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Medizin

28.02.2015

Der Pieks als Pflicht?

Nicht bei allen im Landkreis Dillingen stößt der Vorschlag einer Impfpflicht für Masern auf Zustimmung.
Bild: Symbolbild: dpa

In Deutschland wird über einen Masern-Impfzwang nachgedacht. Nicht überall stößt dieser Vorschlag auf Zustimmung. Auch nicht im Kreis, wo sich die Quote verändert hat

Von Stephanie Sartor und Hertha Stauch

Landkreis 88 Prozent der Kinder im Landkreis, die 2013 in die Schule kamen, waren gegen Masern geimpft – zu wenige, findet Dr. Uta-Maria Kastner. Die Leiterin des Dillinger Gesundheitsamtes blickt besorgt auf diese Zahl: „Früher war die Impfquote im Landkreis höher. Es ist ein Abwärtstrend zu erkennen“, sagt sie. Bei der Eingangsuntersuchung für Grundschüler im Jahr 2012 etwa waren noch 91 Prozent der Kinder gegen die Viruserkrankung geimpft, die derzeit Deutschland so hart trifft wie lange nicht. Allein in Berlin erkrankten mehr als 600 Menschen, ein Kleinkind starb. Auch im Landkreis Dillingen gab es nach über 14 Jahren wieder Masernfälle. In der Bundespolitik gab es deswegen Überlegungen, eine Impfpflicht gegen Masern einzuführen. Kastner sieht das als letzte Option, zunächst müsse eine umfangreiche Aufklärungsarbeit betrieben werden, damit die Impfquoten steigen. Denn damit die gefährlichen Viren in unserer Gesellschaft keine Chance mehr haben, müssen 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Diese Quote habe man im Landkreis noch nie erreicht, sagt Kastner. Sie steht, auch wenn sie zunächst die Aufklärung in den Vordergrund stellt, prinzipiell hinter einer Impfpflicht gegen Masern: „Grundsätzlich würden wir vom öffentlichen Gesundheitsdienst die Pflichtimpfung begrüßen, doch es muss auch Befreiungen von dieser Pflicht geben.“ Diese Befreiung müsse etwa für Menschen mit Immunschwächekrankheiten gelten.

Kinderarzt Dr. Andreas Fauser plädiert für mehr Aufklärung anstelle einer Impfpflicht. Den Menschen müsste die Gefahr, dass jeder Tausendste an Masern sterben kann, deutlich gemacht werden. „Mit einem kleinen Pieks kann man großes Übel verhindern“, sagt er. „Meine Aufgabe ist es, die Menschen zu informieren und vom sinnvollen Weg zu überzeugen. Ich finde nicht, dass man die Menschen zwingen sollte, sich impfen zu lassen.“ Immer wieder treffe er auf Eltern mit Impfängsten. Vor Folgeschäden bei einer Masernimpfung müsse man sich aber keine Sorgen machen. „Die Impfung ist exzellent verträglich“, sagt Fauser. Gelegentlich könnten Lokalreaktionen, eventuell eine kleine Schwellung, oder auch ein leichter Ausschlag auftreten. Im Gegensatz zu leichten Impfreaktionen, die möglicherweise auftreten können, kann eine Masernerkrankung um einiges fataler verlaufen. Sie beginnt zunächst mit Schnupfen und Husten, einer Bindehautentzündung und weißen Flecken an der Wangenschleimhaut. Dann folgt der maserntypische rote Hautausschlag. Im schlimmsten Fall können Komplikationen wie eine Gehirnentzündung auftreten. Außerdem sei der Körper anfälliger für bakterielle Superinfektionen. Masern sind hochansteckend. Wer von einem Masernpatienten angeniest wird, wird laut Kinderarzt Fauser zu 95 Prozent auch krank.

Im Raum Wertingen gibt es kritische Eltern, die sich in der Initiative EfI – Eltern für Impfaufklärung zusammengeschlossen haben, und die der Impfung mit Bedenken gegenüberstehen. Christine Knöpfle, Initiatorin der Initiative, hält nichts von einer Impfpflicht. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt sie: „Pflichtimpfungen sind nicht mit den Gesetzen in unserem Lande vereinbar. Es fehlen die Voraussetzungen. Im Ernstfall gäbe es Sammel- und Grundsatzklagen.“

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