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28.07.2010

Schlemmen wie die Römer mit "Marcus, dem Parther"

Markus Werther alias "Marcus Parthiscus" bei seinem Vortrag vor den Schülerinnen und Schülern des Dillinger St.-Bonaventura-Gymnasiums. Foto: Bona
Bild: Bona

Dillingen Dass die Römer damals auch in Deutschland siedelten, ist klar. Ihre Spuren in Städten wie Regensburg, Trier oder Xanten versetzen noch heute die Betrachter in Erstaunen. Doch wie sieht es mit der Gegend direkt vor der eigenen (Schul-)Tür aus? Dieser Frage gingen die Schülerinnen und Schüler der 6. Jahrgangsstufe am St.-Bonaventura-Gymnasium Dillingen im Rahmen eines Projekttages nach, bei dem es nicht nur um reines Faktenwissen ging, sondern um "Geschichte zum Anfassen", also um die Ermöglichung unmittelbarer Erfahrung.

Dies wurde garantiert durch die Beteiligung von Markus Werthner, der sich im Rahmen der Musica Antiqua Raetica schon seit Jahren genau diesem Ziel verschrieben hat. Initiiert und organisiert wurde die Veranstaltung durch die Geschichtslehrerin Felicitas Schmid-Grotz, wobei sie tatkräftige Unterstützung durch Elisabeth Keller, Carina Powalowski und Lissa Schmidt, ebenfalls Lehrkräfte am Bona, erhielt.

Besuch im Dillinger Stadt- und Hochstiftmuseum

Zunächst besuchten die Jugendlichen das Stadt- und Hochstiftmuseum Dillingen, wo sie nach einer kurzen Einführung durch den Museumsprokurator Werner Gutmair anhand vorbereiteter Materialien die Ausstellungsstücke selbst sichten und ihre Eindrücke festhalten konnten. Zurück an der Schule, wurden sie im Steichele-Garten durch "Marcus Parthicus", "Marcus der Parther" alias Markus Werthner empfangen, der den erstaunten Kindern unter anderem seine Ausrüstung als leichter Reiter einer Auxiliartruppe erklärte.

Schlemmen wie die Römer mit "Marcus, dem Parther"

Dies war besonders lebensnah, da Werthner von seinen Erfahrungen berichten konnte, die er während eines experimentalarchäologischen Wanderrittes im Gebiet des rätischen Limes vor einigen Jahren gemacht hatte.

Zum anderen führte Werthner eine Reihe von Musikinstrumenten vor, die anhand antiker Vorlagen rekonstruiert sind und die die Schüler, ebenso wie die militärischen Ausrüstungsgegenstände, anfassen und sogar selbst ausprobieren durften. Höhepunkt war die gemeinsame Vorbereitung eines mehrgängigen Menüs nach römischen Originalrezepten, wie sie beispielsweise bei Apicius überliefert sind.

Gemäß der Regel "vom Ei zum Apfel" gab es als Vorspeisen moretum (Paste aus Schafskäse, Knoblauch und Käutern) mit römischem Opferbrot sowie ova elixa (gefüllte Eier).

Hauptgang mit Getreidebrei

Der Hauptgang bestand aus lucanicae (lukanische Würstchen bzw. Frikadellen), pulsum (römischer Getreidebrei), minutal ex praecoquis (Frikassee mit Aprikosen) und panis militaris (Soldatenbrot). Als Dessert wurden melones et pepones (Obstsalat aus verschiedenen Melonensorten) gereicht. Für dieses aufwändige Mahl war jedoch viel Vorarbeit nötig, denn verschiedene Gemüsesorten mussten geputzt, Fleisch geschnitten und Brotfladen geformt werden. Überhaupt konnten die Jugendlichen überraschende Erfahrungen machen: Zum Würzen von Speisen kann man nicht nur Salz und Pfeffer oder gar Ketchup verwenden, sondern heute oft unbekannte Kräuter. Liquamen, die berühmt-berüchtigte Fischsoße der Römer, verliert durch das Kochen fast völlig ihren durchdringenden Eigengeschmack. Und die Arbeit an einem Grill mit offenem Feuer ist ganz schön schweißtreibend.

Alles in allem war dieser Projekttag eine gelungene Veranstaltung, die den Schülerinnen und Schülern noch lange in Erinnerung bleiben wird. (pm)

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