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Deutsches Mozartfest

18.10.2020

Beethoven und Mozart: Ein Doppelporträt der Titanen

Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 interpretierten die Echo-Preisträgerin Sophie Pacini und die Bayerische Kammerphilharmonie.

Plus Beethoven und Mozart treffen sich mit der Bayerischen Kammerphilharmonie zu einer spannenden Begegnung. Mit dabei ist eines der größten Wunder der Musikgeschichte.

Gegensätze und Anklänge, Ähnlichkeiten und unabhängige Prozesse – das Deutsche Mozartfest brachte in einem weiteren Konzert ein fesselndes „Doppelporträt“ der beiden großen Klassiker Beethoven und Mozart. Wieder wurden künstlerische Vorstufen, spannungsvolle Entwicklungen, Umbruch, Zeitenwende und Zeugnisse der Vollendung vorgeführt.

Die Bayerische Kammerphilharmonie präsentierte im Kongress am Park Mozart und Beethoven mit zwei exemplarischen Werken. Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 folgte Mozarts „Jupiter“-Sinfonie. Am Vortag gab es vom musikalischen Nachwuchs im Kleinen Goldenen Saal an diesem Wochenende so etwas wie „leichte“ Kost mit Oboen-Stücken vor und nach Mozart zu hören. Die jungen Künstler Evelyn Renner und Anselm Wohlfarth (Oboe und Englischhorn) boten feine Leckerbissen dieses wichtigen und die Literatur oft prägenden Instruments.

Evelyn Renner und Anselm Wohlfarth boten leichte Kost auf der Oboe.

Solistin Sophie Pacini gefiel mit Energie und Brillanz

Das B-Dur-Klavierkonzert op. 19, als Beethovens 2. Konzert bezeichnet, entstand eigentlich vor dem nominell ersten in C-Dur. Doch unabhängig von diesen Wirrnissen der exakten Chronologie des Werks wird deutlich, dass Beethoven an op. 19 sehr lange gearbeitet und seinen Zugang zum Genre des Klavierkonzerts experimentell gesucht hat. Das Ergebnis ist eine spannende Phase im künstlerischen Dasein des Klaviermusiktitanen. Die Einleitung im ersten Satz ist lang, ausgedehnt, bietet thematische Einstimmung auf den Grundton und erscheint mit eher eleganten Wendungen im klassischen Faltenwurf. Die Kammerphilharmonie, ohne Dirigent, von Konzertmeister Gabriel Adorjan geführt, ließ es an ebenmäßigem Wohlklang nicht fehlen.

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Als dann die Solistin Sophie Pacini auf den Plan trat, schien sie spürbar beschleunigen, intensivieren zu wollen. Die 29-jährige Deutsch-Italienerin fand zusehends mit dem Partner in einen bezwingenden Fluss, gefiel mit stromgeladenen Läufen und atmender Phrasierung. Ein Höhepunkt des feinen Wechselspiels war der Einsatz der Kadenz, die Beethoven erst später, nach ersten Aufführungen komponiert hat: Das galante Spiel wird quasi von einer Fugenversion überrascht, in der Beethoven das Unkonventionelle seiner Sonaten ausbrechen lässt. Die Pianistin, Echo-Preisträgerin, „Beethoven-Beauftragte“ bei BR-Klassik, ließ es in dieser Schlüsselpassage, in der sogar Ahnungen an die späte Hammerklaviersonate durchschimmern, an wuchtig-bizarrer Brillanz nicht fehlen. Das beseelte Adagio hatte intensive gebetartige Momente, das Rondo-Finale mit seinen wunderbar faunischen Sprüngen im rasanten 6/8el-Takt war ein absoluter „Beethoven-Genuss“. Nach großem Beifall bot die fabelhafte Sophie Pacini mit Schubert/Liszt romantische Gefühlswellen.

Das triumphale Ende in der "Jupitersinfonie"

Dem suchenden Beethoven folgte die fesselnde Vollendung bei Mozart. Die – vom geschäftseifrigen Verleger so genannte – „Jupiter-Sinfonie“ ist eines der größten Wunder der Musikgeschichte. Mozart hat seine letzte Sinfonie ohne Auftrag geschrieben, wie die anderen beiden der drei Letzten, und sie auch nie gehört. Und sie ist die Vollendung dieser Trias, nach dem gebrochenen, expressiven Gestus der vorangegangenen g-Moll-Sinfonie eine Zeugnis fast entrückter Heiterkeit – mit Verläufen und changierenden Klanggestalten, die einer faszinierenden Dramaturgie folgen. Der 1. Satz mit seinen lohenden Auftaktblitzen des kurzen Themas, gefolgt von weichen Echo-Räumen, spricht die kräftige, klare Sprache der Formvollendung. Das Andante in seinen in sich gekehrten, scheinbar süß-melancholischen Stimmungswechseln provoziert immer wieder die Frage nach dem richtigen Tempo: Es ist kein Adagio. Schnelle Tempi lassen etwa die immer wieder einfließenden zuckenden Nachschläge im melodischen Strom den Eindruck von Flucht in der Ruhe entstehen, Gabriel Adorjan und sein Ensemble boten den metrischen Mittelweg, der Ruhe und Beklemmung vereint. Das flutende Menuett mit dem lapidaren Trio ist tänzerischer Gemütlichkeit enthoben. Das Wunderwerk des Schlusssatzes mit sofort einsetzender Fuge scheint alle Teile musikalischer Figuren und Themensplitter archaisch ins Universum zu schicken, werden indes mit dem „Magnet“ einer grandiosen Formbeherrschung bis zum triumphalen Ende zusammengeführt. Wie das Orchester, von Gabriel Adorjan am Konzertmeisterpult geführt, dieses Werk in all seiner vielfältigen Wucht ohne Dirigent realisierte, war hinreißend.

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