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Gundelfingen

26.10.2017

Sie zeigen sängerische Leidenschaft

Der BelCanto Kammerchor München mit seinem Dirigenten Andreas Stadler beeindruckte die Zuhörer in der Gundelfinger Friedenskirche.
Bild: Gernot Walter

Der Münchner Kammerchor BelCanto bietet in Gundelfingen Herausragendes.

Mit der Zugabe von Heinrich Schütz „Verleih uns Frieden gnädiglich“ nach einem denkwürdigen Konzert hat der Kammerchor BelCanto aus München die Verbindung zu seinem ersten Auftritt vor fünf Jahren in der evangelisch-lutherischen Friedenskirche hergestellt. Darauf wies Pfarrer Frank Bienk in seiner Begrüßung der zahlreichen Besucher hin. 2012 stand die Friedensthematik im Mittelpunkt, heuer galt zehn Tage vor dem Jubiläums-Reformationsfest der Luthertext „Erhalt uns Herr bei deinem Wort“ als zentrales Motto. Dabei unternahm der Münchner Chor einen Exkurs durch ausschließlich evangelische Kirchenmusik, die Werke der Reformationszeit, dem Barock und aus der Erneuerungsbewegung im 20. Jahrhundert beinhaltete.

Die strenge Mehrstimmigkeit und das feine Filigran der Stimmführung konnte in der sechsstimmigen Renaissancemotette „Erhalt uns Herr“ (1566) von Johann Walter nachempfunden werden. Hugo Distler (1933) knüpfte beim gleichen Luthertext an die neubarocken Tendenzen an und entwickelte einen rhythmisch-melodisch eigenen Chorstil.

Bei Distlers Motette zum Reformationsfest „O Gott in deiner Majestät“ gewinnt die musikalische Ausdeutung des Wortes eine neue höhere Bedeutung. Die Kombination aus metrisch-rhythmischem Gegensätzlichen ergibt ein polyfones Geflecht. Eine Aufgabe, die zweimal acht Frauen- und sieben Männerstimmen des Kammerchores einschließlich zweier trefflich geführter Sopranistinnen mit Intonationssicherheit, Wortverständlichkeit und Ausdrucksvermögen bravourös meisterten.

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Dirigent Andreas Stadler nimmt Luthers Aussage Ernst: „Gott hat das Evangelium auch durch die Musik gepredigt.“ Sie ist die lebendige Stimme der Verkündigung, der schöpferische Urgrund des Glaubens, wie er sich im evangelischen Choral offenbart. In der Wiedergabe der Kantate „Jesu, meine Freude“ von J. S. Bach (BWV 227) wurde Stadlers vertiefte Beziehung zum Werk evident. „Das gesungene Wort ist direkt Gottes Wort“, betonte der Dirigent und machte in der Trauermusik den Text erfahrbar. Darin wird die Abkehr von den weltlichen Dingen und die Hinwendung zum Geist Jesu vermittelt, der über alle Traurigkeiten triumphiert. So deutet Stadler tröstlich den Schlussvers „Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude“.

Auswendig dirigierend hielt Stadler das engmaschige Gewebe der Stimmen durchsichtig, den Fluss der Musik strukturierte er überzeugend. Der BelCanto Chor gehorchte den impulsiven Anweisungen mit adäquater stimmlicher Präsenz. Die exponierten Einsätze im Sopran und Tenor gelangen präzise und rund im Klang, Alt und Bass harmonierten mit vokalem Glanz.

Mit bewundernswerter Disziplin bei unterschiedlichen Choraufstellungen wurden dynamische Abstufungen, Akzentuierungen und rhythmische Details umgesetzt. Zu Recht spontaner Zwischenapplaus für einen lebendigen Chorklang von leuchtender Kraft und erstaunlicher Reinheit und Beweglichkeit. Wie zu Bachs Zeiten üblich unterstützte ein Generalbass das vokale Geschehen.

Die renommierte Cellistin Constanze Weber bereicherte mit Wohlklang und rhythmischer Sicherheit den Kammerchor. Mit beschwingter Noblesse unterfütterte die Cellistin die kontrapunktischen Linien in Telemanns Choral „Eine feste Burg“. Luthers Sentenz „Noten machen den Text lebendig“ galt besonders auch für Walters „Allein auf Gottes Wort“ und „Unser Trübsal“ des Thomaskantors Tobias Michael, beide a-cappella gesungen von BelCanto als Ideal vokaler wortgezeugter Musik. Imponierend, vital, durchgeistigt, erneut Maßstäbe setzend erhielt der Münchner Kammerchor den lang anhaltenden begeisterten Beifall des Publikums.

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