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Landkreis Dillingen

22.05.2019

Von der Pflegestellen- bis zu Wohnungssuche

Für Flüchtlinge, die eine Wohnung suchen, gibt es bald eine extra Schulung.
Bild: DB Dieter Assmann (dpa), Symbolbild

Hilfen für Angehörige, Ehrenamtliche, Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge beschäftigen den Sozialbeirat.

Im Landkreis gibt es verschiedene Ideen, wie man pflegende Angehörige unterstützen könnte. Aber nicht alles klappt. Wie Landrat Leo Schrell am Montag im Sozialbeirat erklärte, konnte die Idee einer Kurzzeitpflegebörse bislang nicht realisiert werden. Von zwölf angefragten Einrichtungen würden nur acht mitmachen. Eine Internetseite mit verfügbaren Plätzen müsste mindestens tagesaktuell gepflegt werden. Die Krankheitsbilder der Patienten seien völlig unterschiedlich. Kurz: „Eine Börse allein bringt nichts“, so Landrat Schrell.

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Eine Alternative könnte jedoch eine überregionale digitale Pflegeplatzbörse sein. Darüber wird im Bezirk Schwaben gerade nachgedacht. Zudem erinnerte Schrell an den geplanten Pflegestützpunkt, eine Außenstelle der Bezirksverwaltung. Wie berichtet, sollen diese künftig zur wohnortnahen Beratung, Versorgung und Betreuung der Versicherten beitragen. In Schwaben gibt es bislang, anders als im Rest Bayerns, keinen einzigen Pflegestützpunkt. Kreisrätin Heidi Terpoorten von den Grünen, die auch im Bezirk sitzt, betonte, dass sowohl die CSU-Fraktion als auch ihre davon überzeugt sind, dass die Stützpunkte einen Mehrwert für pflegende Angehörige darstellen. Dabei sollte vor Ort nicht nur die Beratung stattfinden, sondern auch Anträge sollten direkt mithilfe des Fachpersonals ausgefüllt werden können. „Gerade für den Landkreis Dillingen zeichnet sich eine schrumpfende und parallel dazu älter werdende Gesellschaft ab – die soll sich auch weiterhin hier wohlfühlen“. Reinhold Sing (SPD) mahnte, dass die Ausdehnung diverser Angebote auch zu Kostensteigerungen führt. „Wie lange stehen wir das durch? Meine Bitte: Machen wir es mit Maß und Ziel.“

"Wo kommt mein Pflegefall unter?" und "Wer zahlt das?"

Selbst im Bezirk Schwaben lange tätig war stellvertretender Landrat Alfred Schneid. Dort waren die häufigsten Fragen am Telefon, die ihm gestellt wurden: „Wo kommt mein Pflegefall unter?“ und „Wer bezahlt das?“ Er lobte die parteiübergreifende Initiative im Bezirksrat und hofft, dass das Projekt schnell umgesetzt wird, im Kreis Dillingen vielleicht sogar zuerst (wir berichteten). Bayernweit würden, so Landrat Schrell, derzeit verschiedene Verhandlungen rund um die Pflegestützpunkte stattfinden. Erst wenn die abgeschlossen sind, wüsste man, wie es weitergeht.

Von der Pflegestellen- bis zu Wohnungssuche

In der Sitzung am Montag stellte auch die Wohnungslotsin Katja Finger ihren Tätigkeitsbericht vor. Seit über vier Jahren sucht sie für anerkannte Flüchtlinge oder nachgereiste Familien private Unterkünfte. Zudem vermittelt sie zwischen Vermieter und Mieter, organisiert Besichtigungen, hilft bei Verträgen und ist auch danach die erste Ansprechpartnerin für beide Parteien, wenn Probleme auftauchen. Dauerthemen seien etwa die Mülltrennung oder wie richtiges Lüften und Heizen funktionieren. Nicht nur Ehrenamtliche sind ihr eine Riesenhilfe, auch Flüchtlinge selbst packen als Dolmetscher, Fahrdienste oder als Starthilfe für Neuankömmlinge mit an.

Flüchtlinge mit Paten und Syrer finden schneller eine Wohnung als andere

Doch ohne einen Flüchtlingspaten, das betonte Katja Finger auch, hätten es die Ausländer grundsätzlich schwerer. 2015 konnte sie 25 Wohnungen an 88 Menschen vermitteln, 2016 62 an 230 Personen, 2017 89 an 232, 2018 54 an 166 und in diesem Jahr bislang 22 Wohnungen an 62 Personen. Vor allem Wohngemeinschaften für Alleinstehende seien ein Erfolg geworden. Ebenso wie der BRK-Gebrauchtwarenladen Vielerlei in Höchstädt. Stephan Härpfer, BRK-Kreisgeschäftsführer sagte, die Einrichtung sei vom ersten Tag gut angenommen worden. Wer Möbel übrig habe, könnte sich direkt dort melden (Telefon 09074/4299555), jemand würde dann kommen, sich die Stücke anschauen und abholen, erklärte er auf eine Frage von Kreisrätin Hannelore Schmid (FW) hin.

Manche bleiben noch Monate nach Vermietung mit der Wohnungslotsin in Kontakt

Doch daneben gibt es viele Sorgen: Die Nachbetreuung sei sehr aufwendig; es kommen mehr Afrikaner nach Deutschland – und hätten wesentlich schlechtere Aussichten auf eine Wohnung als Syrer, was Katja Finger ein Rätsel ist. Manche Flüchtlinge seien überhaupt nicht vermittelbar. Viele Familien seien wählerisch und würden lieber in der Stadt als im Dorf wohnen. Ohne Führerschein und ohne Supermarkt vor Ort sei es schwer, eine mehrköpfige Familie zu versorgen. Fahrradfahren schade keinem, meinte Mödingens Bürgermeister Walter Joas dazu. Landrat Leo Schrell erinnerte an die Rufbusse.

Finger ergänzte, dass diejenigen, die den Schritt hinaus aufs Land gewagt hätten, sich dort aufgrund der guten Nachbarschaft schneller heimisch fühlen würden. „Doch das größte Problem sind Wohnungskündigungen, aus ganz verschiedenen Gründen – und die damit drohende Obdachlosigkeit. Das sehe ich vermehrt auf uns zukommen“, warnte die Wohnungslotsin. Erst kürzlich war einer Familie gekündigt worden, die erst im allerletzten Moment eine alternative Unterkunft fand. „Ich verstehe es nicht. Es gibt so viele leer stehende Wohnungen“, klagte Heidi Terpoorten. Man müsse die Angst vor Fremden mit Nachbarschaftsfesten oder Ähnlichem abbauen. „Manche wollen einfach nicht vermieten“, meinte Finger dazu. „Nicht nur nicht an uns, sondern überhaupt nicht.“

Ein Angebot für Flüchtlinge, Workshops für Ehrenamtliche

Wohnungssuchenden Flüchtlingen soll nun eine Mieterqualifizierung helfen. Das sogenannte Neusässer Modell stellte Alexandra Bronnhuber dar, die hauptamtliche Integrationslotsin im Landkreis. Die Qualifizierung soll über Ehrenamtliche laufen. Diese wiederum können über besondere Kurse gestärkt werden, etwa „Haltung finden. Verschieden, aber gleichwertig“. Drei verschiedene Workshops finden am 5. und 25. Juni sowie am 23. Juli jeweils von 17 bis 20.30 Uhr in St. Ulrich statt. Auch für „Die Kunst des Nein-Sagens“ am 25. Mai, 4. Juni, 17. September und 5. November sind noch Plätze frei (Anmeldung unter Telefon 09071/77062-253). Zudem will Bronnhuber weitere Ehrenamtliche finden.

Zuletzt stellte Michael Künast, Geschäftsführer des Dillinger Jobcenters noch seine aktuellen Zahlen vor. Die Flüchtlingskrise hätte den Landkreis stark betroffen, doch hätten die Betroffenen eine sehr gute Integrationsquote: Flüchtlinge, die Arbeit fänden, würden dabeibleiben. Ihre Motivation sei sehr hoch. Der befürchtete Verdrängungswettbewerb mit deutschen Arbeitslosen sei auch ausgeblieben. Das neueste Projekt soll Langzeitarbeitslosigkeit abbauen und vermeiden: Im Rahmen dessen soll Arbeit statt Arbeitslosengeld II (Hartz IV) bezahlt werden. Das heißt, das Jobcenter würde einen Teil der Lohnkosten übernehmen. Dafür zahlt der Bund dieses Jahr 400000 Euro. Künast hofft, dass es funktioniert. „Es ist auch für Kinder wichtig, zu sehen, dass ihre Eltern Geld verdienen und nicht nur Leistungen beziehen.“ Knapp 1000 Kinder unter 18 Jahren leben in Familien, die HartzIV erhalten.

Lesen Sie dazu auch den anderen Bericht über die Sitzung des Dillinger Sozialbeirates Damit sich Senioren im Landkreis Dillingen wohlfühlen

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