ Superstar“ und hat inzwischen in der Fuggerstadt viele Freunde.

Trotzdem war es für Regisseur Manfred Weiß und den Sänger schwierig, überhaupt mal einen Termin zum Kennenlernen zu finden. Am Leipziger Hauptbahnhof gab es erste Gespräche, Kapellmeister Eberhard Fritsche reiste nach Kaiserslautern ans Theater, um die stimmliche Qualität des Sängers zu prüfen. „Meine Bandbreite reicht vom hellen Tenor bis zum tiefen Bass“. Nach Fritsches Besuch stand dem Engagement für die Freilichtbühne nichts mehr im Weg.

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Dass die Musik mal sein Leben bestimmen würde, war Andy Kuntz nicht in die Wiege gelegt. Nach der 12. Klasse schmiss er das Gymnasium, machte bei Pfaff ab 1982 eine Lehre als Nähmaschinenfeinmechaniker. Und hatte Tag und Nacht eine Karriere als Fußballer im Kopf. „Mein Cousin Stefan Kuntz hat mir viele Türen geöffnet“, so der Sänger. Während dieser 179 Tore in der Bundesliga schoss und inzwischen als Manager des FC Kaiserslautern die Fäden zieht, bedeutete für Andy Kuntz ein fünffach gebrochener Fuß das endgültige Aus in Sachen Dribbling.

Eine große Fußballkarriere war lange Zeit das Ziel

So rückte die Musik in den Fokus. Mit seiner Heavy-Metal-Band Vandem Plas hat er acht Alben eingespielt, rockt Ende August auf Bühnen der Schweiz und Frankreich.

Doch im Moment dreht sich sein Leben um die Figur des Berger. „Er ist ein alter zynischer Kriegsveteran, war in Korea, ist desertiert und versucht nun den jungen Claude (Ulrich Rechenbach) vor dem Militär und dem sicheren Tod zu retten.“ Das gelingt nicht und „das schafft mich bei jedem Auftritt“. Andy Kuntz ist sensibel, testet gerne Grenzen, nennt sich harmoniesüchtig und braucht ein gutes Arbeitsumfeld. Täglich, auch an freien Tagen, wenn er an der Wertach radelt, geht er seinen Text und die Musik durch, um ja keinen Hänger zu bekommen. Für seine Interpretation von „Going Down“ bekommt er jedes Mal Szenenapplaus. Und lobt das gesamte Team. Wie wunderbar die Atmosphäre sei, sehe man schon daran, dass man als 15-köpfige Truppe auf Tollwood den Bluesern von „Crosby, Stills & Nash“ zugehört habe. „Wenn über 70-Jährige noch ein derart tolles Konzert zustande bringen, macht mir das als 50-Jähriger auch Mut“.

Nach dem Roten Tor steht Tirol auf dem Programm. Zwei Wochen will er mit Lebensgefährtin Sandra Bader, die früher in Augsburg tanzte, inzwischen in Wiesbaden, Bergwandern. Um den Berger aus dem Kopf zu bekommen.

Karten für Hair, das am 11., 12., 13., 14., 16., 18., 19., 20., 21., 23., 24., 25., 26. und 27. Juli gespielt wird, gibt es beim Besucherservice des Theaters, Telefon 0821/3244900.

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