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Haunsheim

22.11.2018

Der Winterkomet über Haunsheim

Ausschnitt aus der Grabplatte des Pfarrers Georg Galgenmair in der Pfarrkirche Haunsheim mit dem Hinweis auf den „Winterkometen“ von 1618/19.
Bild: Müller

Vor 400 Jahren erschien ein Zeichen am Himmel. Der Pfarrer war davon besonders fasziniert. In Haunsheim wird an ihn erinnert.

Vor 400 Jahren erschien Ende November ein Zeichen am Himmel, das im ganzen Heiligen Römischen Reich zu sehen war und dieses in nicht geringen Aufruhr versetzte: ein Schweifstern. Heute führen ihn die Astronomen unter der Bezeichnung „C/1618 W1“, damals erhielt er schnell den Namen „Winterkomet“, weil er mit freiem Auge noch im Dezember, mit dem Teleskop sogar noch 1619 bis zum Ende des Januars zu beobachten war, so schreibt es Hermann Müller.

Hat der Pfarrer den Kometen von Haunsheim aus verfolgt?

Von Haunsheim aus muss diesen Kometen der Ortspfarrer Magister Georg Galgenmair verfolgt haben, der auch ein gelehrter Astronom war und seine Kenntnisse in diesem Fach auch in Büchern verbreitete. Ein Sternenkundler seiner Zeit versuchte die Himmelsphänomene aber nicht nur wissenschaftlich zu erfassen, sondern auch herauszubringen, was sie den Menschen zu sagen hätten – so wissen wir es zum Beispiel auch von dem weit prominenteren Johannes Kepler.

Klare Sache: Gott will den Menschen warnen

Nachdem am 23. Mai 1618 der zweite Prager Fenstersturz in Böhmen militärische Aktionen und damit Ängste vor einer Ausweitung kriegerischer Handlungen ausgelöst hatte, schien auf der Hand zu liegen: Gott will durch den feuerschwänzigen Stern den Menschen eine strenge Warnung erteilen. Im Flugblatt eines Lauinger Druckers von 1619 liest sich das so: „Unser Sünd und Missetat, ob denen Gott ein Missfallen hat, tut die Straf zu uns neigen… Nämlich dass er … schickt Teuerung, Krieg und Pestilenz, daran viel Leut sterben. Aber (die,) die Gott fallen zu Fuß mit wahrer Reu und Buß, die lasst er nicht verderben.“ Leider sind von Galgenmair keine Predigten oder andere theologische Zeugnisse überliefert, aber es ist undenkbar, dass er sich zum Winterkometen überhaupt nicht geäußert hätte – und zwar gewiss in ganz ähnlichem Sinn wie der Flugblatt-Verfasser.

Der Winterkomet war von herausragender Bedeutung

Doch mit Sicherheit lässt sich feststellen, dass der Winterkomet für ihn von herausragender Bedeutung war. Denn auf seinem Grabstein ist im Relief ein astronomisches Gerät abgebildet, eine Armillarsphäre, und auf einem Segment dieses globusähnlichen Instruments ist ein Schweifstern eingeritzt mit dem hinzugesetzten Datum „Nove[m]b[er] A[nn]o 1618“.

Galgenmairs Grabplatte ist heute eingemauert in den Haunsheimer Kirchturm, dessen untere Geschosse in den Kirchenraum hineinragen. Dort kann man den Gedenkstein, nicht ganz leicht zugänglich, an der Nordwand des Turms unter der Empore aufsuchen und an ihm also ein einmaliges, bisher aber ganz unbeachtet gebliebenes Dokument vom Beginn des Dreißigjährigen Krieges betrachten, der unsere Region freilich erst Jahre später heimsuchen sollte. (pm)

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