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Nahversorgung

02.03.2013

Der Kampf gegen das Ladensterben

Der Bäcker und Metzger um die Ecke - er fehlt mancherorts. Nicht nur für alte Menschen ist das ein Problem. Städte und Gemeinden kämpfen deshalb gegen das Ladensterben.
Bild: Frank Leonhardt/dpa

Der Bäcker und Metzger um die Ecke - er fehlt mancherorts. Nicht nur für alte Menschen ist das ein Problem. Städte und Gemeinden kämpfen deshalb gegen das Ladensterben.

Manche haben gleich mehrere Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte um die Ecke, andere müssen für den täglichen Einkauf viele Kilometer fahren: Die Nahversorgung in Bayern weist je nach Wohnort große Unterschiede auf. "Früher hat man gedacht, die fehlende Nahversorgung sei vor allem ein Problem des ländlichen Raumes. Das ist schon lange nicht mehr so", berichtet der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann. Auch in manchen Großstadtvierteln gebe es lediglich einen Discounter, der mit seinem beschränkten Angebot die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs übernehme.

Für manche Einwohner, etwa für ältere oder immobile Menschen sowie kinderreiche Familien, ist die fehlende Einkaufsmöglichkeit in der Nähe ein echtes Problem. Die Kommunen versuchen deshalb gegenzusteuern. Wenn sich trotz aller Bemühungen kein großer Anbieter von der Neueröffnung einer Filiale überzeugen lässt, gehen sie auch ungewöhnliche Wege: Dorfläden, rollende Supermärkte oder Lieferservices sind Alternativen.

Kunden werden immer mobiler

"Im Optimalfall gibt es einen Lebensmittelmarkt, einen Drogeriemarkt, vielleicht einen Getränkemarkt und die sogenannten Spezialisten, also einen Bäcker, Metzger, Obst- und Gemüsehändler", sagt Ohlmann. Die Realität vor allem in kleineren Kommunen sehe jedoch oftmals anders aus. "Die Ursachen dafür sind vielfältig", erklärt Ohlmann vor dem 5. Nahversorgungstag Bayern am Freitag in Nürnberg. "Das Verbraucherverhalten hat sich geändert, die Kunden sind supermobil geworden. Und auf der Handelsseite gibt es Konzentrationsprozesse und Filialisierung. Da sagen dann viele: "Den Standort gebe ich auf.""

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Michael Seidel von dem auf Stadt- und Regionalentwicklung spezialisierten Münchner Beratungsunternehmen Cima meint: Die Nahversorgung in Bayern ist im Großen und Ganzen gut. "Wir haben eine Entwicklung, die sehr stark von Discountern geprägt ist. Dadurch haben wir auch auf dem Land eine Situation, wie sie vor 20, 25 Jahren noch gar nicht vorstellbar war." Allerdings benennt auch er wunde Punkte: "Das Problem ist, dass wir in den Innenstädten und Wohngebietszentren nicht mehr die großflächige Versorgung haben wie früher. Und das ist schwierig für Menschen, die nicht mehr so mobil sind."

"Es ist ein Sterben von innen nach außen", schildert der Präsident des Bayerischen Gemeindetages, Uwe Brandl, den typischen Ablauf. "Es geht damit los, dass die klassischen inhabergeführten Geschäfte - oft Bäcker und Metzger - dicht machen." Dann gebe es eine zweite Welle, in der die großen Supermärkte - oft auf der grünen Wiese platziert - das Angebot der Spezialisten übernähmen - bis die Nachfrage schließlich so gering werde, dass auch der Vollsortimenter schließe.

"Grausame Spirale"

Der demografische Wandel werde Kommunen und Händler noch vor große Herausforderungen stellen, prognostiziert Brandl. Denn wer kein Angebot mehr in der Nähe habe oder es aufgrund seiner eingeschränkten Mobilität nicht mehr erreichen könne, ziehe vielleicht weg - wodurch die Nachfrage noch mehr zurückgehe. "Das ist eine ganz grausame Spirale."

Um sie zu durchbrechen, werden im Freistaat verschiedene Alternativen erprobt. "Es ist ein ziemlich großes Spektrum da, wie man die Lebensmittelversorgung auch in schwächer strukturierten Regionen oder für ältere Menschen sicherstellen kann", erläutert der auf Dorfläden spezialisierte Unternehmensberater Wolfgang Gröll mit Blick auf rollende Supermärkte, Lieferdienste und Essen-auf-Rädern.

Pfiffig sind etwa die Betreiber des Dorfladens in Amerdingen im schwäbischen Landkreis Donau-Ries. Die als Genossenschaft geführte, einzige Einkaufsmöglichkeit der 850-Einwohner-Gemeinde schickt einmal in der Woche einen Bus in die umliegenden Dörfer und sammelt dort die Kunden ein. "Das sind hauptsächlich Leute, die kein Fahrzeug zu Hause haben und niemanden, der sie fährt", sagt der stellvertretende Bürgermeister Xaver Berchtenbreiter. "Die werden dann wieder vor der Haustüre abgesetzt, wenn sie eingekauft haben." dpa

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