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Katastrophenschutz

08.02.2015

Was passiert bei einem Atomunfall?

Auch die Evakuierungspläne für Gundremmingen werden überarbeitet.
Bild: Bernhard Weizenegger

Spätestens seit Fukushima ist die Angst vor einem Atomunfall auch in Deutschland groß. Doch welche Maßnahmen werden ergriffen im Fall eines Unglücks? Fragen und Antworten.

Knapp drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 hat die Strahlenschutzkommission Empfehlungen gegeben, wie der Notfallschutz in der Umgebung von Kernkraftwerken künftig aussehen sollte. Das Innenministerium versucht nun seit einem Jahr, dies für Bayern umzusetzen. Fragen und Antworten:

Warum hat es so lange gedauert, bis die Strahlenschutzkommission sich geäußert hat?

Es mussten komplexe Erkenntnisse ausgewertet werden. Die zuständige Arbeitsgruppe hat 28 Mal getagt.

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Warum ist das bayerische Innenministerium mit der Aufgabe betraut?

Die Gefahrenabwehr durch den Katastrophenschutz ist nach Artikel 70 des Grundgesetzes Ländersache.

Nach Fukushima: Deutschland vergrößert Evakuierungszonen

Wie lange dauert es mit den Planungen bis hinunter in die Kreise?

Experten rechnen mit zwei bis drei Jahren, bis letzte Details geklärt sind. Die Planungen beginnen nicht bei null, sondern setzen auf Notfallpläne aus dem Jahr 2008.

Welche Erkenntnisse gibt es?

Fukushima hat gezeigt, dass nach dem Atomunfall – in drei Blöcken wurden die Reaktorkerne zerstört – große Gebiete bis zu einer Entfernung von 20 Kilometern evakuiert worden sind. Diese Zonen waren erheblich größer als das bislang entsprechende Planungszonen in Deutschland vorsehen.

Was also ändert sich?

Die Planungsgebiete sind in Nah-, Mittel- und Fernzone aufgeteilt. Der Radius der Nahzone um ein Kernkraftwerk wird von 2,5 auf fünf Kilometer erweitert. Innerhalb dieses Bereiches sollen die Menschen binnen sechs Stunden nach einem Atomunfall evakuiert sein. Die Mittelzone erstreckt sich 20 Kilometer um ein Atomkraftwerk statt bislang zehn. Für den Bereich der AKWs Isar 1 und Isar 2 bei Landshut bedeutet dies, das statt bislang 40.000 Menschen in Zukunft bis zu 212.000 Menschen von der Evakuierung aus der Mittelzone, die innerhalb eines Tages erfolgen soll, betroffen sind.

Welche Probleme gibt es, wenn die Zonen zu groß dimensioniert sind?

Eine Überschaubarkeit der Gebiete muss gewährleistet sein. Sonst sind laut Strahlenschutzkommission „radiologische Schutzziele“ in Gefahr. Wenn also Menschen aus Nah- und Mittelzonen schnell evakuiert werden und diese Bereiche zu groß gewählt sind, dann könnte die gleichzeitige Evakuierung einer großen Personenzahl die Evakuierung der am stärksten gefährdeten Menschen nahe der Anlage behindern. Daher ist der richtige Zuschnitt wichtig.

Warum sind überhaupt neue Planungen notwendig? Die Kernkraftwerke sollen doch in den nächsten Jahren Zug um Zug abgeschaltet werden?

Es kann aber nicht so einfach der Stecker gezogen werden. Der Rückbau von Atomkraftwerken ist diffizil und langwierig. Außerdem ist die Frage ungeklärt, was mit dem radioaktiven Abfall in den Zwischenlagern passiert.

Evakuierungszenarien nach Atomunfall müssen geübt werden

Wie läuft eine Evakuierung ab?

Es wird damit gerechnet, dass etwa drei Viertel der Betroffenen sich selbst helfen und mit dem Auto ihren Heimatort verlassen. Katastrophenschutz-Organisationen koordinieren die Hilfe für die übrigen Menschen. Sammelpunkte dienen als Anlaufstellen. Busse und Bahnen sind die klassischen Transportmittel. Über den Rundfunk werden Betroffene informiert, wie sie sich verhalten sollen. Die größten Herausforderungen liegen bei der Evakuierung von Sondereinrichtungen wie Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime sowie Justizvollzugsanstalten.

Was wird noch zum Schutz der Bevölkerung getan?

Jodtabletten werden verteilt. Bayernweit soll dies spätestens nach zwölf Stunden geschehen sein.

Müssen solche Szenarien authentisch geübt werden?

Ja – wenn man den Katastrophenschutz nach einem Atomunfall ernst nimmt. Bei der Evakuierung und Umsiedlung von 150.000 Menschen in und um Fukushima herrschten zum Teil chaotische Zustände. Und zwar auch, weil mit veralteten und teilweise unvollständigen Plänen gearbeitet werden musste. Vielfach fehlten Planungen – etwa wie die Betreuung von Hilfsbedürftigen in Krankenhäuser sichergestellt wird. Die Evakuierung hatte Todesfälle zur Folge, die mit einer besseren Qualität der Planung hätten vermieden werden können. Das ist das Ergebnis einer unabhängigen Kommission, die den Reaktorunfall Fukushima untersucht hat.

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