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München
24.08.2018

Eine Einbahnstraße in München wird unfreiwillig zur Hauptverkehrsader

Ohne Google Maps wären viele Autofahrer aufgeschmissen. Blöd nur, wenn täglich hunderte Autofahrer dank ihres Navis am eigenen Schlafzimmerfenster vorbeirauschen.
Foto: Armin Weigel, dpa (Symbol)

Weil Google Maps seine Standard-Route geändert hat, fahren täglich hunderte Autos durch eine schmale Seitenstraße in München. Warum das noch mehrere Monate so bleibt.

Ende Juli ist es den Bewohnern der Gundelindenstraße endgültig zu viel geworden. Tag für Tag fuhren hunderte Autos durch die schmale Einbahnstraße in München-Schwabing. Früher war der Zubringer zum Mittleren Ring nur wenigen bekannt. Doch seitdem Google Maps die Gundelindenstraße als Standard-Route festgelegt hat, rauschen - vor allem zu Hauptverkehrszeiten zwischen 16 und 19 Uhr - unzählige Autos vorbei.

Anwohner schreiben Beschwerdebrief

Die Anwohner haben deshalb beschlossen, einen Beschwerdebrief an das Kreisverwaltungsreferat (KVR) in München zu schreiben. Das sei der erste Fall dieser Art, berichtet Pressesprecher Johannes Mayer. Leider könne das KVR nicht sofort reagieren, sagt Mayer und erklärt: "Es gibt für das Kreisverwaltungsreferat keine Möglichkeit, rechtlich bindend auf die Hersteller von Navigationssoftware einzuwirken, bestimmte Routen nicht mehr zu verwenden. Wir können ausschließlich mit einer Änderung der Verkehrsregelung reagieren." Das sei nicht unmöglich, brauche aber Zeit.

Auf Anfrage sagte ein Google-Sprecher, dass Google-Maps zum Ziel habe "reale Gegebenheiten genau zu erfassen und darzustellen". Behörden und Kommunen hätten jeder Zeit die Möglichkeit, Verkehrsregelungen zu ändern, seien es Geschwindigkeitsbegrenzungen, neue Ampeln oder Bremsschwellen. "Unser Algorithmus zur automatischen Routenoptimierung berücksichtigt diese Parameter bei jeder in Google Maps erstellten Route."

Laut Johannes Mayer rufen die Hersteller von Navigations-Software ein bis zwei Mal im Jahr beim KVR an und erfragen Verkehrsregeländerungen. Deshalb gehe man beim KVR auch davon aus, dass die Navigations-Software nur im Rahmen des Erlaubten handelt. Abhilfe könne demnach auch nur eine solche Änderung schaffen. Wenn die schmale Gundelindenstraße in Zukunft "Anlieger frei" wäre, könnte Google Maps die Autofahrer auch nicht mehr durchschicken.

Um die Änderung zu erreichen, muss in der Seitenstraße eine Verkehrszählung durchgeführt werden. Um verlässliche Zahlen zu bekommen, werden die Zahlen erst nach den Sommerferien erhoben. Wie viel Autos genau täglich vorbeifahren müssen, um eine Änderung zu rechtfertigen, könne man pauschal nicht beantworten, sagt Mayer. Wichtig ist: Es muss eine starke Verkehrsbelastung zu sehen sein.

Anschließend werden sich das KVR, das Referat für Stadtplanung und Bauordnung sowie die Polizei über eine mögliche Verkehrsregelung unterhalten. Mayer: "Wir rechnen im Lauf des Oktober mit einem Ergebnis, das dann Grundlage für die Anordnung der neuen Verkehrsregelung ,Anlieger frei' sein kann". Beim nächsten Anruf von Google würde das KVR dann die Neuregelung durchgeben. (gali)

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