Gut elf Jahre ist es her, dass sich die Stadt Augsburg ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hat: Fahrradstadt werden. Nachdem die ursprünglichen Bemühungen nicht ausreichend waren, um das eigene Bestreben von 25 Prozent Radverkehr bis 2020 zu erreichen, formierte sich ein Aktionsbündnis – mit Erfolg. Die Initiatoren schlossen im Sommer 2021 einen Vertrag mit der Stadt. Der Plan: mehr Radwege, weniger Parkplätze für Autos und eine insgesamt bessere Infrastruktur für Radler. Das Fazit bisher fällt durchwachsen aus. In diesem Jahr sind einige Bauprojekte im Stadtgebiet geplant, der Allgemeine Deutschen Fahrradclub (ADFC) gibt eine Einschätzung.
Aus dem Jahr 2023 werden noch "Restarbeiten bei den Radverkehrsmaßnahmen in der Klärwerkstraße, der Schillstraße, der Klinkertorstraße sowie bei der Fahrradüberdachung Friedrich-Ebert-Straße umgesetzt", erklärt das Mobilitäts- und Tiefbauamt. So wurde etwa der Radweg in der Schillstraße stadtauswärts zwischen Hans-Böckler-Straße und Hammerschmiedweg umgebaut. Dort gibt es nun jeweils etwa zwei Meter breite Wege für Fußgänger und Radler. Auch die Verkehrsführung an Kreuzungen wurden verbessert. In der Klärwerkstraße wurde der bisher unbefestigte Geh- und Radweg in nördlicher Verlängerung der Klärwerkstraße sowie der Verbindungsweg zur Lechbrücke entlang der A8 asphaltiert und mit Beleuchtung ausgestattet.
Geh- und Radwege an der Hans-Böckler-Straße werden 2024 neu asphaltiert
Für 2024 plant die Stadt unter anderem diverse Fahrradabstellanlagen und "kleinere Optimierungen der Radverkehrsinfrastruktur", wie das Mobilitäts- und Tiefbauamt mitteilt. Konkretere Projekte sind in der Ulmer Straße und Hans-Böckler-Straße sowie an der Thomas-Breit-Brücke in Oberhausen angedacht. In der Ulmer Straße soll die "Radverkehrsinfrastruktur" zwischen der Tobias-Maurer-Straße und der Wertachbrücke verbessert werden. Wie die Umsetzung im etwa 150 Meter langen Teilstück aussehen wird, gab die Stadt nicht bekannt. Obwohl die Ulmer Straße im Radweg-Ausbauplan als Hauptachse definiert ist, wird es hier vorerst keinen Radweg geben. Stattdessen denkt die Stadt darüber nach, die parallel laufende Ebnerstraße zur Fahrradstraße zu machen. Das sieht Arne Schäffler vom ADFC Augsburg kritisch. So sei der Übergang zurück in die Ulmer Straße an beiden Enden mit der Schöpplerstraße und dem Helmut-Haller-Platz schwierig. Der ADFC würde einen Schutzstreifen in der Ulmer Straße bevorzugen.
Eine gute Nachricht gibt es in Bezug auf die Hans-Böckler-Straße in Lechhausen, die als wichtige Verbindung im Augsburger Radnetz gilt. Dort sollen die Geh- und Radwege zwischen der Schillstraße und der Neuburger Straße beidseitig neu asphaltiert werden. Die Brücke über die Thomas-Breit-Straße wird erneuert und erhält einen breiteren Querschnitt für den Geh- und Radverkehr. Insgesamt seien das für 2024 nicht viele Verbesserungen, sagt Schäffler: "Es hat schon mal mehr Anstrengungen gegeben."
Radweg in Augsburg: Verkehrsversuch in der Hermanstraße soll dauerhaft umgesetzt werden
In den kommenden Jahren plant die Stadt weitere "Radverkehrsmaßnahmen" an der Lechhauser Straße, Hirblinger Straße, Gögginger Straße und Stadtberger Straße. Wie diese konkret aussehen werden, ist bislang nicht bekannt. Außerdem wird in der Hochfeldstraße eine Fahrradabstellanlage errichtet. Zudem sollen die Verkehrsversuche in der Hermanstraße und in der Neuburger Straße dauerhaft umgesetzt werden. Dort ist jeweils eine Autospur zugunsten eines Radwegs weggefallen. Zwei erfolgreiche Projekte, aus Sicht des ADFC. "Die Verkehrsversuche haben sich bewährt", sagt Schäffler.
Allerdings werde es auch in Zukunft Problemstellen in Augsburg geben, erklärt das Mobilitäts- und Tiefbauamt: "Es gibt Netzlücken, die sich aus verschiedenen Gründen nicht so ohne Weiteres schließen lassen, wie am Hochablass, am Osramsteg, an den Wegen entlang der Localbahn im Bereich Proviantbachstraße sowie im Bereich des Westfriedhofs. An diesen Stellen sind nur sehr langfristig Verbesserungen möglich." Ein weiteres Beispiel sei die Unterführung in der Holzbachstraße. Dort laufe zurzeit immerhin die Planung für eine Radverkehrsführung über den Holzbach. Für Schäffler ist nicht nachvollziehbar, warum dort immer noch nichts umgesetzt wurde: "Das ist eine wirklich schwere Geburt. Die Stadt diskutiert seit mehr als 15 Jahren über eine Lösung."
Insgesamt zieht Schäffler jedoch eine positive Bilanz: "Es dauert alles sehr lange, aber was gemacht wird, ist überwiegend gut." Zudem habe sich die Kommunikation der Stadt deutlich verbessert. Fachverbände würden öfter einbezogen, und es käme zu weniger Fehlplanungen. Allerdings mache sich bemerkbar, dass es der Stadt an Geld für neue Baumaßnahmen mangelt. "Im Wesentlichen laufen die Projekte aus dem Radentscheid, neue Pläne sehen wir eigentlich kaum." Der größte Kritikpunkt bleibe allerdings der fehlende Wegfall von Autostellplätzen. "Beim Rückbau von Parkplätzen außerhalb der Innenstadt sowie beim Aufbau der Radabstell-Infrastruktur in den Stadtteilen hat Augsburgs Verwaltung praktisch nichts in Gang gesetzt bisher. Es fehlt in den dicht bebauten Quartieren wie Lechhausen, Oberhausen oder Pfersee dringend an sicheren Fahrradabstellmöglichkeiten", sagt Schäffler.