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30.12.2017

Er weiß, wie man‘s krachen lässt

Markus Tratzmiller testete für uns Silvester-Böller.
Bild: Roderfeld

Der Kreisbrandinspektor Markus Tratzmiller testet für uns Feuerwerkskörper. Wegen des falschen Umgangs von Raketen & Co. müssen er und seine Kollegen an Silvester oft ausrücken

Die Lichtfontänen von Feuerwerkskörpern schießen über das Gelände des Recylinghofs und blitzen in Richtung Haunsheimer Himmel. Ungewöhnlich, denn normalerweise darf vor der Silvesternacht keine Rakete in die Luft gehen – für unsere Zeitung macht Kreisbrandinspektor Markus Tratzmiller eine Ausnahme. Haunsheims Bürgermeister Christoph Mettel hatte die Aktion im Vorfeld genehmigt.

Wer einen Feuerwerkskörper entzündet, sollte vorher auf die Gebrauchsanweisung schauen, sagt Tratzmiller und blickt auf die Rückseite der Böller. Denn nicht immer ist die Abschussrichtung gleich oder das richtige Vorgehen vor dem Knall.

Das Wichtigste: „Keinen Feuerwerkskörper in der Hand anzünden.“ Niemand könne genau wissen, wie schnell eine Zündschnur abbrennt. Das Risiko einer Verletzung sei daher besonders hoch. „Das kann dir die Finger wegreißen, oder die Kleidung fängt plötzlich Feuer.“ Knallerbsen, Bienen und Mini-Fontänen zählen meistens zu der ersten Kategorie. Das heißt, sie sind nicht so gefährlich, und Kinder ab zwölf Jahren dürfen sie entzünden. Alles andere ist erst ab 18 erlaubt.

Bei den kleinen Knallkörpern ist es wie bei den großen Raketen. „Nur im Freien verwenden und nicht in Richtung einer Menschenmenge werfen.“ Tratzmiller betont das, weil er in der Vergangenheit schon anderes erleben musste. „Wir wurden beim Einsatz mit Raketen beworfen.“ Noch immer ist er entsetzt über das Verhalten. Ihm fällt auf, dass viele im Umgang mit Sprengsätzen rücksichtslos handeln, nur den Spaß am Zündeln sehen. Sollte so ein Fall dieses Silvester erneut auftreten, hofft er auf die Zivilcourage anderer Menschen. „So etwas gehört angezeigt.“

Die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr stehen stets für den Notfall bereit, ob Silvester oder nicht. „365 Tage im Jahr“, sagt Tratzmiller. Klar habe nicht jeder die gleiche Einstellung, doch die meisten Ehrenamtlichen würden auf Alkohol verzichten, um für den Notfall gewappnet zu sein. Vor zwei Jahren warf ein Mann eine Rakete in ein Lauinger Dachfenster. „Deshalb hat sich ein großer Brand entzündet.“ Der unachtsame Gebrauch von Sprengsätzen sei laut Tratzmiller oft ausschlaggebend dafür, dass Schlimmeres passiert. Der 45-Jährige betrachtet unterdessen die Hülle eines Böllers. Die Zündschnur ist kürzer als bei den anderen, im Inneren fehlt ein Teil der explosiven Masse. „Den würde ich nicht mehr verwenden.“

Kaufen würde er die Silvesterausrüstung nur im Supermarkt. „Dort haben die Raketen und Böller ein Siegel.“ Die Gefahr, dass da was passiert, sei deutlich geringer. Schiefgehen kann das Böllern trotzdem. Tratzmiller versucht, die Zündschnur einer großen Fontäne zu aktivieren. Nichts passiert, keine Silberblitze fliegen gen Himmel. „In so einem Fall darf man nicht noch mal hingehen.“ Erst wenn der Sprengsatz abgekühlt ist, sollte er entsorgt werden. Denn sonst könne er sich noch nachträglich entzünden.

Um Raketen in die Luft zu jagen, sei im Idealfall eine leere Flasche vorhanden. So hat der Feuerwerkskörper einen guten Stand und kann im Himmel bunte Farben versprühen. Tratzmiller sagt, dass es bei Sprengsätzen, die in die Luft gehen, wichtig sei, eine freie Sicht zu haben. „Prallt die Rakete an einer Hochspannungsleitung ab, kann sie zurückfliegen und jemanden treffen.“ Im nahen Umfeld eines Stalls oder leerstehenden Gebäudes empfiehlt Tratzmiller, komplett auf das Knallen zu verzichten.

Für dieses Silvester hofft der Kreisbrandinspektor auf ein ruhiges Fest mit der Familie. „Und nicht stattdessen in die Kälte zu müssen, nur um die Unvernunft anderer Leute ausbaden zu müssen.“

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