Die Karfreitagsliturgie im Augsburger Dom.Foto: Annette Zoepf
Der russische Angriffskrieg in der Ukraine, der Rückgang der Christen in Deutschland und Defizite im gesellschaftlichen Diskurs am Beispiel des Augsburger Klimacamps: Mit diesen aktuellen Themen beschäftigten sich Katholiken und Protestanten in den Karfreitagspredigten im Augsburger Dom und in St. Ulrich.
Weihbischof Florian Wörner ging im Dom auf die jüngste Meldung ein, dass die Zahl derer, die in Deutschland zu einer der großen christlichen Konfessionen gehören, unter die 50-Prozent-Marke gesunken ist. "Unser Glaube, die Kirche - eine Sache, nach der kein Hahn mehr kräht?", fragte der Weihbischof.
Weihbischof spricht im Augsburger Dom Identitätskrisen an
Die Frage nach der eigenen Identität und das Bedürfnis, etwas zu gelten, sei auch nicht selten Anlass zu Rivalität bis hin zu Kriegen und sehr viel Leid, wie wir es aktuell in der Ukraine der Fall sei. Die große Frage nach der eigenen Identität beschäftige nicht nur junge Menschen in der Entwicklungsphase der Pubertät. Auch Erwachsene seien damit konfrontiert. Ein Beispiel dafür sei Petrus. Dreimal habe er eine negative Antwort auf den Versuch anderer, ihn als Anhänger, als Jünger Jesu zu identifizieren, gegeben und beteuert: "Ich bin es nicht." Dies müsse unglaubliche Drucksituation gewesen sein. Trotzdem habe Jesus ihn nicht fallen lassen.
Der Weihbischof gab im Dom aber auch eine Botschaft der Hoffnung aus: Die konsequente Anwendung der christlichen Glaubensregeln würde, so Wörner, das Gesicht dieser Erde entscheidend verändern. Wer sich dem Herrn zuwende und seiner Spur folge, brauche keine Angst mehr davor zu haben, dass er zu wenig Beachtung findet und kein Hahn mehr nach ihm kräht.
Regionalbischof Axel Piper predigte am Karfreitag in St. Ulrich. Er kritisierte, gegensätzliche Meinungen seien immer öfter wie fest betoniert. Es gebe nur ja oder nein, nichts dazwischen, etwa beim Thema Klimacamp. Für die einen sei es ein Schandfleck, für die anderen ein Beispiel für die Ernsthaftigkeit und Engagement junger Menschen. Ein anderes Beispiel sei der Streit um die Impfpflicht. "Die einen benutzen Worte wie Impfdiktatur, die anderen Egoismus und Verantwortungslosigkeit", so Piper. Die Reihe der Streitfragen lasse sich beliebig fortsetzen. Meinungsverschiedenheit gehöre jedoch zu einer Gesellschaft.
Regionalbischof Axel Piper predigte am Karfreitag in St. Ulrich. Er kritisierte, gegensätzliche Meinungen seien immer öfter wie fest betoniert. Foto: Annette Zoepf (Archivbild)
Der Regionalbischof rief auf zum Willen, die andere Seite zu verstehen und das Gespräch nicht abzubrechen. Selbst ein Tyrann wie Putin werde der Meinung sein, er sei im Recht. "Aber wenn sich niemand bewegt, bewegt sich nichts", so Piper. Dies sei so wichtig bei so existenziellen Fragen wie Gesundheit, Frieden, Rettung von Leben. Wahrscheinlich hätten Corona, Kriegsängste und Existenzsorgen noch zur Rechthaberei, Unversöhnlichkeit und Bitterkeit beigetragen. Christus nah zu sein, sei ein Weg, um Bitterkeit und Selbstgerechtigkeit zu verlassen.