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Allgäu

03.08.2019

Zum Abschuss frei: 28 Gämsen sollen erlegt werden - trotz Protesten

Gämsen müssen seit dieser Woche besonders auf der Hut sein. Die Jagdsaison hat begonnen – und im Allgäu wird darüber heftig gestritten.
Bild: Andreas Heimann, dpa

Die Jagd auf die Gämsen hat begonnen. In der Kürnach, einem Höhenzug im Allgäu, sollen 28 Tiere erlegt werden – trotz heftiger Proteste. Kommt es zur Klage?

Trotz aller Proteste von Naturschützern und Jägern, es bleibt dabei: Am geplanten Gamsabschuss in der Kürnach, einem bewaldeten Höhenzug westlich von Kempten, wird nicht gerüttelt. Wie berichtet, sollen in der Kürnach in dieser Jagdzeit, die am Donnerstag begann und am 15. Dezember endet, 28 Gämsen erlegt werden.

Im Bergland bei Kempten sollen 28 Gämsen erlegt werden

Heftiger Widerstand dagegen kam vor allem vom Verein „Wildes Bayern“, einem Aktionsbündnis zum Schutz der Wildtiere und ihrer Lebensräume. Dessen Vorsitzende Christine Miller hatte betont: „Wird diese Zahl erfüllt, gibt es in der Kürnach keine Gams mehr.“

Auch der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Kempten, Karl Heinz Schader (Betzigau) befürchtet für diesen Fall eine „Ausrottung des gesamten Bestandes“. Der Forstbetrieb Sonthofen, der in dem Gebiet 3000 Hektar bewirtschaftet, verteidigte die enorm gestiegenen Abschusszahlen. Und auch die Untere Jagdbehörde am Landratsamt Oberallgäu hatte keinerlei Einwände, obwohl der Jahresabschuss der vergangenen zehn Jahre im Schnitt bei lediglich 9,5 Stück Gamswild gelegen hatte.

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Naturschützer sind empört: "Landratsamt handelt im Interesse der Grundbesitzer"

Auf Rückfrage des Vereins „Wildes Bayern“ verwies die Jagdbehörde nun darauf, dass ihr die Grundeigentümer bescheinigt hätten, „dass der genehmigte Abschussplan in Ordnung ist“. Das wiederum empört die Naturschützer. Auf diese Weise würden die kleinen Berggebiete „gamsfrei“ gemacht und „Bestände ausradiert“, sagt Christine Miller. Die Wildbiologin aus Rottach-Egern kündigte noch für den August neben juristischen Schritten große Öffentlichkeitskampagnen an. „Die Bevölkerung muss wissen, dass sich das Landratsamt anscheinend als Erfüllungsgehilfe der Interessen einer Handvoll Grundbesitzer versteht“, sagt Miller.

Keinerlei Verständnis für die hohe Abschussquote hat auch Karl-Heinz Schader. „Es entsteht der Eindruck, dass die Bejagung dieser Wildart, die in der Kürnach seit mehreren Jahrhunderten heimisch ist, in Richtung Ausrottung geht.“ Schon in naher Zukunft werde es dort keine Gamspopulation mehr geben, befürchtet der Jäger.

Wildtier-Schützer fordern Monitoring für Gämsen

Verlässliche Zahlen, wie viele Gämsen in den bayerischen Alpen tatsächlich leben, gibt es nicht, „Wir brauchen dringend ein Monitoring, eine dauerhafte Überwachung, über den Gamsbestand“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, Hilmar Freiherr von Münchhausen.

Gerade eine sich oft außerhalb des Waldes aufhaltende und tagaktive Wildart lasse sich vergleichsweise gut erfassen. „Das Monitoring ist ohnehin eine Verpflichtung für Bayern, da die Gämse über die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU geschützt ist und nur gejagt werden darf, solange nachgewiesen ist, dass dadurch ihre Population nicht gefährdet ist“, betont Münchhausen.

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