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Silvesterkonzert II

02.01.2019

Stille? Nicht lange

Nahezu brutale Kontraste in der Evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche

Pralle Kontraste fügten sich in der mit gut 800 Besuchern nahezu vollen Kirche ev. Hl. Kreuz zu einem spannungsreichen Konzert. Heinz Dannenbauer und sein Ensemble machte diese traditionell am späten Silvesterabend angesetzte, von ihm seit 25 Jahren geleitete „Kultveranstaltung“ wieder zu einem Ereignis, kurz bevor sich der Jahreswechsel vollzieht. Und seit insgesamt nun 40 Jahren freuen sich nun schon die Fans auf das „Heilig-Kreuz-Silvester“.

Barocker Schwung und romantische Gefühlswallungen bestimmten diesmal die Atmosphäre. Antonio Vivaldis Konzert a-Moll für zwei Violinen und Streicher ist eine Delikatesse mit seinem Energieausstoß, den raffinierten bildhaften und farbigen Perioden, und steht damit den „Vier Jahreszeiten“ kaum nach – wenn es mit einer derartigen Frische und einem von Präzision veredelten musikantischen Draufgängertum gespielt wird, wie es die jungen Geschwister Sarah und Hannah Hübner boten. Rasante Temporaster und darauf ausschwingende melodische Bogen spielten sie sich wechselseitig zu. Auch hier schon gab es ein feines Spiel der Kontraste.

Diese wurden dann ernster, mit hin und her pendelnden romantischen Gefühlslagen. Franz Schuberts „Unvollendete“ umflort seit je ein Mysterium. Warum er nur zwei Sätze schrieb und im dritten Satz abbrach, ist bis heute nicht restlos geklärt. Seinem Freund Leopold Kupelwieser berichtete er von Depressionen. Doch die beiden Sätze nimmt man heute als echten Schubert wahr: Melodische Lyrik, Sehnsuchtsleuchten und einbrechende schwarze Abgründe bilden ein tragisch verquicktes Paar und wurden vom nun auf große Orchesterstärke ergänzten Ensemble Hl. Kreuz unter Heinz Dannenbauers fordernder Leitung eindrucksvoll inszeniert.

Von der düster schwärenden Eröffnung in den Bass-Tiefen bis zum verlorenen, pianissimo ausklingenden Ende ereignen sich fast brutale Kontraste. Da leuchten Ländler-Seligkeit, delirierende Todeslust auf, spannungsvolle Stille wird jäh vom schwarzen Fortissimo-Dämon gestürzt. Dannenbauer und sein Orchester formten mit dem geschmeidigen Streicherapparat, der farbig schillernden Bläserriege leidenschaftlich dieses Panorama, das in der Stille endet. Die Stille war dann bald vorbei, als draußen die Silvesterraketen krachten.

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