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Firnhaberau

11.07.2019

Geglückter Ausstand mit der „Feuerzangenbowle“

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2 Bilder
Köstlich vertrotteltes Lehrerkollegium (von links): Schnauz (Matthias Lidl), Zeus (Georg Baur) und Bömmel (Frank Deininger) mit Referendarin Eva (Dorothea Ahrens).
Bild: Annette Zoepf

Rainer Lechner hat zu seinem Abschied von den Theaterleut‘ den Klassiker auf die Bühne gebracht

Manche Filme will man immer wieder sehen. Dazu gehört sicher der klassische Paukerfilm „Die Feuerzangenbowle“ (1944). Auch wenn man es mit einer Bühnenfassung zu tun hat, müssen trotzdem Szenen wie die der alkoholischen Gärung („nur einen wönzigen Schlock!“) oder der „Dampfmaschin’“ („Da stellen wir uns mal janz dumm…“) vorkommen. Stimmt diese Vermutung, dann haben die Theaterleut’ in der Firnhaberau alles richtig gemacht. Und der Applaus des Premierenpublikums gab ihnen recht.

Auch das reine Nachahmen erfordert eine Menge Aufwand. Durch Kostüm und Maske wurde sofort die Atmosphäre des Films aufgerufen. Die Figuren, allen voran das Lehrertriumvirat Zeus, Schnauz und Bömmel (Georg Baur, Matthias Lidl und Frank Deininger), aber auch die Zimmerwirtin (Steffi Volkert), der Oberschulrat (Thomas Langner) oder die Verlobte Marion (Natascha Zips) sind etwas mehr zu Karikaturen verzeichnet als auf Zelluloid, aber durchaus wiedererkennbar. Ähnliches gilt für die Mitschüler, vor allem Luck (Markus Neumair), Knebel (Rainer Seebach) und Husemann (Philipp Minolts).

Nur die Hauptfigur, Hans Pfeiffer („mit drei f“), gespielt von Peter Volkert, ist deutlich zurückhaltender angelegt als in der Filmvorlage. „Heinz Rühmann kann man nicht nachahmen“, sagt dazu Regisseur Rainer Lechner. So tritt Pfeiffers zarte Romanze mit Eva, der Tochter des Direktors (Dorothea Ahrens), mehr in den Vordergrund als seine tollen Schulstreiche. Eine glaubwürdige Entwicklung ihrer Liebe bleibt Eva allerdings versagt. Nachdem sie ihn verlassen hat, da sie ihm nicht glaubt, dass er gar kein Pennäler mehr ist, darf er sie in der nächsten Szene gleich wieder glücklich in die Arme schließen. Sie hat sich jedoch so sympathisch präsentiert, dass ein anderes Ende gar nicht infrage kommt.

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Angereichert hat Lechner seine Inszenierung, wie man das von den Firnhaberauern kennt, durch Einlagen des Wohnzimmerchors unter Leitung von Erich Broy und einen Tanz im Stil der 1920er-Jahre der Dance Company von Dorthe Korinth, die die altmodische Liebenswürdigkeit des Stücks unterstreichen. Entsprechend dem großen und engagierten Ensemble spendete das Publikum am Ende – und auch zwischendurch immer wieder – lang anhaltenden Applaus.

Man muss daran erinnern, dass die „Feuerzangenbowle“ einst dazu diente, die Menschen von den Schrecken des Krieges abzulenken. Der Film hat aber, zumindest bei der älteren Generation, so anhaltenden Erfolg, dass man nachvollziehen kann, dass Lechner den Stoff immer schon gern einmal inszenieren wollte. Wie er unserer Zeitung nach der Premiere sagte, fand er aber lange keine Bühnenfassung. Nun, zu seinem Abschied (wie berichtet, zieht er nach Berlin) stieß er doch auf ein geeignetes Stück. Die Aufführungsrechte waren gar nicht so einfach zu bekommen, denn der Verlag gewährt sie nur, wenn die Komödie nicht gleichzeitig in der weiteren Umgebung von einer Profibühne gespielt wird. Das hat nun geklappt. Lechner wurde am Ende von den Vizepräsidenten des TSV Firnhaberau, Carsten Wiedemann und Heiko Nöll, für seine Arbeit gewürdigt und offiziell verabschiedet.

Zwei weitere Spieltermine sind am Freitag, 12., und am Samstag, 13. Juli, im Biergarten des Neuen Hubertushofs, jeweils um 20.30 Uhr. Karten beim Lechfrisör und in der Oase.

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