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Pädagogik

27.11.2017

Handyverbot an Schulen soll fallen

Die private Nutzung von Smartphones in Schulen ist in Bayern gesetzlich verboten. Eltern- und Lehrerverbände finden das nicht mehr zeitgemäß. Doch das Kultusministerium will nichts ändern.
Bild: Sebastian Kahnert, dpa

Smartphones gehören für Jugendliche zum Alltag. Doch die private Nutzung an Schulen ist untersagt. Eltern und Lehrer wollen das ändern. Das Kultusministerium nicht

Eltern in Bayern fordern mit Blick auf das seit 2006 bestehende Handyverbot an den Schulen eine Lockerung der gesetzlichen Regeln. „Die jetzige Regelung muss wirklich überdacht werden. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes. Das bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz legt fest, dass Handys, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, im Schulgebäude und auf dem Schulgelände auszuschalten sind.

Das Ministerium solle den Schulen stattdessen lieber fest vorschreiben, gemeinsam mit den Schülern eigene, passende Regelungen zu finden, sagte Paede weiter. Das dürfe allerdings nicht über die Köpfe der Kinder hinweg passieren. „Wenn die Schüler die Entscheidung mittragen, müssen sie auch dazu stehen“, erläuterte Paede einen Vorteil der demokratischen Entscheidung.

Das Bayerische Kultusministerium hat bislang dagegen keine Änderungen des Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes geplant. Die gesetzliche Regelung von 2006 habe sich bewährt, teilte das Ministerium dazu auf Anfrage mit. Sie sei ein wirksamer Schutz vor der Verbreitung gewalttätiger und pornografischer Videos. Zudem werde auf diese Weise dem Mobbing im Internet, dem sogenannten Cybermobbing, nicht mehr Raum und Material geboten.

Von einem generellen Bann der Mobiltelefone will das Ministerium gleichzeitig nicht sprechen: „Die Bezeichnung „Handyverbot“ ist irreführend und falsch“, heißt es weiter. Denn zu Unterrichtszwecken seien Mobiltelefone erlaubt und auch im Sinne der Medienbildung erwünscht. Ausnahmen außerhalb des Unterrichts seien in ganz begrenztem Rahmen möglich.

Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) geht davon aus, dass die Regeln sich ohnehin von selbst überholen werden. „Die bayerischen Schulen sind alle aufgefordert, ein Medienkonzept zu formulieren“, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann dazu. „Wenn es ein solches Konzept gäbe, stünde drin: ,Bring your own device.‘ (Bringe dein eigenes Gerät mit.) Dann muss ich natürlich das Handy zulassen. Und deswegen werden wir ganz schnell über dieses Handyverbot ganz anders diskutieren.“

Dann müssten Regeln für den Umgang mit dem Mobiltelefon ebenso selbstverständlich erstellt werden wie Pausenregeln oder Regeln für den Sportunterricht. „Eins ist ganz klar: Filme machen, Fotos machen ist ein Tabu“, sagte Fleischmann weiter. Die Frage sei, wie man das kontrolliert. „Das wird schwierig. Aber ich glaube nicht, dass es die Konsequenz sein kann, Handys in der Schule total zu verpönen.“

Die Diskussion war angestoßen worden, nachdem die neue Schulleiterin eines Gymnasiums in Unterfranken ein Handyverbot eingeführt hatte. An der Schule war zuvor das Handy zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten erlaubt. Der Unterricht und kleine Pausen blieben handyfrei. Das hatten Lehrer, Eltern und Schüler gemeinsam so bestimmt. Die Schulleiterin begründete das Kippen dieser Vereinbarung mit dem bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz, das keinen Spielraum erlaube. (dpa)

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