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Glött

14.11.2018

Der Glötter mit der Zug-Vision

Das von Wilhelm Kugel aus Glött konzipierte Schienen-Taxi im Modell auf der Großanlage in seiner Werkstatt.
Bild: Horst von Weitershausen

Wilhelm Kugel will die Bahn stärker volkswirtschaftlich nutzen. Dabei hat er auch vernachlässigte Nebenbahnen im Visier

Wilhelm Kugel aus Glött lebt auch im fortgeschrittenen Alter seine Vision weiter. Er entwickelte mit anderen Unternehmern eine Technologie für einen hochmodernen und dabei gleichzeitig wirtschaftlichen Betrieb auf bisher stark vernachlässigten Nebenbahnen in Deutschland.

Darüber hinaus hat er die stillgelegten 10000 Streckenkilometer im Auge, um sie mit neuen Bahntechniken volkswirtschaftlich wieder sinnvoll zu nutzen. Für ein Pilotprojekt hatte der Unternehmer bereits mit dem Bahnhof Halver und der Strecke von Oberbrügge nach Halvar, vorbei an der Gemarkung Schleifkotten, als Eisenbahn- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen ein passendes Bahngelände gefunden.

Sein Ziel waren Schienen-Taxis als Alternative

Sein Ziel sei es gewesen, mit diesem Pilotprojekt unter realen Bedingungen Tests für den späteren Betrieb mit Schienen-Taxis und das von ihm entwickelte Container-Lift-Konzept, mit dem er Frachtcontainer kostengünstig von der Straße auf die Schiene und umgekehrt verladen will, zu entwickeln. Dabei sollte das Schienen-Taxi als Alternative zu anderen Verkehrsmitteln im ÖPNV genutzt werden. Mit dem Vorteil, so Kugel: „Das Taxi bietet acht bis zehn Fahrgästen Platz, die Entstehung von CO2 ist deutlich geringer als bei herkömmlichen Fahrzeugen und der Fahrgast kann seine Abfahrtszeit selbst bestimmen, indem er das Fahrzeug anfordert.“ Eingesetzt werden Fahrzeuge mit Hybrid- oder elektrischem Antrieb, und wegen seines geringen Gewichts kann das Schienen-Taxi auch auf weniger gepflegten Strecken verkehren. Es solle auch keinen Ersatz für Bus und Bahn darstellen, sondern eine Verbindung zu verschiedenen Verkehrsträgern sein, erklärt Wilhelm Kugel.

„Nachdem die Vorbereitungen für einen Probebetrieb abgeschlossen waren“, so Wilhelm Kugel, habe jedoch das Eisenbahnbundesamt mit „fadenscheinigen Begründungen“ die Aufnahme des Schienen-Taxi-Betriebs verboten. In diesem Zusammenhang schüttelt der Unternehmer aus Glött auch seinen Kopf über die Politiker.

Gilt trotz Feinstaub: Straße vor Schiene?

Sie wollten wider besseren Wissens ein verkehrstechnisch überholtes Gedankengut durchsetzen: Vorrang für die Straße vor der Schiene. Und das, obwohl die Feinstaubproblematik in den Städten ihnen schon seit Jahren bekannt sei. Möglicherweise mangelt es ihnen neben der Einsichtsfähigkeit auch an Vorstellungsvermögen und kreativer Kraft zum Vorausschauen, sagt Wilhelm Kugel. Weniger Einfluss von der Politik erhofft sich der ehemalige Maschinenbauer bei seinem Container-Lift-System.

Es besteht nach den Worten von Kugel aus zwei auf beiden Seiten der Schienen angeordneten Hebeeinrichtungen und kann an jedem Bahnhof mit Güterverkehr installiert werden. Mit dem System könnten alle gängigen Ladeeinheiten von ihren Trägerfahrzeugen, Lkw oder Eisenbahnwaggons angehoben und verladen werden. Dadurch werde der kostengünstige Wechsel der Trägerfahrzeuge ermöglicht.

Leider stehe diesem System immer noch die bislang vorherrschende, kostenintensive und unverhältnismäßig Ressourcen verbrauchende Umschlagart – das nur an zentralen Orten verfügbare Großterminal – zur Verfügung. Auch hier ist laut Wilhelm Kugel die Politik gefragt, um die Erschließung neuer Potenziale des Transportmarktes durchzusetzen. Er selbst wolle junge Leute dazu motivieren, selbst etwas zu entwickeln, sagt der Unternehmer. Daher lade er auch Interessierte in seine Werkstatt in Glött ein, um seine Verkehrskonzepte „Rad-Schiene-System und Container-Lift“ im Modell zu erleben.

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