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Ausstellung

25.11.2019

Monika Schultes: In großem Malgestus für die Schöpfung

„Think“ heißt dieses Acrylgemälde der Malerin Monika Schultes, die damit den Umgang des Menschen mit der Schöpfung thematisiert.
Bild: Sybille Schiller

Monika Schultes setzt sich in ihren Bildern mit der Bewahrung der Natur auseinander.

Eines der eindrucksvollsten Projekte, das die Künstlerin Monika Schultes 2016/2017 zur Großen Schwäbischen Kunstausstellung verwirklicht hatte, war ihre Video- und Bild-Arbeit „broken home“. In diesem Kunstprojekt ging es um ihre stete Auseinandersetzung mit Werden und Wachsen, mit Veränderung und dem endgültigen Abschiednehmen von ihrem Elternhaus, das abgerissen wurde.

Loslassen, einen Neuanfang wagen, das sind bis heute die großen Themen der Monika Schultes. Im Oktober dieses Jahres ist sie als Kunsttherapeutin am Bezirksklinikum Augsburg in den Ruhestand gegangen, doch als Künstlerin wagt sie es, sich in Malerei und Zeichnung neu und noch intensiver mit dem Leben auf dieser Erde auseinander zu setzen. Wie spannend sie das darzustellen vermag, empfinden Besucher in der mit der Augsburger Galerie Noah für das Rathaus in Gersthofen konzipierten Ausstellung „Anima- Animalis“. Monika Schultes geht es darin um die Wahrnehmung der Schöpfung, im Speziellen des Miteinanders von Mensch und Tier.

Biblische Vergleiche

Direkt und unverblümt verdeutlicht Schultes dies in dem 2019 entstandenen Gemälde „Think“ (Acryl auf Leinwand 120 x 100) mit einem Schimpansen. Darauf zeigt sie mit dem ihr eigenen großen Malgestus, worauf es ankommt: auf das Nachdenken über die vom Aussterben bedrohten Tierarten und Pflanzen sowie das Sich-Bewusstmachen, warum wir Menschen als „Krone der Schöpfung“, der Zerstörung Einhalt gebieten müssen. Exemplarisch hierfür hängt das Monika-Schultes- Porträt „Selbst mit Augsburger Huhn“. Auch dieses mit rotem Doppelkamm bekannte „Augsburger Huhn“ ist gefährdet. Ihm benachbart spannt der artengefährdete Ara auf einer fein gearbeiteten Mischtechnik „Kleiner Ara ganz GROSS“ weit seine Flügel aus, und im Wasser, dem Urelement der Erde, tummeln sich so wunderschöne, selten gewordene Fische wie der „Segelschilder-Wels“ mit seinem wie ein Gepard gemusterten Körper. Ihn lässt Monika Schultes auf der Leinwand in die Tiefe tauchen, mischt ihm – wie oft auf ihren Acrylgemälden – als Kontrast, vielleicht als Ambivalenz-Merkmal oder Aufheiterung, ein starkes Pink bei. Dieses satte Rosa besticht auch auf dem Bild „Lilium“. Der hier blühende Lilienstrauß erinnert an König Salomon aus dem Alten Testament und seinen weisen Satz „Sehet die Lilien auf dem Felde….“

Monika Schultes: In großem Malgestus für die Schöpfung

Bleiben wir bei den biblischen Vergleichen und gehen ins Paradies zu der von der Schlange verführten Eva. Dieses fatale Ereignis setzte Albrecht Dürer 1507 in Szene. Monika Schultes zitiert den Meister, vertauscht jedoch die Schlange mit einer Wespe („Eva mit Wespe II“, Ölpastell auf Papier). Auch Dürers „Apollo“ inspirierte die Augsburgerin, nur hat sie zu Füßen des mit Pfeil und Bogen bewaffneten griechischen Gottes einen Pavian gesetzt. Die Frage nach dem „Warum“ erübrigt sich.

Beim Ausstellungsrundgang in Gersthofen kommt auch Rührung auf, steht man vor der gemalten Kuh „Mucca“. Für sie und alle anderen Kühe mit oder ohne Hörner wünscht man sich, dass sie frei über Wiesen und Alm laufen dürfen.

Info: Rathaus Gersthofen, geöffnet Mo.,Di., Do und Fr. 8 bis 12 Uhr, M. auch 8 bis 13 Uhr sowie Do. 13.30 bis 18 Uhr, Laufzeit bis 16. Januar.

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