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07.07.2010

Meter für Meter in längst vergangene Zeiten

Geologe Dietmar Jung mit den Bohrkernkisten. Das Gestein in der Mitte verrät, dass 100 Millionen Jahre nicht abgelagert wurde.
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Geologe Dietmar Jung mit den Bohrkernkisten. Das Gestein in der Mitte verrät, dass 100 Millionen Jahre nicht abgelagert wurde.

Mörslingen "Und, was kommen denn für Schätze raus?", fragt Josef Süß und tritt an die unscheinbaren Holzkästen heran, die im Schatten der Fichten im Wald bei Mörslingen lagern. "Leider kein Gold oder Erdöl", antwortet Geologe Dietmar Jung dem Spaziergänger mit einem Lächeln. Auch wenn die Goldbergalm ganz in der Nähe manchen anderes vermuten lässt.

Doch für einen Geologen ist das, was hier sorgsam durchnummeriert in den Kisten liegt, trotzdem ein kleiner Schatz. Es sind die Bohrkerne, die die Forschungsbohrung im Wald bei Mörslingen in den vergangenen Tagen ans Licht befördert hat. Und was für den Laien nach runden Gesteinssäulen in verschiedenen Farbschattierungen aussieht, verrät dem geschulten Auge des Geologen eine ganze Menge über die bewegte geologische Vergangenheit der Region.

Bereits im April hatten sich die Forscher mit einer geophysikalischen und seismischen Messkampagne hier im Wald ein Bild vom Untergrund gemacht. Mit Hilfe von kleinen Sprengungen und hochsensiblen Geophonen sammelten sie Daten für ein späteres Computermodell (wir berichteten). "Mit der Probebohrung wollten wir die Ergebnisse überprüfen", sagt Jung. Die hatte prognostiziert, dass an dieser Stelle in 50 Metern Tiefe der harte Kalkstein aus der Jurazeit beginnt. "Gefunden haben wir ihn dann bei 49 Metern 50. Das ist ein erstaunlich genaues Ergebnis."

Jede Bohrung im Ries bringt für den Geologen neue Erkenntnisse. Überraschend war für ihn am Ende der viertägigen Bohrung auf dem Waldgrundstück des Augsburger Priesterseminars St. Hieronymus, bei der pro Tag 15 Meter bewältigt werden konnten, besonders eine Tatsache: "Wir haben hier Auswurfgestein vom Rieskrater erwartet, aber keines gefunden. Das Gestein hier ist, als hätte nie ein Meteorit eingeschlagen." Über die Jahrmillionen sei dieses Auswurfgestein komplett wegerodiert, verwittert durch Wind und Wetter. "Wenn wir aber nur 100 Meter weiter oben gebohrt hätten, hätten wir es gefunden", sagt Jung.

Meter für Meter in längst vergangene Zeiten

Über Fossilien wird das Alter des Gesteins bestimmt

Und noch eine Erkenntnis haben die Geologen gewonnen: Dort wo heute Wald ist, war früher ein Ozean. Aber nicht so lange, wie ursprünglich gedacht. "Wir haben hier auch Festlandablagerungen aus dem Tertiär. Also von Flüssen und Seen. Die hätte ich da nicht erwartet." Die Kisten mit den Bohrkernen kommen nun erst einmal in das Bohrprobenarchiv des Landesamtes für Umwelt in Hof. Dort wird sich dann auch noch ein Paläontologe mit dem Gestein beschäftigen, es unters Mikroskop legen und so die enthaltenen Fossilien bestimmen können. "Wenn man weiß, was im Meer bei Mörslingen geschwommen ist, kann man auch genaue Aussagen über das Alter der Gesteinsschicht machen."

Doch nicht jedes Erdzeitalter hat in der Region steinerne Spuren hinterlassen. Auch das zeigt der Blick auf die Bohrkerne. Zwischen dem 30 bis 40 Millionen Jahre alten Gestein aus dem Tertiär und dem 140 Millionen Jahre alten Gestein aus dem Jura klafft eine zeitliche Lücke. "Das heißt, 100 Millionen Jahre ist hier nichts passiert." Konkret bedeutet das allerdings nur, dass sich in dieser Zeit weder Sediment aus Flüssen noch aus einem Meer hier abgelagert haben. Sollte also in vielen Millionen Jahren noch einmal jemand hier bohren, dann wird es im Gestein so aussehen, als hätte auch unsere Generation hier nie existiert.

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