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Landwirtschaft
19.02.2022

Sorge ums bayerische Bier: Der Klimawandel setzt dem Hopfen zu

Die Hopfenpflanzen, auch "bayerisches Gold" genannt, leiden unter Wassermangel und Schädlingsbefall.
Foto: Armin Weigel, dpa

Hopfen leidet unter dem Klimawandel. Forscher in der Hallertau sehen in der Züchtung neuer Sorten die wichtigste Waffe. Aber vielen Braumeistern schmeckt das noch nicht.

Wenn es um edlen Hopfen geht, dann wollen es die Abgeordneten des Bayerischen Landtags ganz genau wissen. Erstens soll das Bier auch in Zukunft schmecken. Das ist so etwas wie eine Grundsatzfrage landsmannschaftlicher Identität. Zweitens hat der Freistaat mit dieser ganz besonderen Pflanze fast ein Alleinstellungsmerkmal: Rund 900 bayerische Bauern steuern mit einer Anbaufläche von rund 17.000 Hektar ein Drittel zur Welthopfenproduktion bei. Da gilt es, drohende Gefahren schon im Vorfeld abzuwehren.

Auf Antrag der SPD-Abgeordneten Ruth Müller ließ sich der Agrarausschuss von Experten des Landwirtschaftsministeriums berichten, was der Klimawandel mit dem Hopfen macht und wie darauf in Bayern reagiert wird. Ergebnis: Die seit den 90er Jahren um durchschnittlich 1,5 Grad gestiegenen Temperaturen und die zusätzlichen 100 Sonnenstunden setzen dem Hopfen gehörig zu. Vor allem in der Hauptvegetationszeit von April bis August leiden die Pflanzen immer öfter unter Wassermangel und Schädlingsbefall. „Trockenstress“ nennen das die Experten. Insbesondere die alten Hopfensorten seien dem Klimawandel nicht gewachsen. „Sie werden von ihm fast überrollt.“

Neue Hopfen-Sorten sind widerstandsfähiger - aber was ist mit dem Geschmack?

Nun gibt es zwar neue Sorten des „bayerischen Goldes“, die besser angepasst und widerstandsfähiger sind und die bereits auf einem Drittel der heimischen Anbaufläche wachsen. Auch bei deren Züchtung ist Bayern mit dem bereits vor knapp 100 Jahren gegründeten Hopfenforschungszentrum Hüll in der Hallertau – eine Kooperation der privatrechtlichen Gesellschaft für Hopfenforschung und des Freistaats Bayern – weltweit führend. Die Zucht, so sagten die Experten, sei „die wichtigste Waffe gegen die Folgen des Klimawandels“. Doch auch da gibt es, wie berichtet wurde, ein Problem: Viele bayerische Brauer hätten, was den Aroma-Hopfen betrifft, „sehr traditionelle Ansichten“. Sie bevorzugten mehrheitlich noch die traditionellen Sorten. Die Rezeptur soll nicht verändert werden. Ihr Bier soll so schmecken, wie es immer schon schmeckt.

Der Pressesprecher des Bayerischen Brauerbundes, Walter König, zugleich Geschäftsführer der Gesellschaft für Hopfenforschung, bestätigt das: „Da gibt es bei den Brauern leider eine gewisse Behäbigkeit.“ Die Bereitschaft, sich auf neue Sorten einzulassen, sei nicht besonders ausgeprägt. Der Grund laut König: Eine Umstellung sei zwar möglich, aber aufwendig. Um genau denselben Geschmack zu erreichen, seien mehrere Sudversuche nötig. Das könne bis zu einem Jahr dauern.

Die Abgeordneten des Agrarausschusses zeigten sich über alle Fraktionen hinweg von den Berichten der Ministerialbeamten schwer beeindruckt und sicherten ihre Unterstützung zu. „Die aktuelle Entwicklung kann uns nicht ruhig schlafen lassen“, sagte die SPD-Abgeordnete Müller.

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