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Augsburg

13.01.2020

Augsburger Friseurmeisterin: "Ich mache Verrückte verrückt"

Friseurmeisterin Dilek Köksal macht Schmuck und hat ein Faible für ausgefallene Frisuren und Bilder: hier eine Frisur aus Geschenkbändern und einer Bonbon-Kette.
Bild: Dilek Köksal

Die Augsburger Friseurmeisterin Dilek Köksal kreiert Schmuck und kühne Haarkunstwerke. Diese setzt sie ungewöhnlich in Szene. Echte Vogelspinnen kommen zum Einsatz.

„Bonbon“ hieß ihre Erste. „Bonbon, weil die Farben bunt und knallig waren“, sagt Dilek Köksal. Viele Stunden hatte die Friseurmeisterin gebraucht, um die kleinen Kügelchen auf die dünne Schnur zu fädeln. Immer nach der Arbeit, wenn Köksal ihren kleinen Friseursalon in der Frölichstraße zugesperrt hat, saß die 47-Jährige bei sich auf der Couch und fädelte, Stück für Stück, Perle für Perle. Nun ist die Kette fertig und hängt an dem Hals ihrer Kundin – einer Frau mit drei Rollen Geschenkband im Haar. In alle Richtungen kringeln sich die Bänder, sehen aus wie ein Afrolook in silber, rosa und blau.

Augsburger Friseurmeisterin Dilek Köksal: "Ich liebe Augsburg"

Seit 30 Jahren ist Köksal Friseurmeisterin. Tag für Tag wäscht sie ihren Kunden die Haare und schneidet ihnen die Spitzen. Ordentlich und adrett – so, wie es von ihr gewünscht wird. Doch immer abends, wenn sie Zeit hat, zu entspannen, fängt sie an, Ketten und Ohrringe zu machen. „Dilek Style“ nennt sie ihren Schmuck. „Davon ist jedes Teil einzigartig“, sagt sie. „Jede Perle hat ihre eigene Geschichte.“

Köksal ist Augsburgerin – durch und durch. „Ich bin hier aufgewachsen. Ich liebe Augsburg“, sagt sie. Geboren wurde sie in der Türkei. Ein Land, in das Köksal mindestens zweimal im Jahr reist, dessen Musik in ihrem Salon läuft und dessen Kunst sie zu ihrem „Dilek Style“ inspiriert habe. Vorgaben oder Ordnung bräuchte sie für ihre Kreativität nicht. Spontanität und Intuition hingegen schon. „Wenn ich zur Ruhe komme, sprudeln die Ideen nur so aus mir raus“, sagt Köksal. „Es braucht Mut, sie umzusetzen.“

Augsburger Friseurmeisterin: "Ich mache Verrückte verrückt"
Eine voluminöse historische Frisur von Dilek Köksal.
Bild: Ilja Kotov

Vor drei Jahren fragte Köksal eine Kundin, ob sie Model für ihre Kette sein könnte. „Ich bin nicht hübsch genug“, war die Antwort. „Such dir lieber ein richtiges Model.“ Köksal schüttelt den Kopf, während sie von dieser Geschichte erzählt. „Keine Frau ist hässlich“, sagt sie bestimmt. „Denn Schönheit kommt von innen.“ Egal, wer in Köksals kleinen Salon kommt. Die Friseurmeisterin mit dem bunten Schmuck und der türkischen Musik macht sie alle hübsch, wie sie sagt. Jeder habe etwas Schönes in sich. Man müsse sich nur trauen.

Verrückt sind auch ihre Frisuren

Die 47-Jährige traute sich lange Zeit selbst nicht. Von Hochsteckfrisuren ließ sie lieber die Finger. Es gab einfach zu viel, was man falsch machen könnte. Dann eines Tages sprang sie über ihren Schatten und frisierte im Stil von Kaiserin Elisabeth und Marie Antoinette – nach Dilek Art versteht sich. Die Frisur war zehn verschiedene Stufen hoch. „Ich bin eine Verrücke, die Verrückte verrückt macht“, sagt Köksal über sich selbst. Verrückt sind auch ihre Frisuren, die auf die Ketten abgestimmt werden. Sind die Perlen rot, werden die Haare rot, sind sie blau, werden sie eben blau. „Grenzen gibt es keine. Ich benutze alles“, sagt sie. Das meint Köksal wortwörtlich. Selbst eine echte Ananas habe es bereits in ihre Hochsteckfrisur geschafft. „Ebenso wie eine echte Spinne und kleine Dinosaurierfiguren.“ Bekannte halten die Kunstwerke mit der Kamera fest.

Die Friseurmeisterin Dilek Köksal

Vor ein paar Jahren dann schoß Köksal auf einmal die Idee in den Kopf: „Ich wollte mit meinen Bildern einen Kalender machen“, sagt sie. Köksal trommelte ihre Kunden zusammen, organisierte einen Infoabend und schaffte es so, ihren ersten Kalender zu veröffentlichen: ihre Kunden an den Lieblingsplätzen in Augsburg. In den folgenden Jahren kamen noch vier weitere hinzu. „Ich wollte damit zeigen, dass Augsburg nicht langweilig ist“, sagt Köksal. Sie ist stolz auf ihre Stadt und auch ein bisschen auf sich selbst. „Ich habe alles ganz alleine geschafft.“ Und das sei nicht leicht gewesen. „Das Entscheidende ist, dass man liebt, was man tut“, sagt sie.

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