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Augsburg

15.01.2015

Bernd Schottdorfs Kurierfahrer

Die Staatsanwaltschaft ermittelt erneut gegen den Augsburger Laborarzt Dr. Bernd Schottdorf. Archivbild
Bild: Fred Schöllhorn

Wie das Augsburger Medizinlabor Schottdorf unter Verdacht geriet und welches Ausmaß der Fall hat.

Der Augsburger Labormediziner Bernd Schottdorf beschäftigt die Justiz seit Jahrzehnten. Die meisten Verfahren drehten sich um den Verdacht des Abrechnungsbetrugs. Schottdorf hatte Ärzten Rabatte auf Laborleistungen gewährt, die jene aber unter eigenem Namen zum vollen Gebührensatz mit den Kassen abrechneten. Der Rabatt blieb den Ärzten als Zubrot. Lange Jahre stritten Juristen, ob durch dieses System irgendjemandem ein Schaden entstanden ist.

Erneut Ermittlungen gegen Schottdorf

Nun sind Schottdorf und seine Ehefrau wieder ins Visier der Ermittlungen geraten, und dieses Mal ist klar, wer den Schaden hätte: die Sozialkassen. Der Verdacht der Ermittler ist, dass Schottdorfs Kurierfahrer zu einem großen Teil als scheinselbstständige Transportunternehmer abgerechnet und dadurch Sozialabgaben hinterzogen wurden. Die Vorwürfe reichen zurück bis ins Jahr 1995.

Bundesweit durchsuchten Staatsanwälte und Zollbeamte am Dienstag daher 142 Büros und Wohnungen von Schottdorf und seinen Fahrern. Nach Angaben der Augsburger Staatsanwaltschaft wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Eine mögliche Schadenssumme kann laut Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai erst nach der Auswertung genannt werden.

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Polizei durchsucht Bernd Schottdorfs Wohnung

Das neue Verfahren begann bereits im Mai 2014. Ausgangspunkt war nach Nickolais Angaben die Verdachtsmeldung eines oberbayerischen Gewerbeamtes. Die Staatsanwaltschaft startete Ermittlungen gegen Schottdorf, seine Frau und den Fahrer einer Gesellschaft aus Oberbayern. Die anfänglichen Verdachtsmomente haben sich offensichtlich so weit konkretisiert, dass das Amtsgericht Augsburg zahlreiche Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse ausstellte.

Bei der Großaktion am Dienstag kam es aber auch zu Pannen. So berichtet eine unbescholtene Augsburger Familie, dass sie frühmorgens um 6 Uhr von Zollbeamten geweckt und ihr Haus durchsucht worden sei. Obwohl die Adresse wegen eines falsch angegebenen Auto-Kennzeichens offenkundig ein Irrtum war, wurden vorläufig private Festplatten beschlagnahmt.

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