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Sensemble

29.11.2019

Songs wie Schneeglöckchen mit dem Klub der Idealisten

The Mufuti Twins mit Uli Fiedler (links) und Christofer Kochs beim Konzert des Klub der Idealisten im Sensemble Theater.
Bild: Kochs

Der Klub der Idealisten stellt in seinem Konzert im Sensemble Theater die Lieder in den Mittelpunkt. Diese Idee geht auf.

Ein kalter Herbstabend zieht seine Schwaden durch die unwirkliche Umgebung des Sensemble Theaters, aus dessen Fenstern warmes Licht schimmert. Wärme für die klammen Finger, Wärme fürs Herz. Mehr Menschen, als das heimelige Theater fassen kann, folgten dem Ruf des Klubs der Idealisten, ins Leben gerufen von Christofer Kochs. Im Gepäck hat er schöne Anekdoten und liebevolle Worte für seine Künstlerinnen und Künstler. Die wiederum haben Musik dabei, die sich wie ein wohliger Kokon um die Schultern des Publikums legt.

Der Herr Polaris beginnt die akustische Revue mit seinen Liedern voller hoffnungsvoller Resignation, die selbst dem traurigsten Gesicht ein melancholisches Lächeln entlocken können. Die Stille im Saal lässt seine Geschichten über verflossene Freundschaften und unnötigen Überfluss umso deutlicher im Raum stehen, untermalt von perkussiven Akkorden einer glasklaren Akustikgitarre. Die Reihenfolge der Auftretenden variiert übrigens an allen fünf Abenden der Tour, die den Klub der Idealisten in verschiedene Orte führt.

Bassist Uli Fiedler ersetzt eine ganze Band

In Augsburg folgen Bruno Polaris die Akustik-Bluesmen The Standals. Mit zwei Gitarren und Bottle- neck klingen sie wie eine akustische Version der LSD-Rockband Monster Magnet als Tarantino-Soundtrack. Es schmeckt nach Staub, klingt nach Wüste und riecht ein wenig nach dem Schwefel, den der Teufel hinterlassen hat, als er im Mississippi-Delta Robert Johnson zum besten Gitarristen der Welt machte, nicht ohne ihm dafür die Seele abzukaufen.

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Große Bühnenaufbauten braucht man nicht, wenn man, wie The Mufuti Twins, einen Kontrabass und eine Soulstimme vor dem Herrn hat. Bassist Uli Fiedler ersetzt mit tief tönender Leichtigkeit eine ganze Band und Christofer Kochs singt sich mit seiner erdigen und – so profan es klingt – coolen Stimme direkt in die Herzen der Zuhörer, manch einer vergießt gar eine kleine Träne der Rührung. Musik ist immer noch der schönste Grund für feuchte Augen. Die Atmosphäre im Raum tut dafür ihr übriges.

In einigen wichtigen Augsburger Bands hat Benni Benson seine Spuren hinterlassen, man denke nur an Monophox und Instrument. Tief im Herzen ist er aber Singer/Songwriter, und es ist gut, dass er das nicht nur in seiner Küche ist, sondern auch auf der Bühne. Seine nachdenklichen Songs sind wie Schneeglöckchen, die ihren Kopf durch die harte Schneedecke stecken und alle daran erinnern, dass es bald wieder Frühling wird.

Den Abend im Sensemble Theater schließt die junge Augsburger Sängerin Stacia, deren eindrucksvolle Stimme normalerweise über zurückhaltend produzierte Elektropop-Stücke klingt. Bei den Idealisten fallen die dezenten Streicher, die klackernden Beats weg und ein Song wie „Happy“, untermalt mit einfachen, aber wirkungsvollen Akkorden, steht plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Der letzte Beweis, dass die Idee des Projekts und der Tour – den Song an sich, befreit von allem Ballast, in den Mittelpunkt zu stellen – voll aufgegangen ist.

Wem dieser lange, emotionale Abend kein Lächeln ins Gesicht zauberte, war entweder gar nicht da oder hat ein Herz aus Stein.

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