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Aschermittwoch

18.02.2015

Pfarrer Thomas Demel: Verzichten? Nein danke!

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Doch Pfarrer Thomas Demel fastet nicht.
Bild: Georg Elser

Aschermittwoch Thomas Demel ist katholischer Geistlicher im Landkreis Augsburg, doch er fastet nicht. Wie sehen seine kommenden 40 Tage aus?

Die 40-tägige Fastenzeit beginnt am heutigen Aschermittwoch. Doch Thomas Demel, 35, Pfarrer aus dem Landkreis Augsburg, sträubt sich – zumindest auf den ersten Blick. Wie redet er sich da heraus?

Herr Demel, Sie sind Pfarrer, verzichten während der Fastenzeit aber nicht auf Essen. Warum?

Thomas Demel: Weil ich nicht sehr viel auf die Waage bringe. Wenn ich mich im Essen einschränke, bleibt nicht mehr viel vom Menschen übrig. Bei Kaffeetreffs in der Fastenzeit werde ich sogar oft gefragt: Darf’s ein Stück Kuchen mehr sein?

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Wie fasten Sie stattdessen?

Demel: Wir sagen immer, dass wir zu wenig Zeit haben für uns, für Mitmenschen, für Gott. Ich esse sozusagen weiter Kost, aber spare bei den Zeitfressern. Manche E-Mail kann warten. Ebenso Dinge, die mir nicht guttun, wie zu viel am Computer sitzen. Die Fastenzeit ist für mich wie die Fortsetzung von Fasching: Im Fasching lässt man mal „die Sau raus“. In der Fastenzeit darf man auch „die Sau rauslassen“ – indem man die schrägen Gewohnheiten rauslässt. Dazu gibt es auch die Beichte.

Inwiefern?

Demel: Wenn etwas nicht läuft, suchen wir oft einen Schuldigen. Da bietet sich Jesus an – nicht nur in der Fastenzeit. Er sagt: Wenn du jemanden brauchst, der schuld ist – bitteschön, du darfst gerne alles auf mich schieben. Wenn das keine Entschlackungskur ist!

Thomas Demel:  "Fasten ist nicht nur eine Zeit des Verzichts"

Wie sieht ein Tag in der Fastenzeit bei Ihnen aus?

Demel: Eine meiner Lieblingstätigkeiten ist es, zum Großmarkt zu gehen. Da besorge ich meine Kleinigkeiten und treffe Leute, die man in der Kirche nicht trifft. Da hat sich so manche schöne Situation ergeben zwischen Katzenstreu und Süßigkeitenregal.

Zum Beispiel?

Demel: Eines Montags rief ich zehn Leute an, um zu fragen, wie es ihnen geht. Doch keiner war daheim. Ich ging frustriert in den Großmarkt – und wie durch eine Fügung: Ich traf vier von zehn Leuten an der Kasse. Mit einem bin ich noch einen Kaffee trinken gegangen.

Was haben diese Gespräche und Begegnungen mit dem Fasten zu tun?

Demel: Wenn jemand auf Fleisch verzichtet, versucht er, etwas Gutes zu tun, bewusster zu leben. Ich versuche das auch – ich kann mich den Kranken zuwenden, besuche die Menschen in der Gemeinde, höre ihnen zu. Das Fasten ist nicht nur eine Zeit des Verzichts, sondern auch des Gewinns.

Gibt es bei Ihnen Schwächephasen während der Fastenzeit?

Demel: Logisch. Ich bin ein Mensch wie jeder andere auch. Dann ist man mal mehr Verwaltungspfarrer als der, der zu Menschen geht. Aber ich versuche, mich am Riemen zu reißen und nicht aufzugeben.

Aschermittwoch: Die 40-tägige Fastenzeit beginnt

Was macht Sie denn schwach?

Demel: Ich mich selber. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Auch ich richte mich gerne in dem ein, was ich gewohnt bin und was mir besonders leicht fällt.

Haben Sie einen Tipp für Menschen, die zum ersten Mal fasten?

Demel: Versuche klein anzufangen, indem du dich nicht überforderst. Man muss nicht jede Party mitnehmen und sollte sich fragen: Was soll das Leben für mich bereithalten? Will ich den Alltag nur rumkriegen oder steckt etwas Tieferes dahinter? Kleine Schritte sind ganz gut. Jedes Jahr ist Fastenzeit, Du kannst immer weiter an dir arbeiten.

Kann Fasten für manche Menschen auch sinnlos sein?

Demel: Ja, wenn das Fasten beim Äußeren stehenbleibt und du sagst: Ich verzichte, bete und kasteie mich selbst, wenn es sein muss – aber der alten Oma helfe ich nicht über die Straße. Das wäre schade und macht wenig Sinn.

Wie sieht ihr Aschermittwoch aus?

Demel: Ziemlich schmutzig. Am Vormittag bin ich bei den Kindern im Kindergarten. Da werden wir Luftschlangen verbrennen und so den Fasching vertreiben. Dann bekommen die Kinder ein Aschenkreuz auf die Stirn gemalt. Abends bin ich in zwei Gemeinden beim Gottesdienst.

Das klingt stressig.

Demel: Nö, denn die Zeit, die man sich nimmt, ist eine bewusste Zeit. Ich gehe beispielsweise nicht ans Handy, wenn ich im Gespräch bin. Wenn wir unsere Zeit bewusst nutzen, kann es eine erfüllte Zeit sein.

Und was ist nach der Fastenzeit?

Demel: Es wäre wunderbar, wenn ich nicht gleich in alte Muster und Gewohnheiten zurückfalle.

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