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Brechtfestival

24.02.2019

Bluespots starten ihr Projekt "Shitty City"

Bild: Christian Menkel

Der zehnteilige Marathon durch die Stadt beginnt: Bluespots Productions inszeniert Brechts "Lesebuch für Städtebewohner" an zehn Orten. Der Auftakt zündet nicht.


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Das freie Theaterensemble Bluespots Productions beteiligt sich wieder am Brechtfestival. In der Vergangenheit hat das Ensemble durchaus ansprechende multimediale Performances präsentiert. Einen zehnteiligen Marathon hat die Truppe nun für das Brechtfestival geplant: An zehn verschiedenen Orten dienen die zehn verschiedenen Teile von Brechts Gedichtzyklus "Lesebuch für Städtebewohner" als Ausgangspunkt für völlig unterschiedliche Darstellungsformen.

Der Start der performativen Gedichtreise „Shitty City“ lässt jedoch die erhoffte Kreativität vermissen. Als Zuschauer erschließt sich weder die spezielle Ortswahl noch die Textpassagen.

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Die Texte für die dialogischen Kurzszenen stammen aus Brechts "Lesebuch für Städtebewohner". Hieraus wollen Bluespots Productions sie ein poetisches Netz durch die Stadt spannen. Leider kann man zu keinem Zeitpunkt ersehen, ob und wo ein möglicher Faden gesponnen wird.

Warten bei eisigen Temperaturen

Zum Auftakt mit dem ersten Gedicht der Sammlung trifft sich das Publikum auf dem Plärrergelände vor der Plärrerwache der Polizei. Bei eisigen Temperaturen gilt es vor der Wache zu warten, bis sich endlich an den beiden Hausecken zwei Schauspielerinnen herumdrücken und dialogisch „verwische die Spuren“ rezitieren. Dann darf man die Wache betreten. Dort gilt es wieder, bei immer noch eisigen Temperaturen zu warten, bis man in einem der Räume eine 3-D-Brille aufsetzen kann und einen Rundumblick auf das Rangiergelände der Augsburger Lokalbahn erhält. Großes Spurenverwischen war nach dieser Darbietung nicht nötig.

Für die zweite Station am Samstag hat man sich als Spielort die Besucherwohnung in der Fuggerei ausgesucht. Weshalb hier? Weshalb Shitty City? Eine mit sich selbst hadernde Frau liegt im Bett, zwei Personen sprechen ihr zu und raten ihr ab. Brechts Poesie? Abermals Fehlanzeige.

Natürlich scheint es bei Brecht in Ordnung, nicht so blöd zu glotzen, wenn man eine Szene dargeboten bekommt. Doch eine vage Idee dieser beiden Inszenierungen hätte die heutige Städtebewohner in jedem Fall erfreut. Ist das zu viel verlangt? So sind Miniszenen zu sehen gewesen, überaus dürftig inszenierte Gedichte. Als Zuschauer blicken nicht wenige betroffen und am Ende bleiben jede Menge Fragen offen.

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