Um 23.59 Uhr habe man das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld nach 33 Jahren vom Netz genommen, teilte der Betreiber E.ON mit. Grafenrheinfeld ist der erste Atommeiler, der nach dem 2011 beschlossenen Atomausstieg stillgelegt wurde. Nun sind nur noch acht Kernkraftwerke in Deutschland am Netz. Bis spätestens 2022 sollen alle Reaktoren abgeschaltet werden.
Grafenrheinfeld in Bayern war das älteste noch laufende Kernkraftwerk Deutschlands. Laut E.ON hat es in seiner Laufzeit mehr als 333 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Im Vergleich zu einem Braunkohlekraftwerk seien der Umwelt dabei 355 Millionen Tonnen Kohlendioxid erspart geblieben. Zum Schluss habe die Anlage 11,5 Prozent des bayerischen Stromverbrauchs produziert. Das Kraftwerk sei während seiner Laufzeit für insgesamt 600 Millionen Euro modernisiert worden und habe auf "höchstem Sicherheitsniveau" gearbeitet.
Diese Atomkraftwerke werden in Deutschland betrieben
Wo stehen welche Atomkraftwerke in Deutschland, wer betreibt sie und wann werden oder wurden sie abgeschaltet? Eine Übersicht:
Das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein wird von E.ON betrieben. Baubeginn war im Januar 1976, im kommerziellen Betrieb ist das AKW seit Dezember 1986. Brockdorf ist ein Druckwasserreaktor und soll 2021 abgeschaltet werden.
Das Kernkraftwerk Isar liegt nahe Landshut und wird von E.ON betrieben. Isar/Ohu 1 ist ein Siedewasserreaktor. Bauzeit war von 1972 bis 1979. Isar/Ohu 2 ist ein Druckwasserreaktor und ging nach sechsjähriger Bauzeit im April 1988 ans Netz. Isar 2 soll im Jahr 2022 abgeschaltet werden. Der Atommeiler Isar 1 wurde bereits im August 2011 vom Netz genommen.
Das Atomkraftwerk Philippsburg steht im Landkreis Karlsruhe (Baden-Württemberg). Betreiberin ist die EnBW. Philippsburg 2, ein Druckwasserreaktor, ging nach achtjähriger Bauzeit 1985 in den kommerziellen Betrieb, der Siedewasserreaktor Philippsburg 1 im Jahr 1980. 2011 wurde Philippsburg 1 vom Netz genommen.
Das Kernkraftwerk Grohnde (KWG) ist ein Druckwasserreaktor und steht im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Betreiben wird es von der Firma E.ON. Baubeginn für Grohnde war im Jahr 1986, Betriebsstart 1985, Ende soll 2021 sein.
Das Kernkraftwerk Emsland in Niedersachsen wird von RWE betrieben. Es wurde in den Jahren 1982 bis 1988 gebaut. In Betrieb bleiben soll der Druckwasserrreaktor bis zum Jahr 2022.
Das Atomkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg wird von enBW betrieben. Es hat zwei Druckwasserreaktoren, von denen derzeit noch einer in Betrieb ist. Neckarwestheim II soll als eines der letzten deutschen AKW 2022 vom Netz gehen.
Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld liegt südlich von Schweinfurt am Main. Baubeginn für Grafenrheinfeld war 1974, die Inbetriebnahme war 1981. Das Atomkraftwerk wird von der E.ON Kernkraft GmbH betrieben und wurde 2015 abgeschaltet.
Gundremmingen B und Gundremmingen C im Landkreis Günzburg sind zusammen das leistungsfähigste Atomkraftwerk Deutschlands. Betrieben werden die Siedewasserreaktoren von der RWE. Baubeginn war im Jahr 1976, Gundremmingen B ging 1984 ans Netz, Gundremmingen C ein Jahr später. Block B soll spätestens 2017 vom Netz gehen, Block C spätestens im Jahr 2021.
Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hatte bereits in der vergangenen Woche erleichtert auf die angekündigte Stilllegung reagiert. Gleichzeitig forderte der Dachverband von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden, den Betrieb aller anderen Kernkraftwerke in Deutschland ebenfalls rasch einzustellen. Vorstandsmitglied Udo Buchholz warnte vor dem ungelösten Problem der Entsorgung von Atommüll sowie vor möglichen Störfällen in den älter werdenden Energieanlagen. Auch Greenpeace lobte die Abschaltung.
Ursprünglich sollte der Meiler bereits Ende Mai vom Netz gehen, Betreiber E.ON wollte aber die "Restverfügbarkeit des Kernbrennstoffs" bis zuletzt ausnutzen. Nach den gesetzlichen Vorgaben hätte das AKW noch bis zum Jahresende am Netz bleiben dürfen. Dies wäre nach E.ON-Angaben jedoch unrentabel gewesen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte angesichts der Abschaltung des Kernkraftwerks einen "verlässlichen Fahrplan" für die Energieversorgung. Darauf müsse sich die große Koalition noch vor der Sommerpause einigen, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagsausgabe). "Wenn ein Kraftwerk vom Netz geht, wird es schwieriger, regional eine sichere Versorgung zu gewährleisten", mahnte Grillo. Dazu komme der überfällige Ausbau des Stromleitungsnetzes von Nord nach Süd.
AKW Grafenrheinfeld sollte schon Ende Mai vom Netz gehen
Grillo betonte, Strom und Energie müssten im Industrieland Deutschland sicher, sauber und vor allem bezahlbar bleiben, damit Produktion nicht abwandere und Arbeitsplätze gesichert würden. Er forderte niedrigere Kosten für Energie. Mehr Wettbewerb sei erforderlich. Jährlich würden 20 Milliarden Euro gezahlt für erneuerbare Energien im Wert von nicht einmal drei Milliarden Euro.