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Dillingen

12.04.2020

Gedanken zu Ostern: „Immer i“

Pfarrer Schneck und Kaplan Fleischmann

Dillingens Stadtpfarrer Wolfgang Schneck erinnert sich an seine Mutter und wie sie oft sagte: "Immer I." Hat Jesus sich vermutlich auch gedacht.

Meine Mutter sagte oft schwäbisch: „Immer i“ (ich). Sie stöhnte dabei, und wir wussten, dass es wieder mal zu viel wurde. Letztlich hat sie’s dann doch angepackt und man konnte ihr auch nicht so recht helfen.

Zusammen mit Kaplan Simon Fleischmann schreibe ich heute diese Gedanken.

Wir im Pfarrhaus denken heute an diejenigen, die im Leben den Eindruck haben, dass sie immer drankommen, dass das Leben bei anderen gelingt, bei ihnen aber nicht. Wir denken an die Menschen, die diese Tage allein zu Hause sind, an Opa und Oma im Altenheim, an den Kranken, der im Krankenhaus keinen Besuch bekommen soll. Alle könnten berechtigt sagen: „Immer i“ oder „Warum grad i“.

Auch Jesus Christus könnte sagen "Immer i!"

Wir Christen denken heute und morgen auch an Jesus Christus, den Gott, der im Blick auf seine Geschöpfe sagen könnte: „Immer i!“

Von Anfang an war sein Leben nicht einfach. Viele verstanden ihn gar nicht. Sogar sein engster Freundeskreis ließ ihn im Stich, als es ernst wurde. Stöhnend und am Boden betet er in der Ölbergnacht: „Warum immer i? Lass diesen Kelch an mir vorübergehen.“ Am Kreuz schreit er: „Warum hast du mich verlassen?“

Da zeigt sich uns ein Gott im Leid und Kreuz des Alltags, ja sogar in den verzweifelten Momenten, in denen wir uns – wie der verlassene Jesus – von Gott scheinbar im Stich gelassen fühlen.

In diesen Momenten bin ich als Christ in eine andere Art von Leben und Glauben genommen. Ich gebe – wie Jesus – das Letzte dran, mein Leben für andere, ohne dass ich gleich Ergebnisse sehe.

Da rufen die Enkel an und sagen: „Oma, bete Du für uns.“ Meine Mutter sagte immer, wenn wir Studenten Prüfungen hatten: „Ich denk an Euch und opfere meinen Tag dafür.“

Vielleicht gibt es heute im Altenheim jemanden, der für uns betet oder im Stillen und Unbemerkten sein Leben gibt für seine Lieben oder für den Frieden in der Welt oder …

Dafür wären wir sehr dankbar.

Den Dillinger Pfarrer hat ein besonderer Brief erreicht

Gestern erreichten uns diese Zeilen, die uns berührt haben: „Ich reihe mich gerne ein ins gemeinsame Gebet heut Abend. Es ist so eine besondere Zeit. In diesen Tagen versucht mein lieber Nachbar, in Frieden zu sterben – und ich bin nachts bei ihm bete das ‚Vaterunser‘, neben mir die polnische Pflegerin betet auf Polnisch das gleiche Gebet – wir sind so hilflos. Wie geht das Sterben? Wie geht das Auferstehen? Wir ergeben uns von Atemzug zu Atemzug …“

Der letzte Atemzug von Jesus am Kreuz war: „Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist.“

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