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Wie Städte und Gemeinden mit dem Erbe der NS-Diktatur umgehen müssten

Kommentar Von Martina Steber
09.11.2022

Was ist eine würdige Erinnerungskultur in Kommunen? Gedanken der Augsburger Professorin Martina Steber zum 9. November, dem Tag der Pogromnacht vor 84 Jahren.

In vielen Städten und Gemeinden wird zurzeit über einen guten Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus diskutiert. Wie kann eine würdige Erinnerung an die Opfer der Vernichtungspolitik verbunden werden mit einer differenzierten Sicht auf die deutsche Gesellschaft – einer Sicht, die Täter und Verantwortliche benennt, Handlungsspielräume aufzeigt und Möglichkeiten von Distanzierung und Opposition einrechnet?

Überall sind die Diskussionen vom Erschrecken über die Untiefen der eigenen Stadtgeschichte geprägt. So manches, worüber 77 Jahre der Mantel des Schweigens gelegt wurde, bricht auf und verlangt nach Erklärung. So mancher verehrte Altvordere erscheint in einem um einiges dunkleren Licht, als das städtische Erzählungen über Jahrzehnte Glauben machen wollten. So manche Geschichte von distanziertem Mitwirken, um Schlimmeres zu verhindern, entpuppt sich als Schutzerzählung. Sie deckte die Verantwortlichkeiten zu und ermöglichte jenen Eliten, die vor wie nach 1945 an Schlüsselpositionen saßen, einen sanften Übergang in die bundesrepublikanische Demokratie.

Historikerin Martina Steber vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin.
Foto: Photoresque Gmbh

Die Vorstellung vom typischen Nazi ist ein Zerrbild

Das Erschrecken ist auch deshalb so groß, weil deutlich wird, dass der Nationalsozialismus nicht von außen in die Städte und Dörfer getragen wurde, wie dies bis heute zu hören ist. Der typische Nazi sei ein ideologisierter Fanatiker gewesen, brutal, dumm und zumeist männlich, so wird kolportiert. Dies ist ein Zerrbild. Das wird klar, wenn man auf jene blickt, die die NS-Ideologie vor Ort vertraten und ihre Politik bestimmten. Das waren nicht allein die Underdogs woandersher, sondern angesehene Bürger, die ihre Arbeit am Schreibtisch, auf der Kanzel oder am Katheder versahen. Der Nationalsozialismus entsprang den lokalen Gesellschaften.

Die Verfolgung politischer Gegner, von Jüdinnen und Juden, von Sinti und Roma, von Homosexuellen, von Menschen mit Handicap oder jenen, die als „asozial“ gebrandmarkt wurden, geschah vor aller Augen. Nicht wenige profitierten. Die nationalsozialistische Grenzziehung zwischen „Volksgenossen“ und „Gemeinschaftsfremden“ verhieß Privilegien im völkischen Wohlfahrtsstaat. Sie öffnete Chancen: für Unternehmen neue Aufträge, für junge Männer Karrieremöglichkeiten oder für Frauen geachtetes soziales Engagement in der „Volksgemeinschaft“.

Warum wird gerade heute so intensiv und so erbittert über den Umgang mit dem Nationalsozialismus diskutiert, warum in den Städten und Gemeinden? Das ist erstaunlich, denn die Bundesrepublik zeichnet sich durch einen ernsthaften Umgang mit der Verantwortung für die Verbrechen des NS-Regimes aus. Seit den 1980er Jahren hat sich eine nationale Kultur des Erinnerns entwickelt. Nicht zuletzt das Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938 zeugt davon. Warum zerbröckelt dieser Konsens, wenn es nicht mehr um Hitler und Goebbels geht, sondern um die „Nazis“ vor Ort?

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Die deutsche Geschichte macht die Arbeit am kollektiven Gedächtnis schwierig

Der Bezug auf die eigene Geschichte ist für Stadtgesellschaften bedeutsam. Sie finden Gemeinsamkeit, Sicherheit und Identität, indem sie sich selbst ins Verhältnis zu vergangenen Zeiten setzen. Sie suchen zu erklären, wie sie zu dem geworden sind, was sie sind. Die deutsche Geschichte macht diese Arbeit am kollektiven Gedächtnis schwierig. Worauf lässt sich zurückgreifen, wenn der Bruch durch Faschismus, Völkermord und Vernichtungskrieg so grundstürzend ist? Bis heute herrscht vielerorts ein Bild vor, in dem das Leben vor Ort wie eine Insel im nationalsozialistischen Meer wirkt. In Dörfern und Kleinstädten sei die Brutalität der Diktatur abgeschirmt worden, das Leben weitergegangen, hätten Nationalsozialisten wenig ausrichten können. Diese Erzählungen werden gegenwärtig regelrecht zertrümmert – auch weil die Generationen, die sie getragen haben, an Stimme verlieren und der zeitliche Abstand eine Offenheit ermöglicht, die über Jahrzehnte blockiert worden war.

Wie aber lässt sich die Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Mordens in die Lokalgeschichte integrieren? Das wird nur gehen, wenn Dorf- und Stadtgeschichten vielschichtig, ambivalent und nüchtern erzählt werden – wenn demokratische Aufbrüche genauso thematisiert werden wie die antisemitischen, völkischen und sozialdarwinistischen Abgründe des 19. und 20. Jahrhunderts. Das eine geht nicht ohne das andere. Dabei finden wir in der ehrlichen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte in all ihren Widersprüchlichkeiten Orientierung in einer Gegenwart, in der antidemokratische Stimmen lauter werden und autoritäre Regime Frieden und Menschenrechte infrage stellen. In den aktuellen Debatten über die NS-Zeit liegt eine große Chance verborgen.

Zur Person: Martina Steber ist Zweite Stellvertretende Direktorin des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und Professorin für Neueste Geschichte an der Universität Augsburg.

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