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Landkreis Dillingen

22.10.2019

Drei Kilometer langer Schleppertross zieht von Wertingen nach München

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1000 Schlepper standen am Dienstag mitten in München. Landwirte aus ganz Bayern demonstrierten dort im Rahmen von „Land schafft Verbindung“ für mehr Anerkennung für ihre Arbeit. Sie wehren sich gegen immer mehr Bürokratie und gegen Bauern-Bashing.

Plus Rollender Protest: Landwirte demonstrieren, weil ihre Situation „unerträglich“ geworden ist. Wie die Aktion in der Landeshauptstadt ankommt.

Martin Rösch ist Nebenerwerbslandwirt. Während er in der Arbeit ist, kümmert sich seine Frau um die 140 Kälber, um Tierarzttermine, Futtermittelzustellung und die eigenen zwei kleinen Kinder. Die Familie würde gerne einen Aussiedlerhof bauen, die Genehmigung hat sie. „Aber welchen Stall soll ich denn bauen?“, fragt der Landwirt aus Altenmünster. Platz, Licht, Liegefläche, Luftaustausch – die Anforderungen an moderne Ställe würden sich dauernd ändern. „Und wenn ich am Samstag eine Wiese mähe, beschweren sich die Leute bei den Behörden. So können wir nicht weitermachen.“ Also hat Rösch zusammen mit anderen Landwirten die Teilnahme an der Demonstration in München organisiert.

Teil eines bundesweiten Aktionstags

Die Kundgebung am Dienstag war Teil eines bundesweiten Aktionstags der Bauerninitiative „Land schafft Verbindung“, der sich innerhalb kürzester Zeit zehntausende Landwirte angeschlossen hatten. Vor allem über soziale Netzwerke hatten sie sich zusammengeschlossen. Die Initiative sieht die Landwirte als Buhmann von Politik und diversen Organisationen, wehrt sich gegen die Verschärfung der Düngeverordnung und setzt sich für bäuerliche Familienbetriebe ein. Lange hat Rösch gezweifelt, ob sich sein Einsatz für so eine spontane Demo wie am Dienstag lohnt, sagt der Landwirt. Die Anmeldezahlen in der Whatsapp-Gruppe waren anfangs sehr niedrig. Doch von Sonntag auf Montag meldeten sich auf einen Schlag zahlreiche Landwirte dort an. 130 Fahrzeuge sind schließlich am Dienstagmorgen um 5.30 Uhr in Wertingen losgefahren. Die 40-km/h-Schlepper vorneweg, die 50er hinterher, jeweils in Fünfergruppen, dazwischen immer 100 Meter Abstand. „Vom Anfang bis zum Ende der Kolonne waren es drei Kilometer“, sagt Rösch am frühen Nachmittag nicht ohne Stolz in der Stimme. Der Einsatz habe sich gelohnt. Rund 2000 Bauern mit 1000 Fahrzeugen nahmen nach Schätzungen der Polizei an der Demo in München teil. Zuschauer am Straßenrand in München hätten geklatscht und „weiter so“ gerufen, meint Rösch.

Kästle: "Wir haben nicht gegen etwas, sondern für etwas demonstriert"

Das bestätigt auch Landwirt Hermann Kästle aus Steinheim. Die Stimmung sei sehr positiv gewesen. „Wir haben ja nicht gegen etwas demonstriert, sondern für“, betont Kästle. Man wolle eine Debatte, die auf ehrlichen Grundlagen fuße. Politik und Medien müssten sich stärker mit den Themen der Landwirtschaft beschäftigen. Die seien komplex, man müsse sich gut damit beschäftigen. „Aber wenn es heißt, Glyphosat ist krebserregend, dann ist doch kein Landwirt mehr gegen ein Verbot. Nur brauchen wir dann einen neuen Weg. Und das kann kein Betrieb alleine leisten“, erklärt Kästle. Und er fügt an: Bio allein könne nie den ganzen Markt bedienen. Es werde immer ein paralleles System geben. „Aber wir sind nicht für oder gegen jemanden. Nur manchmal versuchen uns Nichtregierungsorganisationen gegeneinander auszuspielen.“

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"Ich wäre jederzeit wieder dabei"

Auch Thomas Böck aus Oberglauheim war dabei. Daheim kümmerten sich Ehefrau, Lehrling und Opa um den Betrieb, sonst wäre es nicht gegangen. Immerhin waren die Landwirte zwölf Stunden unterwegs. Doch auch Böck hat die gute Stimmung in München gefallen. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen. Ich wäre jederzeit wieder dabei.“

Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Klaus Beyrer, wollte auch mit. Konnte aber nicht, weil er Weizen säen musste. Er findet die Aktion gut. Man müsse eine gewisse Aufmerksamkeit erregen, auch den Medien gegenüber. „Wir brauchen einen Rahmen, innerhalb dessen wir wirtschaftlich arbeiten können.“ Sollte die Bundesregierung den sogenannten Insektenpakt umsetzen, sei das nicht mehr möglich. „Bestimmt wurde mit der Demo eine breite Öffentlichkeit erreicht. Es geht jetzt um alles: Ob die Gesellschaft überhaupt noch eine Landwirtschaft will oder nicht.“

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