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Staatstheater Augsburg

03.11.2019

Mit dem Gastspiel "Ernst" am Publikum vorbei

Gitty van Gandar in der Performance „Ernst“.
Bild: Mercan Fröhlich

Plus Das war zu wenig. Zwar geht das Thema "Erben" viele an. In dieser belgischen Produktion klang es aber wie eine Diskussion aus dem Hause Windsor.

Wir sind eine Generation von Erben. Somit hätte die dramatische Performance „Ernst“ durchaus eine Relevanz in sich bergen können. Die Belgierin Gitty van Gandar erzählte in ihrer Dokumentar-Collage über den Rechtsstreit mit ihrem Bruder Henk um das Familienschloss. Die wenigen ansprechenden technischen und szenischen Finessen vermochten jedoch das handverlesene Publikum in der Brechtbühne nicht wirklich in Bann zu schlagen.

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Auf der Bühne ein Tresen-Tisch, ein seltsames Konstrukt aus alten Kartons, die Rückwand bis zur Decke weiß, sodass diese bald zur filmischen Projektionsfläche werden konnte. Die drei Darsteller Gianna Sutterlet, Ivo Kuyl und Gitty van Gandar debattierten über 90 Minuten in verschiedenen Situationen über die Rechtmäßigkeit der Erbfolge und über den damit verbundenen Bruch der Familienbande.

Für die wenigen Zuschauer blieb es ohne Belang

In der Erbfolge kann nur der männliche Nachkomme das Schloss erben. Das klang wie eine Diskussion aus dem Hause Windsor, die für die wenigen Zuschauer bis zum Schluss ohne Belang blieb, da man heute längst geschlechterunabhängig erben darf. Gesprochen wurde deutsch und französisch. Dies war keinem ersichtlichen Konzept geschuldet, sondern der Tatsache der jeweiligen Sprachdominanz.

Gitty van Gandar hatte im Wesentlichen die Rolle der Erzählerin inne. In den meist von Sutterlet und Kuyl dargestellten Szenen ging es um Streit, Verantwortung, Egoismen, Empfindlichkeiten, seelische Verletzungen und Geschlechterrollen. Dies war der Ernst der Lage. Dabei wurde viel mehr parliert als agiert. Eine der wenigen Ausnahmen war jenes Bild, als Kuyl in der Familiengruft wieder und wieder in wandelnder Generation aus dem Sarg stieg. Der Charme dieser Szenerie wurde dadurch unterstrichen, dass parallel hierzu auf der Leinwand mit Kamera in besagtem Kartonagenmodell die Räumlichkeit der Gruft abgefahren wurde. Hier wie in einigen anderen Projektionen wurde offensichtlich, welche Geheimnisse dieses Modell in sich barg. Doch die wenigen Momente genügten nicht, um eine magische wie staatstheatertaugliche Theater-Perfomance erwachsen zu lassen.

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