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Allgäu

14.12.2017

Wie ein "Investor" das Skigebiet am Grünten lahmlegt

Ein Blick auf den verschneiten Grünten am Rande des Illertals: Voraussichtlich wird es in diesem Winter keinen Skibetrieb an den Grüntenliften geben.
Bild: Ralf Lienert

80 Millionen Euro wollte ein Schweizer in die veralteten Liftanlagen am Grünten investieren. Seine Pläne scheiterten. Nun ist der gesamte Skibetrieb bedroht. Wie geht es weiter?

Er ist bekannt als der „Wächter des Allgäus“, weil er – wenn man von Norden ins Oberallgäu kommt – der erste richtige Berg am Rande des Illertals ist: der 1738 Meter hohe Grünten mit dem markanten Sendeturm. In den vergangenen Wochen hat das Tauziehen um die Skilifte oberhalb von Rettenberg-Kranzegg hohe Wellen geschlagen. Ein ganzes Dorf hat auf einen Mann gesetzt, der sich als großer Investor vorgestellt hatte. Er versprach, 80 Millionen Euro in die veralteten Liftanlagen zu stecken, in ein Restaurant und in eine Tiefgarage: der Schweizer Gregor Wallimann, 53. Zwei moderne Seilbahnen versprach er den Rettenbergern, die den Berg im Winter wie im Sommer attraktiv machen würden. Das war vor gut einem Jahr.

Inzwischen steht fest, dass aus den hochtrabenden Plänen bis auf Weiteres nichts wird. Mehr noch: Voraussichtlich wird es in diesem Winter überhaupt keinen Skibetrieb an den Grüntenliften geben. Spätestens morgen will der gerichtlich bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Florian Zistler bekannt geben, ob es eine Zwischenlösung für einen Skibetrieb gibt. Daran glaubt in Rettenberg aber inzwischen niemand mehr.

Schweizer wollte 80 Millionen in Skilifte investieren

Stattdessen machen Informationen über Wallimann die Runde, werden Handelsregister-Auszüge ausgetauscht, die etwas über die Geschäftspraktiken des angeblichen „Investors“ verraten. Wenn da von dem 53-Jährigen die Rede ist, dann meist im Zusammenhang mit Pleiten oder Übernahmen. Und dann ist jetzt ein Artikel einer Schweizer Tageszeitung aufgetaucht, in dem von einem Betrugsverfahren aus dem Jahr 2001 gegen den beleibten Mann berichtet wird. Eine 17-monatige Haftstrafe soll er damals kassiert haben, weil er als selbstständiger Vermögensverwalter 1,8 Millionen Franken von Kunden in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte.

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Seit Anfang November hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Zistler darauf gewartet, dass Wallimann seine Zusage einhält und einerseits Geld für den kommenden Winterbetrieb zur Verfügung stellt und andererseits den Betrag für den Kauf der Liftgesellschaft an die Familie Prinzing überweist. Diese betreibt das Skigebiet seit 1960. Zistler hat nach eigenen Angaben fünf Interessenten an der Hand, die den Liftbetrieb in dieser Saison sicherstellen und in einem zweiten Schritt das Gebiet modernisieren wollten. Doch offensichtlich zog die derzeitige Besitzerfamilie nicht mit. Glaubt sie immer noch an die Versprechen Wallimanns? „Ich weiß es nicht“, sagt Rettenbergs Bürgermeister Oliver Kunz. Die ganze Sache bereite ihm seit Wochen schlaflose Nächte. Es habe seit längerem kein Gespräch mit der Besitzerfamilie mehr gegeben.

Schnee wäre genug da für den Skibetrieb

Wie geht es weiter? Die Weihnachtsferien beginnen bald und in Rettenberg erwarten dutzende Übernachtungsbetriebe die Feriengäste. In der Regel machen Familien mit Kindern dort Urlaub. Schnee wäre genug da für den Skibetrieb. Oder fürs Rodeln. Aber auch die beliebte Schlittenabfahrt ist für die meisten erst in Verbindung mit der Sesselbahn interessant – und die hängt mit dem Skigebiet zusammen.

Norbert Zeberle ist Pächter der Grüntenhütte, die im Skigebiet liegt. Er hat schon vor Monaten gesagt, dass er dem Schweizer nicht traut. „Stattdessen habe ich mein Konzept geändert“, sagt er. Nun setze er auf Skitouren- und Schneeschuhgeher. Bisher durchaus Erfolg versprechend, denn der Winter hat früh begonnen am Grünten. Auch ohne Wallimann.

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