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Zurück zu den Wurzeln

In einem riesigen Garten im Allgäu wächst alles, was das Selbstversorgerherz begehrt

Exklusiv
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5 Bilder
Bild: © Tanja Sonntag

Die Großeltern besaßen einen großen Garten, die Eltern sogar zwei. Egal, ob im Winter oder Sommer, die Familie konnte das ganze Jahr über die Erträge aus dem eigenen Garten verwenden. Als Jugendliche war Tanja Sonntag natürlich nicht begeistert von Unkraut zupfen und Johannisbeeren ernten.

Dennoch: „Aus dieser Zeit ist sehr viel hängen geblieben“, erklärt sie heute. Für die dreifache Mutter ist es besonders schön zu beobachten, dass das Aufwachsen und Leben im und mit dem Garten und damit mit der Natur auch ihre Kinder beeinflusst hat. Die älteste Tochter hat als zweite Ausbildung Gärtnerin gelernt, die Jüngste bedient sich zum Kochen gerne an den frischen Kräutern, die in sehr großer Vielfalt den Garten bevölkern. Und der Sohn liebt alles, was aus dem eigenen Anbau auf den Tisch kommt.

Auf einer Fläche so groß wie drei Fußballfelder leben die Sonntags gemeinsam mit Hühnern, Ziegen und vier Eseln. Möglichst viel des täglichen Bedarfs versucht Tanja Sonntag selbst herzustellen: Pesto, Marmelade, Brot, Ziegen-Mozarella, viel Obst und Gemüse und natürlich Kräuter. Was nicht auf dem eigenen Grundstück wächst und gedeiht, kauft die gelernte Krankenschwester möglichst in der Umgebung. „Mir ist das Thema sehr wichtig, weil es da um die Mittel für unser Leben geht. Ich möchte kein Moralapostel sein und die Menschen zu einem Lebenswandel überreden. Ich lebe nur die Alternative vor“, erklärt Sonntag. Und dass diese Lebensweise gut tut, sieht man Tanja Sonntag an, die nur so sprüht vor Energie und Begeisterung, wenn sie von ihrer Leidenschaft erzählt.

Bild: © Tanja Sonntag

Vor 23 Jahren ist die Familie nach Legau gezogen. Seit 22 Jahren wächst und verändert sich der Garten. Am Anfang bestand die ganze Fläche aus Wiese. Heute ist es eine „wilde geordnete Unordnung“ aus Gemüse, Blumen und Kräutern – sehr vielen Kräutern. „Da bin ich so reingerutscht“, erzählt Sonntag. Die ersten Dinge über Kräuter erfuhr sie als junges Mädchen von ihrer Großmutter. Während ihrer Arbeit als Krankenschwester auf der Sozialstation war sie dann überrascht, wie viele ältere Menschen Kräuter zur Prävention oder zur Behandlung von Leiden aller Art verwendeten. „Ich hab gesehen, was die Leute alles aus dem Garten nehmen und war sehr fasziniert.“ Seitdem ziehen sich diese Pflanzen wie ein roter Faden durch das Leben der Naturliebhaberin. Es folgten viele Aus-, Fort- und Weiterbildungen, von der Wildkräuterführerausbildung über den Basiskurs zu ätherischen Ölen bis zur Naturpädagogik. Jetzt bietet sie unter dem Namen Kräuterwerkstatt Lavendula selbst Kurse, Schulungen und Seminare an. Was gibt es da besseres, als den eigene Garten als

Erlebnisraum zu verwenden.

Hier können Teilnehmer Kräuter mit allen Sinnen erleben. „Ich wünsche mir, dass die Menschen nach meinen Kursen wieder bewusster damit leben, was uns die Natur geben kann.“ Da Tanja Sonntag selbst viel mit der Natur aufwuchs, will sie die Begeisterung und Faszination auch an Kinder weitergeben. Wenn die dann abends um das Lagerfeuer sitzen und zufrieden ihr selbstgebackenes Kräuterbrot essen, hat sie schon viel erreicht. Ihre Pflanzen, aus denen später Salben, Tinkturen und Cremes entstehen, zieht sie überwiegend selbst und selbstverständlich ohne jegliche Spritzmittel.

Gedüngt wird mit Brennnesseljauche und Eselsmist. Muss sie doch Gewächse zukaufen, achtet sie auf Bioqualität. Außerdem ist es wichtig, dass sich die Gärtnerei und der heimischer Garten in vergleichbaren Umgebungen befinden. Sonst kann es passieren, dass Pflanzen, die beim Händler super aussahen, im eigenen Beet nicht wachsen wollen.

Bild: © Tanja Sonntag

Und die Expertin hat noch einen weiteren Tipp: Mediterrane Kräuter wie Salbei und Lavendel sollten im Herbst unbedingt großzügig zurückgeschnitten werden. Sonst können durch die Schneelast im Winter die dünnen Zweige brechen, Wasser dringt in das Gewebe und die Pflanze geht ein. In ihren Seminaren macht Sonntag auch immer wieder darauf aufmerksam, wie entscheidend die Tageszeit beim Ernten der Kräuter ist. Die einzelnen Inhaltsstoffe treten im Tagesverlauf in unterschiedlicher Intensität auf. Das hat starken Einfluss auf die heilende Wirkung.

Obwohl mit einer so großen Gartenfläche und Tieren jede Menge Arbeit verbunden ist, ist das für Tanja Sonntag keine Belastung. Und vor allem will so ein wunderbarer Raum auch gelebt werden. Deshalb geht es mitunter sehr gesellig zu, wenn Freunde vorbei kommen, Lagerfeuer gemacht wird und gemeinsam die Früchte des Gartens genossen werden. „Richtig meditativ ist es für mich, wenn ich draußen alleine auf einer Bank sitze“, sagt Tanja Sonntag. Oder morgens, wenn sie manchmal schon um fünf Uhr früh den Gartenschlauch in der einen, die Cappuccinotasse in der anderen Hand inmitten der Natur vor der eigenen Haustür steht. Dann wird ihr bewusst, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann und den Kindern hier ihren Traum lebt.

Kurz erklärt:

Die heilende Wirkung von Pflanzen ist seit vielen Jahrhunderten bekannt. Nicht zuletzt die berühmten Schriften der Benediktinerin Hildegard von Bingen zeugen von der profunden Verwendung bestimmter Gewächse in der Volksmedizin –

Wissen, welches bis heute Anwendung findet. So wächst die Zahl derjenigen beispielsweise stetig, die sich von der zunehmend undurchschaubaren Lebensmittelindustrie befreien möchten und beispielsweise Tees auf Grundlage selbstangebauter Kräuter in Eigenregie herstellen. Dies ist gar nicht schwer: Grundsätzlich lassen sich die Zutaten wie Pfefferminze, Rosmarin & Co. nämlich einfach frisch überbrühen und geben so schon genügend Geschmack ab. Besser und aromatischer ist es jedoch, vorher alle Bestandteile gründlich zu trocknen. Kräuter werden hierfür etwa 72 Stunden an einem dunklen und vorzugsweise warmen Ort mit geringer Luftfeuchtigkeit aufgehängt oder ausgebreitet. Früchte lassen sich klein geschnitten im Ofen bei 50°C über mehrere Stunden oder in einem Dörrgerät trocknen. Anschließend alle Zutaten zerkleinern und in Döschen aufbewahren.

Steckbrief:

  • Name: Salbei
  • Botanischer Name: Salvia
  • Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
  • Gattung: Salbei (Salvia)
  • Lebensraum: weltweit
  • Lebenszyklus: selten ein- oder zweijährig,
    meist ausdauernd
  • Blütezeit: Mai bis Juli
  • Blütenfarbe: weiß, gelb, rot, rosa,
    violett und blau
  • Wuchstiefe: bis zu 80 Zentimeter
  • Boden: locker-luftiger Boden aus Lehm, Ton,
    Sand und Humus mit mäßigem Kalkanteil
  • Pflegehinweis:
    Standort möglichst warm und vollsonnig
    Staunässe unbedingt vermeiden,
    eher zurückhaltend gießen
    nach Maß düngen, wobei kein Mist, sondern gut
    verrotteter Kompost eingesetzt werden sollte
    nicht überdüngen, da die Pflanze sonst
    weniger Blüten austreibt
    im Herbst großzügig zurückschneiden
    im Spätherbst mit Reisig oder Laub abdecken,
    da nur bedingt winterhart