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Gundelfingen

06.03.2019

So kann der Körper das Überflüssige loslassen

Mit vielfältigen Gewürzen und frischen Kräutern peppt Ayurvedakoch Wolfgang Neutzler sowohl die Gemüse-Fasten-Suppen auf als auch grundsätzlich das Essen auf.
Bild: Werner Appel

Fasten-Serie Der Gundelfinger Ayurvedakoch Wolfgang Neutzler ist nach vielen beruflichen Stationen inzwischen Ayurvedakoch im Rosenschloss.

Wolfgang Neutzler besitzt Lebenserfahrung. Wer sich mit dem 69-Jährigen unterhält, spürt zweierlei: Leidenschaft und Gelassenheit. Vor über 30 Jahren hat er sich auf die Ayurveda-Küche spezialisiert, leitet seitdem regelmäßig Fastenwochen an. Seit knapp fünf Jahren arbeitet und wirkt er damit im Gundelfinger Rosenschloss. Bis dahin hat der gelernte Koch vieles ausprobiert und erkannt.

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Im März liegt bei Wolfgang Neutzler der Fokus auf dem Fasten. „Im Prinzip sagt Ayurveda das gleiche wie die christliche Fastenzeit – nur mit einer anderen Begründung“, erzählt der 69-Jährige. Es gebe zwei Hauptjahreszeiten: einen kalten Winter und einen heißen Sommer. Die Zeit dazwischen eigne sich hervorragend zum Fasten. „Das sind Übergänge, in denen wir etwas loslassen können, in der Psyche wie im Körper.“

Gundelfinger Ayurvedakoch hat vieles probiert

Im Körper sind das vorwiegend Schlacken, die sich angesammelt haben. Zum einen durch ein Zuviel beim Essen. Zum anderen durch ein stressiges, schnelllebiges Leben und Frustrationen. „Wir müssen unserem Körper immer wieder die Chance geben, alles Überflüssige rauszuschmeißen.“ Neutzler sieht hier ganz verschiedene Ansätze, die letztendlich alle auf das gleiche hinauslaufen: „Der Stoffwechsel kann zur Ruhe kommen und entgiften.“

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Über Jahrzehnte hat der knapp 70-Jährige selbst alles Mögliche ausprobiert. Mit fünf Jahren stand er bereits mit seiner Mutter am Kochtopf. Später hat er sich viele Jahre an der Rohkost orientiert, teils ausschließlich mit Sonnenkost ernährt. Beruflich lernte er zunächst Koch, arbeitete als Kellner, wurde Hotelbetriebswirt, schulte zum Krankenpfleger um und leitete anschließend ein Altersheim. „Für mich war das alles folgerichtig“, resümiert er heute. Stets wollte er den Menschen etwas geben, was ihnen Freude macht. Doch irgendwann war ihm das Salz in den Kochtöpfen der Restaurants zu viel und die Menschen in den Altersheimen konnten aufgrund ihrer Gewohnheiten nichts mit seinem frischkostreichen Essen anfangen. Welche Nahrung ist wann für wen gesund? Diese Frage trieb Wolfgang Neutzler immer wieder um. Und so landete er schließlich als Heilpraktiker bei Ayurveda. „Der wesentliche Unterschied ist hier, dass wir alles konstitutionsbezogen betrachten“, erzählt er. Sprich jeder Mensch braucht und verträgt die Lebensmittel unterschiedlich, je nachdem ob er mehr Feuer (Pitta), Erde (Kapha) oder Luft (Vata) in sich trägt. Dementsprechend unterscheide sich auch, was jemand zum Fasten brauche. Wolfgang Neutzler nennt ein Beispiel: „Für jemand, der schnell zunimmt oder Wasser einlagert – viel Kapha hat – wären beispielsweise Joghurt und Melone falsch.“ Er bräuchte warmes, gewürztes, leichtes Essen. Aus ayurvedischer Sicht gehe es darum, seinen Energiehaushalt kennen zu lernen. Zu merken, wie viel ich mich bewege, was ich verbrauche und was ich an Nahrung brauche. „Das Richtige zu essen ist wichtig“, sagt Neutzler. „Was anderen gut tut, tut nicht automatisch mir gut.“

Für den Gundelfinger Ayurvedakoch ist es wichtig, dass die Menschen sich selbst und ihren Körper kennenlernen und achten. 
Bild: Werner Appel

Sensibilität ist gefragt

Letztendlich sei Sensibilität gefragt. „Ayurveda hilft den Menschen, sich selbst besser zu verstehen.“ Neutzler weiß, dass sich manche damit anfangs schwer tun, ist doch das ganze Leben erst einmal Anpassung – vom Kindergarten über den Beruf bis zu den Beziehungen. Damit sei vieles angelernt oder Kompensation. Grundsätzlich gelte jedoch: „Wenn jemand richtig in sich reinhört, wird er spüren, was ihm gut tut.“

Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette – davon ist im Ayurveda ebenso wenig die Rede wie von Kalorien. „Wir sprechen vom Geschmack: süß, sauer, salzig.“ Vor allem süß und salzig mache laut Neutzler den Stoffwechsel kaputt. Er rät daher, lieber mit Gewürzen und Kräutern den Geschmack und Wert der Nahrung aufzupeppen. Das gilt auch für die Fastensuppe. Die gibt es nach einer zweitägigen Vorbereitung mit Reis oder Gemüse an fünf aufeinanderfolgenden Tagen: Ingwer in etwas Ghee anbraten, dazu Gewürze, frische Kräuter und Gemüse – und am Ende alles pürieren. Bis zu fünfmal am Tag könne man davon ein Teller essen. Wichtig sei: „Man muss satt sein.“ Nur so könne der Körper loslassen. Hunger bewirke laut Neutzler genau das Gegenteil, erwecke die Überlebensstrategien im Körper.

Für Wolfgang Neutzler persönlich hat die Vorbereitung auf das Fasten bereits begonnen. Schon zwei bis drei Wochen vorher geht er sehr achtsam mit seinem Essen um. Zwei Drittel Gemüse auf dem Teller seien beispielsweise ein guter Anfang. „Damit mache ich auf jeden Fall was Gutes für mich“, rät er allen. Dazu empfiehlt sich im Frühjahr ein Blick in die Kräuterlandschaft der Natur: „Die weiß, was wir zur Reinigung brauchen.“

Natur beeinflusst Essverhalten

Die Natur mit ihren Jahreszeiten beeinflusse auch anderweitig unser Essverhalten: Unabhängig vom persönlichen Typ tue im Winter beispielsweise ein warmes Essen gut. Ebenso wirken sich die Lebensphasen auf unsere Bedürfnisse aus. Während es bis 25 Jahre ums verstärkte Aufnehmen von Nahrung und Wissen geht (Kapha), geben wir anschließend volle Power, setzen Dinge um und gehen damit nach außen (Pitta), um im Alter, ab etwa 55 Jahren den Sinn des Lebens geistig zu erfassen (Vata).

Frei übersetzt sei Ayurveda eine Anleitung, wie wir ein gesundes, glückliches, langes Leben führen können. So hat Wolfgang Neutzler mit knapp 70 Jahren gelernt, sich nicht mehr voll zu verausgaben. Während er früher locker zwölf Stunden am Tag arbeitete, genießt er heute bewusst freie Wochenenden und Tage, geht wandern, schwimmen und auf Reisen: „Das Leben ist viel zu schön, um nur zu arbeiten.“ Und so könne er seine Arbeit umso mehr genießen.

Kurse in Gundelfingen

Mit seinen Kursen ist Wolfgang Neutzler prinzipiell unabhängig von einem bestimmten Ort, bietet Einführungen mittlerweile sogar als Webseminare an. Gleichzeitig schätzt der 69-Jährige das tolle Ambiente im Gundelfinger Rosenschloss und hofft, dass sich für das Haus ein Käufer finden wird (Lesen Sie dazu: Wollen Sie das Gundelfinger Rosenschloss kaufen? ). „Jemand, der sieht, welche Chance im Ayurveda liegt.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Jetzt ist Zeit für Erholung

Infos zum ayurvedischen Angebot von Wolfgang Neutzler im Landkreis Dillingen gibt es im Internet unter www.schule-fuer-ayurveda.de.

In diesem Jahr wollen wir in der Fastenzeit bewusst den Blick auf das körperliche Fasten richten. Welche verschiedene Ansätze gibt es? Für wen sind sie geeignet? Wie funktioniert’s? Allwöchentlich werden wir uns mit einer der zahlreichen Möglichkeiten auseinandersetzen.

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