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01.07.2007

Der Pfarrer bettelte bei den Bauern um Lebensmittel für die Kinder

Ein großer Teil des Pfarrergehalts und der Sonntagsopfer wurden zur Finanzierung verwendet, die Frauen arbeiteten fast umsonst und trotzdem musste der Geistliche bei den Bauern um Nahrungsmittel betteln, um die Versorgung der Buben und Mädchen zu gewährleisten. An diese und andere Details der wechselvollen Geschichte des Kindergartens Schretzheim erinnerte Stadtpfarrer Walter Rau beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen.

Von Peter von Neubeck, Schretzheim

Ein großer Teil des Pfarrergehalts und der Sonntagsopfer wurden zur Finanzierung verwendet, die Frauen arbeiteten fast umsonst und trotzdem musste der Geistliche bei den Bauern um Nahrungsmittel betteln, um die Versorgung der Buben und Mädchen zu gewährleisten. An diese und andere Details der wechselvollen Geschichte des Kindergartens Schretzheim erinnerte Stadtpfarrer Walter Rau beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen am vergangenen Freitagabend im Kirchenzentrum St. Ulrich. Eng verbunden mit dem Kindergarten war das frühere "Marienheim" für ledige Mütter und ihre Kinder. Daran erinnerte in ihrem kenntnisreichen Vortrag Gertrud Durner.

Zum Festakt, der von den ehemaligen Kindergartenkindern Bettina Wagner (Querflöte), Dagmar Lippert (Violine) und Florian Stark (Keyboard) musikalisch umrahmt wurde, konnte Pfarrer Rau zahlreiche Gäste im voll besetzten Festsaal begrüßen. Unter ihnen waren Marilies von Guilleaume, die ehemalige Generaloberin der St.-Josef-Schwestern in Ursberg, Sr. M. Evangelista Höfer, die ersten Erzieherinnen Gossner-Biller und Wetzstein, Pater Wolfgang Öxler, Vertreter von Kreisjugendamt, Caritasverband, Kirchenverwaltung, Pfarrgemeinderat und Elternbeirat.

Über die "Geburtsstunde einer sozialen Einrichtung, die wohl einmalig in Nordschwaben ist", berichtete Gertrud Durner anhand zahlreicher interessanter Einzelheiten. Ihre Mutter hatte den Kindergarten besucht, sie selbst das Mädchenheim. Durner sagte: "Das Mädchenheim und die Ursberger Schwestern waren für uns in Schretzheim ein Glücksfall."

Der Pfarrer bettelte bei den Bauern um Lebensmittel für die Kinder

Pfarrer Rau ging auf die Zeit nach 1951, als die Schwestern Schretzheim verließen ("Es war ein grauenhafter Abschied für ganz Schretzheim") ein. Die "eigentliche Katastrophe" sei jedoch die Schließung der Fabrik 1957 gewesen. In der Folge sei die Gemeinde nicht an der Übernahme des Kindergartens interessiert gewesen. So führte die Kirchenstiftung die Einrichtung fort. Wirkliche Verbesserungen hätten erst das Bayerische Kindergartengesetz und der Eingemeindungsvertrag gebracht.

Der Geistliche dankte Kirchenstiftung, Pfarrbüro, Eltern, Jugendamt und Stadt, hatte Urkunden der Diözese und Blumen für die langjährigen Mitarbeiterinnen und für Michaela Güttinger (Verwaltung) parat.

Oberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl meinte mit Blick auf die Entstehungsgeschichte: "Auf die Idee, dass große Arbeitgeber Horte und Krippen errichten könnten, als soziale Einrichtung, die auch noch steuerlich gefördert würde, kommt heute wohl niemand mehr." Dabei sei die damalige Entscheidung der Firma im Prinzip heute noch genauso aktuell. "Dankenswert und segensreich" sei die Übernahme der Trägerschaft durch Pfarrei und Kirchenstiftung gewesen, betonte Weigl.

Margarethe Philipp, Doris Knaus und Antonie Link überreichten aus dem Erlös des Osterbasars 500 Euro und für die Arbeiterwohlfahrt händigte Paulus Gruber 750 Euro aus.

Kindergartenleiterin Sonja Jung dankte allen Beteiligten am Fest und dafür, dass der Kindergarten in jüngster Zeit "freundlicher und attraktiver" gestaltet wurde.

Gleichzeitig lud sie zum Gottesdienst und anschließendem Jubiläums- und Pfarrfest sowie zum "Kindermusical" am gestrigen Sonntag ein.

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