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Tierwelt

23.11.2017

Die Schleiereule kämpft, die Amsel flieht

Der Winter bereitet vielen Vögeln Schwierigkeiten. Wie mehr Tiere die Jahreszeit überleben könnten

Einst waren Schleiereulen das Beste, was einem Landwirt passieren konnte. Brüteten sie in der Scheune, war das Getreidelager meist mäusefrei. Mittlerweile jedoch fehlen Brutplätze, und die nassen Winter schaden den Tieren zusätzlich. Die Folge: In Bayern gibt es offenbar immer weniger Schleiereulen.

„Die Schleiereule hat in den letzten drei, vier Jahren extrem gelitten. Die Winter haben den Tieren arg zugesetzt“, sagte Christiane Geidel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Die Eule mit der auffälligen Herz-Zeichnung im Gesicht gehört zu den seltenen Brutvögeln. Dem Brutvogelatlas zufolge hatte es bis 2009 in Bayern etwa 1300 bis 1700 Schleiereulen-Paare gegeben. „Ich bin der Meinung, dass wir aktuell tatsächlich weniger haben“, sagte Geidel, die auch stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen ist.

Die vergangenen Winter waren dem Tier zu nass und zu schneereich. Die Schleiereule sei ein ausgesprochener Mäusejäger. Wichtig sei, dass die Tiere vor der Brut im Frühjahr in eine entsprechende Kondition kämen. „Deshalb müssen sie im Winter viel fressen“, erklärte die Biologin. Ein Schleiereulenjunges frisst in einer Nacht zwei bis drei Mäuse. Finden sie aufgrund der Witterung nur wenige Mäuse, sterben sie.

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Brutpaare in Bayern ist, dass die Eulen immer weniger Brutplätze finden. „Früher haben Landwirte ganz bewusst ihre Scheunen mit Eulenlöchern offen gelassen. Den Wert des Tieres haben wir durch unser Sauberkeitsempfinden ein bisschen verdrängt, weil die Tiere selbst auch Dreck machen“, sagte Geidel. Vogelschützer begrüßen daher Projekte, bei denen gezimmerte Brutkästen in Scheunen eingebaut werden.

Während die Schleiereulen hierzulande mit den Wintern kämpfen, setzen Amseln beim Überlebenskampf auf den Flug nach Süden. Eine gute Idee, wie nun Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell im Fachblatt eLife berichten. Im Süden überwinternde Amseln überleben demnach die kalte Jahreszeit eher als ihre in Mitteleuropa bleibenden Artgenossen. Die Amseln gehören zu den sogenannten Teilziehern. Einige fliegen in Richtung Süden, einige bleiben hier. Das Team um Daniel Zuñiga hatte in den Sommerhalbjahren 2009 bis 2016 fast 500 Amseln rund um Radolfzell am Bodensee kurzzeitig gefangen und mit Peilsendern und Ringen versehen. So konnten die Forscher die Vögel mehrere Jahre lang verfolgen.

„Der Winter ist die kritischste Phase im Leben einer Amsel: In dieser Zeit sterben die meisten von ihnen, egal ob sie in den Süden ziehen oder hierbleiben. Die Zugvögel überleben ihn aber deutlich häufiger als die Standtiere“, sagt Zuñiga. In Europa leben geschätzt eineinhalb Milliarden Singvögel. Die Hälfte davon fliegt im Herbst nach Süden. Der Flug ist gefährlich, aber im Süden ist es wärmer und es gibt es mehr Nahrung. (dpa)

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